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04.01.2012

Weitere Klage: Investoren fordern mit Broich Schadensersatz von Porsche

Porsche sieht sich im Kontext der versuchten Übernahme von Volkswagen einer weiteren Milliardenklage ausgesetzt: Sieben Investmentfonds, die zu vier Fondsgesellschaften gehören, haben den Automobilkonzern vor dem Landgericht Stuttgart auf 1,7 Milliarden Euro verklagt. Die Schadensersatzklage ist seit dem 30. Dezember anhängig, aber Porsche bisher nicht zugestellt.

Josef Broich

Die klagenden Fonds sind Elliott Associates, Elliott International, The Liverpool Limited Partnership, Perry Partners, Perry Partners International, DE Shaw Valence International und York Capital Management Europe UK Advisors. Sie fordern Schadensersatz wegen einer in ihren Augen falschen Pressemitteilung vom Oktober 2008. Seinerzeit hatte Porsche bekannt gegeben, 75 Prozent der Aktien an Volkswagen zu kontrollieren, was nach dem Ansicht der Kläger nicht zutraf.

Zuvor hatten die Fonds mit diversen Banken Leerverkäufe der Aktie getätigt und auf eine geringen Aktienkurs spekuliert. Die Mitteilung hatte seinerzeit dann eine Angebotsknappheit der VW-Aktie, einen sogenannten Short Squeeze, ausgelöst. In der Folge war der Wert der zuvor längere Zeit bei etwa 200 Euro liegenden VW-Aktie teilweise auf über 1.000 Euro gestiegen. Die Fonds, die sich wieder mit Aktien eindecken mussten, mussten dafür erhebliche Beträge aufbringen.

Vertreter Fonds
Broich: Josef Broich (Federführung), Ferdinand von Rom, Dr. Olaf Gierke (alle Frankfurt), Dr. Albert Adametz (Wien)

Hintergrund: Im Markt ist bekannt, dass Broich seit Jahren für Elliot und Perry tätig ist. Seine Kanzlei ist immer wieder in spektakulären Verfahren an der Seite von Hedge Fonds zu finden, tritt aber im Vergleich zu anderen Anlegervertretern tendenziell zurückhaltender auf. Im gerade abgelaufenen Jahr 2011 erlebte die Sozietät einen größeren personellen Umbruch, unter anderem verließen zahlreiche Partner die Einheit, darunter der renommierte Konzernrechtler Christian Gehling (mehr…)

Ein dem jetzigen vergleichbares Verfahren ist seit wenigen Monaten beim Landgericht Braunschweig anhängig (mehr…). Dort gründen die Kläger ihren Schadensersatzanspruch neben der Erklärung vom Oktober 2008 zudem auf eine Mitteilung vom März 2008. Zumindest die Fonds Elliot und Perry sind in Braunschweig nicht beteiligt, sie hatten allerdings wie einige andere Fonds bereits in den USA geklagt.

In Deutschland prüft nun die Staatsanwaltschaft das Vorgehen von Porsche. Der Verdacht lautet auf informationsgestützte Marktmanipulation, Untreue sowie Kreditbetrug.

Die Klage ist Porsche noch nicht zugestellt, damit ist nach Marktkennern nicht vor kommender Woche zu rechnen. Allerdings ist davon auszugehen, dass Porsche ebenso wie in dem Braunschweiger Verfahren Hengeler Mueller mandatieren wird (mehr…). Der Düsseldorfer Hengeler-Partner Dr. Andreas Austmann ist seit Jahren der federführende Partner für die Mandatsbeziehung zu Porsche. Er hatte den Automobilkonzern beispielsweise auch schon in einer den Verfahren vorausgehenden Mediation mit den Anlegern betreut. Die Prozesse führt bisher der profilierte Hengeler-Litigation-Partner Dr. Markus Meier aus Frankfurt.

Porsche und VW sollten nach der Übernahme verschmolzen werden, die Pläne liegen jedoch wegen der unkalkulierbaren Risiken durch die Milliardenklagen derzeit auf Eis. (Tanja Podolski)

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