Artikel drucken
27.09.2010

Immobilienfonds: Anlegerin erzielt mit Hahn Teilerfolg gegen Commerzbank

Die Commerzbank hat im Streit um eine mögliche Falschberatung im Zusammenhang mit dem Immobilienfonds P2 Value von Morgan Stanley einen Vergleich geschlossen. Sie hat den Schaden der Klägerin teilweise beglichen.

Hahn_Peter

Peter Hahn

Damit ging dieser erste Prozess gegen die Commerzbank wegen des Verkaufs eines offenen Immobilienfonds vor dem Landgericht Berlin ohne Urteil zu Ende. Es gibt damit auch keinen Hinweis darauf, ob die Bank eventuell systematisch rechtswidrig gehandelt hatte und auch andere Anleger betroffen wären.

Anteile an offenen Immobilienfonds galten bis zu den Turbulenzen vor rund zwei Jahren als sicher und ständig handelbar. Als solide und liquide Anlage wurden sie von vielen Banken offensiv vertrieben. Dann kam es teils zu massiven Abwertungen und massenhaften Verkäufen. Um den Kursverfall zu stoppen, schlossen in dieser Zeit etliche Fonds. Auch Anleger, die in den Morgan Stanley P2 investiert hatten, waren von diesen Maßnahmen betroffen, etwa der Axa Immoselect oder der SEB Immoinvest. Strittig ist, ob die Banken im Rahmen der Beratung und im Prospekt auf die Risiken ausreichend hingewiesen haben.

In dem konkreten Verfahren ging es um die Schadensersatzforderung einer Privatanlegerin, die im Frühjahr 2008 300.000 Euro sicher und täglich verfügbar anlegen wollte. Ihr Bankberater empfahl den P2 Value. Der schloss jedoch gut sechs Monate später. Von einem Verkauf der Anteile über die Börse – die einzig verbliebene Ausstiegsmöglichkeit – riet die Bank der Kundin jedoch ab. Irgendwann stieg sie doch aus und nahm den Kursabschlag am Zweitmarkt hin – und genau den Betrag forderte sie nun von der Commerzbank zurück.

Aktuell sind bei Banken etliche weitere Klagen wegen Falschberatung anhängig. Gelingt es den Anlegern, den Beratern Fehler nachzuweisen, haben sie Anspruch auf Schadenersatz. Mit dem Vergleich in dem aktuellen Prozess übernimmt die Commerzbank einen Teil der Verluste. Experten gehen davon aus, dass das Kreditinstitut mit dem Entgegenkommen einen Präzedenzfall verhindern wollte. Es ist jedoch absehbar, dass es zu weiteren Einzelfallentscheidungen kommen wird. (Volker Votsmeier)

Vertreter Anlegerin
Hahn (Hamburg): Peter Hahn

Vertreter Commerzbank
Thümmel Schütze & Partner (Berlin): Olaf Sachner – aus dem Markt bekannt

Landgericht Berlin, 4. Zivilkammer
Dr. Bernhard Dietrich (Einzelrichter)

Hintergrund: Hahn ist eine der größeren Anlegerschutzkanzleien mit Büros in Hamburg, Bremen und Stuttgart. Die Kanzlei ist spezialisiert auf die Vertretung von Anlegern, die sich wegen erlittener Vermögensverluste gegen Banken, Finanzvertriebe oder Initiatoren wenden.

Thümmel Schütze hat ebenfalls einen Schwerpunkt auf dem Gebiet Bank- und Kapitalmarktrecht, vertritt aber die Seite der Banken und Finanzdienstleister bei Klagen von Anlegern.

  • Teilen