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24.09.2020

Nach Bilanzskandal: Aurin Investment Group kauft Wirecard CEE

Die österreichische Wirecard Central East Europe (CEE) ist im Rahmen eines Asset Deals an den deutschen Private Equity Investor Aurin Investment verkauft worden. Der Kaufpreis soll zwischen vier und fünf Millionen Euro liegen. Erst im August wurden die brasilianische Wirecard-Tochter und Teile des britischen Geschäfts veräußert.

Zu Anfang waren vier Bieter im Rennen, doch letzten Endes setzte sich der Frankfurter Investor Aurin Investment durch. Das seit Anfang 2020 bestehende Private Equity Haus ist auf mittelständische europäische Unternehmen in der Krise spezialisiert und berät auch zu möglichen Rettungskonzepten.

Ulla Reisch

Ulla Reisch

Die insolvente Wirecard CEE wickelt Zahlungen für Kunden wie Lotterien oder die Österreichische Bundesbahn ab. Auch mehrere Ministerien sollen Zahlungen über das Wirecard-System abwickeln. Laut der Insolvenzverwalterin Dr. Ulla Reisch können die Kunden der Wirecard CEE weiterhin mit den Leistungen des Unternehmens rechnen. Zudem soll mit dem Verkauf ein wesentlicher Schritt für eine hohe Gläubigerbefriedigung gesetzt worden sein. Die österreichische Wirecard-Tochter wird künftig wieder unter Qenta firmieren. Von den einst 152 Mitarbeitern ist nach der Insolvenz ein Team von 22 Köpfen am Standort Graz verblieben, das vollständig erhalten bleiben soll.

Erst im Juli stellte die Wirecard CEE, deren Alleingesellschafterin die Wirecard Sales International Holding ist, ihren Insolvenzantrag. Bislang sind 365 Forderungen mit einer Gesamthöhe von 6,09 Millionen Euro angemeldet worden, davon 2,44 Millionen Euro von Wirecard-Mitarbeitern. Noch kurz vor der Insolvenz sollen Gelder in Höhe von 2,7 Millionen Euro verschwunden sein und zudem wurde ein negatives Eigenkapital von 600.000 Euro in der Bilanz festgestellt. Und das, obwohl die Wirtschaftsprüfer von TPA im Geschäftsjahr 2019 einen Gewinn von 8,29 Millionen Euro testiert hatten.

Berater Wirecard Central East Europe
Urbanek Lind Schmied Reisch (Wien): Dr. Ulla Reisch

Hintergrund: Die Käuferin hat nach JUVE-Informationen keine juristischen Berater hinzugezogen. Da bei dieser Transaktion ausschließlich die Assets der Wirecard CEE verkauft wurden, war ihre Alleingesellschafterin Wirecard Sales International Holding nicht beteiligt.

Insolvenzverwalterin Reisch hat die Transaktion juristisch sowie steuerlich begleitet. Die Wiener Kanzlei Schima Mayer Starlinger agierte bislang als Schuldnervertreter der Wirecard CEE, war bei diesem Asset Deal allerdings nicht beteiligt. (Esra Laubach)

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