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07.04.2020

Im Gespräch: Ernst Brandl zu den Plänen nach seinem Ausstieg als Kanzleipartner

Bei der Wiener Kanzlei Brandl & Talos zieht sich der Gründungspartner Dr. Ernst Brandl (53) zum Jahresende aus der Gesellschafterriege zurück, Nicholas Aquilina und Markus Arzt sollen zeitgleich Partner werden. Im Gespräch mit JUVE erläutert der Experte für Bank- und Kapitalmarktrecht seine Beweggründe und weiteren Pläne.

Ernst Brandl

Ernst Brandl

JUVE: Nach fast 20 Jahren geben Sie zum Jahresende Ihre Gesellschaftsanteile an der Kanzlei ab, die Sie mitbegründet haben. Was hat Sie dazu bewogen?

Dr. Ernst Brandl: Als Thomas Talos und ich 1999 die Kanzlei starteten, war einer der wesentlichen Gründe: Wir wollten gestalten, ohne die Interessen manch eigenwilliger Senior-Partner berücksichtigen zu müssen. Die nächste Partnergeneration in unserer Kanzlei soll diese Sorge nicht haben und ihren eigenen Gestaltungsspielraum erhalten.

Scheiden Sie komplett aus der Kanzlei aus?

Um Freiraum zu schaffen, habe ich mich dazu entschlossen, von der Gesellschafter-Rolle in eine of Counsel-Funktion zu wechseln. Ich bleibe für die Kanzlei somit mit meiner Expertise verfügbar und werde meinen Kollegen im Bank- und Kapitalmarktrecht beratend zur Seite stehen. Wichtig ist, dass mein Ausscheiden im besten Einvernehmen mit den bestehenden und künftigen Partnern erfolgt.

Sie machen also Platz für jüngere Partner?

Richtig. Wir haben den Luxus, viele talentierte und unternehmerisch denkende Juristinnen und Juristen in unseren Reihen zu haben. Deshalb wird sich die Anzahl der Gesellschafter in den nächsten Jahren erhöhen. Konkret werden mit Nicholas Aquilina und Markus Arzt ab dem Jahreswechsel zwei langjährige Kollegen in ihrer neuen Rolle als Partner die Entwicklung der Kanzlei mitgestalten. Das ist eine sehr erfreuliche Veränderung, und sie bietet für Brandl & Talos als Unternehmen große Chancen.

Welchen Schwerpunkt werden Sie sich in nächster Zeit setzen?

Neben meiner Tätigkeit als of Counsel wird das Biodiversitätsprojekt Miëlo viel Platz einnehmen. Zentrales Element: Wir befreien landwirtschaftliche Flächen von Pestiziden und finanzieren das durch nachhaltige und bienenfreundliche Imkerei.

Apropos Imker: Vergangenen Sommer haben Sie ein medial aufsehenerregendes Urteil für Bienenhalter erstritten. Worum ging es?

Ein Obstbauer in Kärnten hatte während der Blütezeit in seinen Plantagen für Bienen giftige Pflanzenschutzmittel ausgebracht. Daran verendeten sämtliche Bienenvölker der Imker. Für diese war das wirtschaftlich ein großer Verlust. Das Oberlandesgericht Graz verurteilte den Landwirt zu einer bedingten Freiheitsstrafe von vier Monaten und einer Geldstrafe. Das Urteil erregte insofern Aufsehen, als es zum ersten Mal Insekten unter den Schutz des Verbots stellte, die Umwelt zu gefährden. Die Entscheidung führte durchaus zum Umdenken vieler Landwirte, die bisher glaubten, ungestraft auszubringen, was sie wollten. Ein Erfolg für die Umwelt und die Biodiversität.

Das Gespräch führte Raphael Arnold.

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