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08.04.2021

Neues Management: Binder Grösswang zieht nach einem Jahr Bilanz

Binder Grösswang startete mit einem neuen Management-Board ins Corona-Jahr: Kaum war das Management-Board im Februar im Amt, setzten im März die ersten Maßnahmen ein, um die Pandemie einzudämmen. In einer Bilanz nach einem Jahr sieht Managing-Partner und Kanzleisprecher Andreas Hable manche Punkte als erledigt. Nachholbedarf besteht dagegen bei der Kanzleistrategie.

JUVE: Seit einem Jahr führt ein fünfköpfiges Partnergremium die Kanzlei. Was sind die Gründe für diese neue Managementstruktur?

Andreas Hable

Andreas Hable

Dr. Andreas Hable: Wir wollten Entscheidungen schneller fällen können und dazu alle Bereiche zusammenführen, die zuvor in Ausschüsse delegiert waren: Personal, IT, Finanzen, Kommunikation und Business Development sowie Büromanagement. Dafür ist nun gemeinsam mit den Leitern jeweils ein Partner aus dem Board zuständig. Gleichzeitig ist das Gremium für die Strategie und die Organisation der Kanzlei zuständig, was vorher bei den beiden Managing-Partnern lag.

Sie haben die Kanzleileitung also gestrafft?

Richtig. In den Ausschüssen waren zuvor jeweils zwei Partner für zwei Jahre gewählt. Das haben wir aufgegeben, so dass die Partnerinnen und Partner entlastet sind. Die Rolle der nicht juristisch tätigen Bereichsleiter, vier Frauen und ein Mann, ist dadurch gestärkt.

Welche Bilanz ziehen Sie nach einem Jahr?

Kaum waren wir im Februar im Amt, kam schon die Nagelprobe: Covid-19. Wir sind da ja quasi hineingestolpert, und es war gut, dass wir auf schnelle Entscheidungswege gesetzt hatten. So sind wir organisatorisch sehr gut durch das letzte Jahr gekommen.

Im März 2020 mussten Sie den Kanzleibetrieb schnell auf dezentrales Arbeiten umstellen. Welche Lehren ziehen Sie?

Wir waren technisch gut vorbereitet, denn die Infrastruktur und die IT-Architektur dafür war vorhanden – wir mussten nichts anschaffen. Aus meiner Sicht zeigt sich aber, dass der Raum, an dem Menschen zum Arbeiten zusammenkommen, eine soziale Funktion hat. Es fehlen die vielen kleinen Kommunikationsmöglichkeiten, und gerade jüngere Mitarbeiter wollten als erstes wieder zurück in die Kanzlei. Wir müssen also einen Modus finden, Treffen zu ermöglichen. Deshalb haben wir jetzt an drei Wochentagen eine Teststraße in der Kanzlei, die Schnelltests auf Corona macht.

 

Management-Board bei Binder Grösswang 
  zuständig für
Dr. Stefan Albiez Human Ressources
Dr. Andreas Hable Communications / Business Development
Dr. Florian Khol Finance
Dr. Stefan Tiefenthaler Office-Management
Dr. Markus Uitz IT
   

 

Wird sich der Standort in Wien weiter verändern, weil mehr Mitarbeiter von zu Hause arbeiten?

Wir haben intern geklärt, dass wir am aktuellen Standort in der Wiener Innenstadt bleiben. Deshalb investieren wir weiter in moderne Medientechnik, etwa Videokonferenzsysteme, und die Konferenzräume. Es gab auch Überlegungen, ob für jede Juristin und jeden Juristen ein eigenes Zimmer nötig ist. Das bejahen wir inzwischen. Schließlich brachte uns das in den Pandemiemonaten auch größere Flexibilität und Sicherheit.

Wie blicken Sie auf das Geschäftsjahr zurück?

Es hat sich trotz der schwierigen Umstände bald gezeigt, dass wir gut unterwegs sind. Rückblickend sind wir mit dem Geschäftserfolg des Jahres 2020/21 sehr zufrieden.  Und wir freuen uns, dass wir trotz der widrigen Umstände Clemens Willvonseder zum 1. Februar zum Partner machen konnten. Bei den Kosten ergibt sich außerdem kurzfristig ein positiver Spareffekt: extrem wenige Reisen und seit März keinerlei Veranstaltungen vor Ort. Diese Kosten werden aber nicht dauerhaft wegfallen.

Welche Projekte stehen in den kommenden Monaten an?

Wir müssen die Punkte vorantreiben, wo wir viel zu wenig gemacht haben, weil uns die tagesaktuellen Themen überrannten. Dazu zählt die Kanzleistrategie. Es ist für die Partnerschaft wichtig, gemeinsame Ziele zu haben und sich darauf zu fokussieren. Für uns bedeutet das, ein klares Verständnis zu finden, in welchen Branchen und Fachbereichen wir gute Geschäftschancen sehen, etwa zu Themen der Digitalisierung und des Klimaschutzes. Das kann vom Energierecht bis zu grünen Finanzprodukten reichen.

Das Gespräch führte Raphael Arnold.

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