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03.03.2021

Geld im Karton: Mayr-Melnhof besorgt sich mit PHH und Simmons eine Milliarde Euro

Der Karton- und Faltschachtelhersteller Mayr-Melnhof hat die Finanzierung seiner beiden Firmenzukäufe in Finnland und Polen gesichert. Über Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen nahm er rund eine Milliarde Euro ein. Das Interesse der institutionellen Investoren überstieg das geplante Volumen um das Sechsfache.

Wolfram Huber

Wolfram Huber

Das ursprüngliche Zielvolumen hatte bei 300 Millionen Euro gelegen. Die Laufzeiten der verschiedenen Finanzierungsinstrumente liegen zwischen fünf und 15 Jahren. Der durchschnittliche Zinssatz beträgt rund 1,5 Prozent, darunter sind Tranchen mit fester und variabler Verzinsung. Sowohl die Schuldscheindarlehen als auch die Namensschuldverreibungen unterliegen deutschem Recht.

Die arrangierenden Banken waren die Erste Group, UniCredit Bank Austria und die Raiffeisenbank International (RBI). Einen Teil der Schuldscheine platzierten sie über die IT-Anwendung ‚Dealfabrix′ der Erste Group, die auf der Distributed-Ledger-Technologie basiert.

Der Erlös der Emissionen dient dazu, zwei Zukäufe für den Ausbau des Geschäfts mit Frischfaserkarton zu finanzieren. Im Februar hatte der börsenotierte Konzern bekannt gegeben, von International Paper ein Karton- und Papierwerk in Kwidzyn in Zentralpolen für rund 670 Millionen Euro zu erwerben. Bereits im Dezember hatte er angekündigt, für 425 Millionen Euro Kotkamills zu kaufen. Das Unternehmen betreibt ein Karton- und Papierwerk in Kotka in Südfinnland.

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahrs 2020 lag der Umsatz von Mayr-Melnhof Karton mit 1,9 Milliarden Euro knapp unter dem Vorjahreswert. Das Betriebsergebnis betrug 169,3 Millionen Euro, gut 13 Prozent weniger als 2019. Der Rückgang geht maßgeblich auf Einmaleffekte zurück. So belasteten etwa Abschreibungen in der Kartondivision das Ergebnis, unter anderem weil der Konzern eine Kartonmaschine in Hirschwang an der Rax außer Betrieb nahm. Das Unternehmen beschäftigt rund 10.000 Mitarbeiter, von der Stilllegung in Niederösterreich sind 150 Beschäftigte betroffen.

Felix Biedermann

Felix Biedermann

Berater Mayr-Melnhof
PHH Prochaska Havranek (Wien): Dr. Wolfram Huber; Associate: Lisa Urbas (Rechtsanwaltsanwärterin; beide Finanzierungsrecht)
Simmons & Simmons (Frankfurt): Dr. Felix Biedermann, Dr. Gabriele Röhl (beide Kapitalmarktrecht)
Inhouse Recht (Wien): Elvira Schmid (Corporate Legal Manager)

Berater Banken
Inhouse Recht (Erste Group, Wien): Simon Fleißner (Senior Legal Counsel)
Inhouse Recht (RBI, Wien): Franz Waldeck (Legal Counsel)
Inhouse Recht (UniCredit Bank, München): Adrian Schäfer (Head of Debt Capital Markets Legal)

Hintergrund: Mayr-Melnhof beauftragt bei finanzierungsrechtlichen Fragen immer wieder Huber, auch bereits vor seinem Wechsel zu PHH im Sommer 2014. Zuvor war Huber in einer gemeinsamen Kanzlei mit Dr. Uwe Rautner tätig.

Unter den arrangierenden Banken übernahm die Erste Group die Federführung. Auf Empfehlung des dortigen Senior Legal Counsel Fleißner beriet Simmons zur Wirksamkeit der Vertragsschlüsse auf der blockchainbasierten Lösung ‚Dealfabrix′ und trug ein Gutachten zu deutschem Recht bei. (Raphael Arnold)

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