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13.09.2011

Schadensersatzklage gegen Porsche und VW: CLLB und DRRT vertreten Anleger

Die Berliner Prozessführungsgesellschaft ARFB fordert von Volkswagen und der Porsche Automobil Holding knapp 1,1 Milliarden Euro Schadensersatz. Eine entsprechende Klage gegen den Wolfsburger Autokonzern und die Dachgesellschaft von Porsche ist beim Landgericht Braunschweig anhängig (Az. 5 O 2077/11).

Franz Braun

Franz Braun

Hinter ARFB stehen als Gesellschafter Alexander Reus, Managing Partner der US-Kanzlei DRRT, sowie Franz Braun, Partner der anerkannten Anlegerschutzkanzlei CLLB aus München. Die Prozessführungsgesellschaft hat sich für die Klage die Ansprüche von 41 institutionellen Anlegern abtreten lassen. Sie sehen sich von Porsche durch irreführende Aussagen sowie eine unterbliebene Ad-hoc-Meldung im Übernahmekampf um VW 2008 getäuscht. Der mitbeklagte VW-Konzern soll davon gewusst und Informationen zurückgehalten haben.

Hinter den Ansprüchen stehen Banken, Versicherungen, Pensions-, Staats- und Hedgefonds, die in Porsche-Aktien investiert hatten. Laut den Prozessvertretern kommt rund ein Viertel der Investoren aus Deutschland, der Rest hat seinen Sitz im Ausland. Die Anleger stützen ihr Verlangen auf eine Mitteilung des damaligen Porsche-Managements von März 2008. Damals gab der Sportwagenhersteller bekannt, dass er keine Erhöhung seiner Anteile an VW auf über 75 Prozent plane. Die vermeintlich geschädigten Unternehmen sehen eine verletzte Veröffentlichungspflicht des Unternehmens wegen Insiderinformationen. Sie fordern den Kursdifferenzschaden ein, der sich aus Bestandsverkäufen ergab, für die letztendlich ein zu geringer Erlös erzielt wurde.

Markus Meier

Markus Meier

Porsche und Volkswagen weisen den Vorwurf jeglicher Marktmanipulation zurück. Wie bekannt ist, hatte die Dachgesellschaft des Stuttgarter Automobilherstellers bereits seit dem vergangenen Jahr über eine Mediation nach einer gütlichen Lösung mit den institutionellen Anlegern gesucht. Nachdem diese gescheitert war, zeichnete sich seit Jahresbeginn eine Klage gegen Porsche wegen Marktmanipulation vor einem deutschen Gericht ab.

Im Februar hatte CLLB bereits angekündigt, die Forderung diverser Mandanten ihrer Kooperations-Kanzlei DRRT um eine Milliarde Euro aufzustocken. Aller Voraussicht nach reagierten die Prozessvertreter damit auf die ersten abweisenden Entscheidungen von US-Gerichten. Dort laufen diverse milliardenschwere Klagen gegen Porsche sowie den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking und den früheren Leiter der Finanzabteilung Holger Härter. Laut Presseberichten sind in Deutschland bereits weitere Klagen gegen Porsche und VW in Planung.

Wegen der zahlreichen Klagen in den USA und in Deutschland haben beide Unternehmen Presseberichten zufolge ihre Verschmelzung auf Eis gelegt.

Vertreter ARFB Anlegerschutz UG
CLLB Rechtsanwälte (München): Franz Braun (Kapitalmarktrecht)
DRRT (Miami, Frankfurt): Alexander Reus (Kapitalmarktrecht)

Vertreter Porsche Automobil Holding SE
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Markus Meier (Federführung), Manuela Roeding; Associate: Dr. Philipp Hanfland (alle Litigation) – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Stuttgart): Dr. Konrad Wartenberg – aus dem Markt bekannt

Vertreter Volkswagen AG
Inhouse (Wolfsburg): Dr. Hans-Peter Fischer, Gerko von Hammerstein

Vertreter der vom Land Niedersachsen gestellten Aufsichtsratsmitglieder Volkswagen AG
CMS Hasche Sigle (Hamburg): Dr. Christian von Lenthe, Dr. Henrik Drinkuth, Dr. Heino Büsching

Landgericht Braunschweig, 5. Zivilkammer

Hintergrund: In den USA ist die auf Kapitalmarktrecht spezialisierte DRRT in diversen Großverfahren aktiv. Auch in den US-Verfahren gegen Porsche und die ebenfalls beklagten Ex-Manager hat DRRT Ansprüche für 14 Investmentfonds wegen angeblicher Marktmanipulation angemeldet. Hinter der im Dezember 2010 von einem US-Bundesgericht in New York als unzulässig abgewiesenen Klage zweier Hedgefonds standen jedoch andere US-Kanzleien. Hierzulande hat DRRT seit dem gemeinsamen Betreiben der Porsche-Klage mit der Anlegerschutzkanzlei CLLB an Prominenz gewonnen. Zudem tritt DRRT-Anwalt Christian Wefers als Musterkläger im KapMuG-Verfahren gegen die Hypo Real Estate auf (mehr…). Dort vereint Wefers Ansprüche von 40 institutionellen Anleger wie auch der Deka Bank oder einer Tochtergesellschaft des Allianz-Konzerns in Höhe von 320 Millionen Euro hinter sich. Dort wird er von der Kanzlei Tilp vertreten.

Auf der Seite der Porsche-Dachgesellschaft steht mit Hengeler Mueller eine traditionelle Beraterin. Die Hengeler-Partner Sassenrath und Schapmann begleiteten den Autobauer bei seiner milliardenschweren Entschuldung (mehr…). Wie öffentlich bekannt ist, hatte Hengeler-Partner Austmann Porsche auch bei einer vorgeschalteten Mediation mit den institutionellen Anlegern betreut. Mit Meier bietet Hengeler in dem Haftungskomplex zudem ihren derzeit profiliertesten Litigation-Anwalt auf. In der Abwehr der US-Schadensersatzklagen griff Porsche auf ein US-deutsches Team von Sullivan & Cromwell zurück. Für Wiedeking trat Skadden Arps auf, während Härter auf Simpson Thatcher vertraute.

Die Prozessanwälte von Volkswagen sind derzeit noch nicht bekannt. Jedoch gilt Clifford Chance als die beständigste Kanzlei an der Seite von Europas größten Autokonzern. So etwa bei der Kapitalerhöhung zur Integration von Porsche (mehr…) und beim Erwerb der Porsche Holding Salzburg (mehr…).

CMS berät seit 2009 die ehemaligen und aktuellen Aufsichtsratsmitglieder der Volkswagen AG, die von dem Land Niedersachsen gestellt werden. Dazu gehört auch der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident und heutige Bundespräsident Christian Wulff. (Marcus Jung)

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