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22.06.2020

Trocken gelegt: Stossier verwaltet Insolvenz von Kremsmüller Industrieanlagenbau

Das Stammhaus der oberösterreichischen Kremsmüller-Gruppe ist insolvent: Probleme mit einem Großauftrag für eine Klärschlammtrocknungsanlage sorgten bei der Kremsmüller Industrieanlagenbau für eine finanzielle Dürre. Um sich daraus zu befreien, stellte das Familienunternehmen aus Steinhaus bei Wels einen Insolvenzantrag.

Günther Grassner

Günther Grassner

Die Passiva bezifferte das Unternehmen selbst auf 58 Millionen Euro. Sie bestünden überwiegend aus Bankgarantien gegenüber Auftraggebern, die in erster Linie von der UniCredit Bank Austria stammen. Im Zug einer Finanzspritze der Eigentümerfamilie erklärte sich auch die Bank bereit, dem Sanierungsverwalter ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen, um den Betrieb zu retten.

Der Umsatz von Kremsmüller lag 2019 bei 300 Millionen Euro, die Zahl der Mitarbeiter weltweit bei 1.800; das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung trifft von ihnen nun knapp 600 (Gz. 20 S 46/20w). Den Großteil dieser Stellen wollen die Eigentümer erhalten. Neben den österreichischen Betriebsstätten unterhält die Gruppe auch Standorte in Deutschland und Rumänien. Weder diese Auslandstöchter noch die Kremsmüller Beteilgungs-Gesellschaft und die Kremsmüller Industrieservice fallen unter das Insolvenzverfahren.

Raus aus der Prozesstechnik

Teil der Sanierung des Kremsmüller-Stammhauses ist, dass sich das Unternehmen aus dem Geschäftsbereich Prozesstechnik zurückzieht. Denn Hauptursache der Schieflage ist der Großauftrag der Wien Energie für eine industrielle Trocknerstrecke, die Teil einer Anlage auf der Simmeringer Haide ist. Mir ihr lässt sich aus Klärschlamm unter anderem Fernwärme gewinnen. Der Auftrag war 2018 ursprünglich mit 22,5 Millionen Euro veranschlagt – pauschal und als Festpreis. Allerdings rechnete Kremsmüller inzwischen mit tatsächlichen Kosten von 60 bis 65 Millionen Euro für das fortschrittliche und technisch schwierige Projekt.

Mit dem Rückzug aus der Prozesstechnik dürften bei Kremsmüller rund 20 Stellen leitender Techniker wegfallen. Die Sparten Apparatebau, Elektro-, Mess-, Steuer- und Regeltechnik sowie Rohr- und Anlagenbau plant das Unternehmen dagegen fortzuführen.

Berater Kremsmüller Industrieanlagenbau
Grassner Lenz Thewanger & Partner (Linz): Dr. Günther Grassner (Gesellschafts-/Insolvenzrecht), Dr. Norbert Mooseder (Insolvenzrecht); Associate: Daniel Hiermayer (Rechtsanwaltsanwärter)

Berater UniCredit Bank Austria
Fellner Wratzfeld & Partner (Wien): Dr. Markus Fellner (Federführung); Associates: Elisabeth Fischer-Schwarz, Yoanna Eishold, Felix Kirkovits (letztere beide Rechtsanwaltsanwärter; alle Bank- u. Finanzrecht/Sanierungsrecht)

Philipp Stossier

Philipp Stossier

Masseverwalter
Dr. Martin Stossier Dr. Roland Heitzinger Mag. Philipp Stossier (Wels): Dr. Martin Stossier, Philipp Stossier (Masseverwalterstellvertreter)

Hintergrund: Die Masseverwalter Stossier und die Berater von Grassner Lenz Thewanger & Partner (GLTP) sind in Oberösterreich immer wieder in große Insolvenzverfahren einbezogen. Martin Stossier etwa ist seit über zehn Jahren mit dem Konkursverfahren der Holzindustrie Theresia Häupl beschäftigt. Zudem gehörten die Stossier- und die GLTP-Partner zur Phalanx an Anwälten, die ab Herbst 2017 die Verwaltung verschiedener Gesellschaften des Miettextilienunternehmens Wozabal übernahmen.

Kremsmüller setzt in dieser Krise erstmals auf die erfahrenen Sanierungs- und Insolvenzberater der Linzer Kanzlei GLTP. Die Partner Grassner und Mooseder berieten das Unternehmen zu möglichen Auswegen – und letztlich dem Insolvenzantrag.

Die Interessen der Garantiegeberin UniCredit Bank Austria vertritt in dem Sanierungsverfahren Fellner Wratzfeld. Die Wiener Kanzlei ist in verschiedenen Angelegenheiten immer wieder für die Bank tätig, insbesondere in Transaktionen und in gerichtlichen Auseinandersetzungen. (Raphael Arnold)

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