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25.02.2021

Millionen-Exit: Australier übernehmen mit Eisenberger + Herzog Wiener Start-up Kaleido AI

Die australische Grafikdesignplattform Canva hat das gerade zwei Jahre junge Start-up Kaleido AI übernommen. Die Wiener Softwareschmiede legt damit nach eigenen Angaben einen der größten Exits der österreichischen Start-up-Geschichte hin.

Nidal Karaman

Nidal Karaman

Zwar vereinbarten die Parteien über den genauen Kaufpreis Stillschweigen, doch die Transaktion soll ein Exit in der Größenordnung von MySugr, Shpock oder Runtastic sein. Die österreichische Fitness-App Runtastic etwa ging 2015 für 220 Millionen Euro an Adidas. 

Die Software von Kaleido ermöglicht die Bildbearbeitung mittels künstlicher Intelligenz (KI). So können etwa Hintergründe von Bildern und Videos in Sekundenschnelle und sehr detailgenau entfernt werden. Die beiden Gründer Benjamin Grössing und David Fankhauser entwickelten dafür einen speziellen KI-Algorithmus.

Der Verkauf an Canva bietet Kaleido nun die Möglichkeit, zu wachsen und durch Synergien gemeinsam mit den Australiern schneller neue Grafikprodukte entwickeln zu können. So soll das Wiener Team bis zum Jahresende 2021 auf bis zu 60 Mitarbeiter wachsen – aktuell sind es nur halb so viele.

Einfach zu bedienende Tools auf dem Vormarsch

Wendelin Ettmayer

Wendelin Ettmayer

Die Designplattform Canva entstand 2012 in Sidney und beschäftigt mittlerweile rund 1.000 Mitarbeiter. Bereits in den vergangenen Jahren kaufte das  Unternehmen Software- und Fotoplattformen zu, unter anderem die deutschen Dienste Pixabay und Pexels. Canva selbst gibt seinen Firmenwert mit rund sechs Milliarden australischen Dollar an (umgerechnet 3,9 Milliarden Euro).

Die Australier waren zunächst mit einem 40-prozentigen Anteil über eine Beteiligungsgesellschaft bei Kaleido eingestiegen, inzwischen übernahmen sie auch die restlichen Anteil von den Gründern. Das neue Investitionskontrollgesetz machte für diese Schritte eine Genehmigung des Wirtschaftsministeriums in Wien nötig. Grössing und Fankhauser bleiben Kaleido als Geschäftsführer erhalten. Ein Teil des Kaufpreises beglichen die Erwerber über Beteiligungen.

Berater Canva
E+H Eisenberger + Herzog (Wien): Dr. Nidal Karaman (Corporate/M&A), Dr. Jana Eichmeyer (Arbeitsrecht), Judith Feldner (Kartellrecht), Dr. Helmut Liebel (IP/IT); Associates: Dr. Karolin Andréewitch (Arbeitsrecht), Michael Lins, Martin Zankl (beide Corporate/M&A; beide Rechtsanwaltsanwärter), Christian Cacic (Bank- und Finanzrecht), William Redl (Kartellrecht), Michael Staudinger (IP/IT; alle Rechtsanwaltsanwärter)
Inhouse Recht (Sidney): Todd Carpenter (Chief Legal Officer & Corporate Development), Kirk Simmons (Head of Legal), Morgan Schwartz (Legal Counsel) 

Julia Kusznier

Julia Kusznier

Berater Kaleido AI 
KPMG Law (Wien): Dr. Wendelin Ettmayer (Corporate/M&A), Elisabeth Wasinger (Arbeitsrecht), Karin Bruchbacher (Kartellrecht/FDI), Dr. Julia Kusznier (IP/IT); Associates: Pablo Essenther, Thomas Androsch (beide Corporate/M&A; letzterer Rechtsanwaltsanwärter)

Hintergrund: Die Transaktion war eine der ersten, die das Wirtschaftsministerium nach dem neuen österreichischen Investitionskontrollgesetz (FDI) prüfte und freigab. Das im Herbst 2020 in Kraft getretene Gesetz schreibt die Genehmigung von Verkäufen systemrelevanter Unternehmen ins Ausland vor. Zur kritischen Infrastruktur zählt neben Verteidigungsgütern und der Energie- oder Lebensmittelversorgung auch künstliche Intelligenz.

Eisenberger + Herzog kam über eine Empfehlung von Latham & Watkins ins Mandat, mit der sie regelmäßig in grenzüberschreitenden Transaktionen zusammenarbeitet, zuletzt an der Seite von Teamviewer beim Kauf von Xaleon. An dem jetzigen Zukauf durch Canva war Latham nicht direkt beteiligt. Allerdings ist der Chief Legal Officer von Canva, Carpenter, ein früherer L&W-Anwalt. 

Corporate-Partner Karaman hatte bei E+H zuletzt in mehreren großen Softwaredeals die Federführung inne, so auch Ende 2020 bei der Übernahme von Emarsys durch SAP. Neben der Verhandlung des zweistufigen Einstiegs in das österreichische Unternehmen standen vor allem IP- und arbeitsrechtliche Fragen im Vordergrund. Im Bereich Tax und Finance ließ sich Canva von Ernst & Young beraten.

Auch beim Team von Buchberger Ettmayer spielten Arbeits- und IP-Recht eine wichtige Rolle. Für das Geistige Eigentum war hier Dr. Julia Kusznier zuständig. Sie war Ende 2020 von Schindler als Counsel zu KPMG Law gekommen und hatte die Co-Leitung der IP/IT-Praxis übernommen.

Die Kanzlei war über einen Pitch bei den Gründern in Mandat gekommen. Zu steuerlichen Themen setzte Kaleido KPMG, mit deren Rechtsarm die Kanzlei Buchberger Ettmayer seit ihrem Start kooperiert. (Annette Kamps)

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