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30.07.2020

Steiermark: ATB Spielberg will sich mit Jaufer sanieren

Die ATB Motorenwerke im steirischen Spielberg sind insolvent. Am Mittwoch eröffnete das Landesgericht Leoben das Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung. Laut Gläubigerschutzverbänden ist das Unternehmen mit 37 Millionen Euro überschuldet. 

Clemens Jaufer

Clemens Jaufer

So betragen die Passiva rund 43 Millionen Euro, denen 6 Millionen an Aktiva gegenüberstehen. Dem Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) zufolge waren die Umsätze des Unternehmens bereits seit 2017 stark rückläufig, gleichzeitig stieg der Kostendruck. 2018 fuhr ATB Spielberg erstmals einen Bilanzverlust von mehr als 7 Millionen Euro ein. Durch die Coronakrise verschärfte sich die Lage, sodass die Verluste nicht mehr aufgefangen werden konnten. 

Von der Insolvenz betroffen sind rund 400 Mitarbeiter. Derzeit loten Geschäftsführung und Betriebsrat aus, wie sie möglichst vielen von ihnen eine Perspektive bieten können. Da die Produktion in Spielberg jedoch eingestellt werden und dort lediglich Entwicklung, Vertrieb und Kundenservice liegen soll, ist derzeit nur von rund 50 Arbeitsplätzen die Rede, die in der Steiermark erhalten bleiben.

Gläubiger können ihre Forderungen bis zum 23. September anmelden, sie erhalten innerhalb von zwei Jahren ab Annahme des Sanierungsplanes eine 30-prozentige Quote ihrer Forderungen.

Seit fast 10 Jahren in chinesischer Hand

Die Unternehmensgruppe mit Konzernsitz in Wien zählt zu den weltweit führenden Anbietern von elektrischen Antriebssystemen für Industrie- und Geräteanwendungen. Seit  2011 gehört sie dem chinesischen Elektromotorenhersteller Wolong. Weltweit beschäftigt ATB derzeit noch 3.500 Mitarbeiter an zwölf Standorten. Der Motorenentwickler produziert in den deutschen Niederlassungen in Welzheim, Mönchengladbach und Nordenham, im britischen Leeds und Norwich, im chinesischen Wuhan und Shaoxing, im polnischen Tarnow, in Eindhoven sowie Subotica und Bor in Serbien.

Auch an den deutschen Standorte gab es in den vergangenen Jahren Restrukturierungsmaßnahmen, so hatte etwa ATB Schorch in Mönchengladbach 2017 ebenfalls Insolvenz angemeldet und eine Sanierung in Eigenverwaltung eingeleitet. Dort gelang es, einen Großteil der Arbeitsplätze zu erhalten.

Vertreter ATB Spielberg
Jaufer Rechtsanwälte (Graz): Dr. Clemens Jaufer, Dr. Mario Leistentritt (beide Federführung); Associates: Alexander Painsi (alle Insolvenz- und Sanierungsrecht), Julia Anderl (Insolvenz- und Arbeitsrecht; beide Rechtsanwaltsanwärter)

Vertreter ATB AG
Freshfields Bruckhaus Deringer (Wien): Dr. Florian Klimscha (Restrukturierung und Insolvenz) – aus dem Markt bekannt

Masseverwalter
Dr. Zsizsik & Dr. Prattes (Bruck/Mur): Dr. Gernot Prattes

Hintergrund: Das Sanierungsverfahren bleibt zunächst in steirischen Händen. Zum Masseverwalter bestellte das Landesgericht den Brucker Insolvenzrechtler Dr. Gernot Prattes.

Als Schuldnervertreter tritt der ehemalige Scherbaum Seebacher-Partner Dr. Clemens Jaufer erstmals in eigener Kanzlei in Erscheinung. Im Juni dieses Jahres hatte er gemeinsam mit dem ebenfalls von Scherbaum Seebacher kommenden Dr. Mario Leistentritt die Insolvenzrechtsboutique Jaufer Rechtsanwälte gegründet.

Bei der Restrukturierung der deutschen Tochter ATB Schorch vor drei Jahren standen der Sanierungsexperte Dr. Dirk Andres von der Düsseldorfer Kanzlei AndresPartner sowie der Stuttgarter Arbeitsrechtler Dr. Sebastian Frahm von Frahm Kuckuk Hahn dem Unternehmen zur Seite. (Annette Kamps)

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