Artikel drucken
04.08.2020

PHH-Managing-Partner im Gespräch: Wir sind jetzt krisengeübt

Vor einem Jahr hat PHH ihr Management neu aufgestellt und mit Julia Fritz (33) und Dr. Rainer Kaspar (42) deutlich verjüngt. Beide wurden zu Beginn ihrer ersten Amtszeit vor große Herausforderungen gestellt – durch Partnerabgänge, die Corona-Krise und einen unerwarteten Todesfall.

Seit 2019 Managing-Partner: Julia Fritz und Rainer Kaspar

Seit 2019 Managing-Partner: Julia Fritz und Rainer Kaspar

JUVE: Mit welchen Vorhaben sind Sie angetreten und was konnten Sie bereits umsetzen?

Dr. Rainer Kaspar: Das wohl wichtigste Thema war der strategische Ausbau der Kanzlei. Wir wollen nicht einfach weiter draufloswachsen, sondern haben uns angeschaut, welche Geschäftsbereiche zukunftsträchtig und profitabel sind. Dabei haben wir Steuern, Bank- und Bankaufsichtsrecht, Öffentliches Recht, IP und Kartellrecht als vielversprechend identifiziert.

Im Steuerrecht haben Sie sich ja bereits verstärkt.

Kaspar: Genau. Seit Anfang des Jahres gehört der ehemalige Rödl-Steuerexperte Dr. Andreas Baumann mit seiner Steuerberatungsgesellschaft PHH Tax zu uns. Mit seinen Schwerpunkten Transaktionssteuern und Steuerplanung ergänzt er die juristischen Beratungsleistungen unseres Corporate/M&A-Teams bei Transaktionen und Umgründungen. Immer mehr Mandanten wünschen inzwischen eine solche ganzheitliche Beratung.

Was kommt als nächstes?
Kaspar:
Im bankenregulatorischen Bereich bekommen wir im Laufe des Jahres Verstärkung. In den anderen Fachgebieten suchen wir noch. Schließlich ist ja nicht nur die Wirtschaftskraft wichtig, ein neuer Partner muss auch zu uns passen.

Julia Fritz: Im HR-Bereich war es insgesamt ein turbulentes Jahr. Im Dezember erfuhren wir, dass uns zwei langjährige Partner verlassen werden.

Wie kompensieren Sie den Weggang von Hannes Havranek und Dörk Pätzold im Corporate-Team?

Kaspar: Die beiden hatten einen abgeschlossenen Tätigkeitsbereich und ihre Stammmandanten. So hatte die Trennung keinen Einfluss auf die Arbeit im restlichen Team.

Julia Fritz: Wir treiben den Aufbau auch im Corporate-Team voran. Allerdings möchten wir langsam und gesund wachsen – nicht zu abrupt.

Inwiefern hat Ihnen Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht?

Fritz: Naja, das war schon ein Einschnitt. Zwei Tage, bevor die Anordnung der Regierung kam, hatten wir unsere Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Das hat auch alles gut geklappt. Im April ist die Arbeit etwa um ein Viertel zurückgegangen. Da standen wir vor der Herausforderung, in kürzester Zeit die Auslastung und Liquidität zu prüfen und Stellen zu identifizieren, an denen man Kosten reduzieren kann. Wie viele andere auch, haben wir Kurzarbeit angemeldet. So konnten wir flexibel auf die jeweilige Situation reagieren. Seit Juli sind wir wieder ähnlich ausgelastet wie vor der Pandemie.

Kaum war der Lockdown überstanden, ereilte Sie mit dem unerwarteten Tod Ihres Partners Dr. Matthias Preuschl die nächste Hiobsbotschaft.

Fritz: Das war tatsächlich ein Schock für uns alle. Wir haben direkt alle Mitarbeiter persönlich informiert. Es war uns wichtig, dass sie es von uns erfahren und nicht von außerhalb. Wir haben alles getan, um die Mannschaft zusammenzuhalten und füreinander da zu sein. Später kam dann das ganze Organisatorische, schließlich brauchen ja auch die Mandanten einen Ansprechpartner, der mit ihrer Sache vertraut ist. Wie wir in der Strafrechtspraxis strategisch weitermachen, ist noch offen.

Um mit etwas Positivem abzuschließen: Welche Veränderungen – abgesehen von den strategischen – hat die Verjüngungskur im Management im ersten Jahr gebracht?

Kaspar: Uns war es wichtig, eine offene Kommunikation zwischen den Kollegen zu stärken. Und auch die Kleiderordnung haben wir ein wenig gelockert. Wer keinen Mandantentermin hat, muss nicht im Anzug kommen. Ein gewisser Generationenwechsel und damit verbunden ein Aufbrechen alter Strukturen steht in vielen Kanzleien an – wir sehen uns da als Vorreiter.

Fritz: Wir freuen uns aber auch, wenn das nächste Jahr weniger turbulent wird als dieses. In jedem Fall sind wir jetzt krisengeübt!

Das Gespräch führte Annette Kamps.

  • Teilen