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27.06.2012

Prozessauftakt: Anleger fordern Schadensersatz von Porsche

Vor dem Landgericht Braunschweig starten heute zwei von fünf Anlegerklagen gegen die Porsche Holding. Die erste der beiden Schadensersatzklagen, angestrengt von einem Einzelkläger aus Berlin, richtet sich gegen die Porsche Holding und die Maple Bank. Der Kläger fordert 3,1 Millionen Euro. In der zweiten Klage verlangt eine Schweizer Anlagegesellschaft von Porsche 1,6 Millionen Euro. In diesen beiden Klagen wird das Gericht ab heute in den Hauptsachen verhandeln (Az. 501110/11 und Az. 502894/11).

Franz Braun

Die Anleger machen vor allem Porsche für hohe Einbußen verantwortlich, die sie erlitten haben, als der Übernahmeversuch von Volkswagen durch Porsche scheiterte. Sie hatten auf fallende Kurse der VW-Aktie gesetzt. Im Zuge des Übernahmeversuchs von Porsche an VW 2008 stieg der Kurs der VW-Aktien jedoch rasant an und bescherte den Investoren schwere Verluste. Die Anleger werfen Mitgliedern des Vorstands bzw. Aufsichtsrats nun vor, ihre wahren Absichten verheimlicht zu haben. 2008 hatte Porsche in einer Pressemitteilung dementiert, die Mehrheit an VW erwerben zu wollen. Tatsächlich kämpfte der Konzern hinter den Kulissen aber bereits um die Machtübernahme.

Neben Porsche war auch die Maple Bank in die Schlagzeilen geraten, als die Staatsanwaltschaften in Frankfurt und Stuttgart zum Jahresbeginn 2010 Ermittlungen wegen Kursmanipulation aufnahmen. Das Kreditinstitut hatte seinerzeit den Einstieg von Porsche bei Volkswagen abgewickelt.

Die nun startenden Verfahren könnten jedoch nur der Auftakt für noch deutlich größere Prozesse sein. In den drei noch ausstehenden Klagen werden Schadensersatzsummen von mehreren Milliarden Euro gefordert. Allerdings wird bei zwei Verfahren, deren Volumen zusammen bei mehr als 2,1 Milliarden Euro liegt, noch über Zulässigkeit und Begründung der Ansprüche diskutiert. Eine dieser Klagen wird von der deutschen Inkassogesellschaft ARFB angestrengt.

Hinter ARFB stehen als Gesellschafter Alexander Reus, Managing-Partner der US-Kanzlei DRRT, sowie Franz Braun, Partner der anerkannten Anlegerschutzkanzlei CLLB aus München. Die Prozessführungsgesellschaft hat sich für die Klage die Ansprüche von 41 institutionellen Anlegern abtreten lassen. Sie sehen sich von Porsche durch irreführende Aussagen sowie eine unterbliebene Ad-hoc-Meldung im Übernahmekampf um VW 2008 getäuscht. Der mitbeklagte VW-Konzern soll aus ihrer Sicht davon gewusst und Informationen zurückgehalten haben.

In diesen Verfahren ist zurzeit noch die Absicherung der Prozesskosten ungeklärt. Das Gericht wird heute über die Frage beraten, ob die Klägerin zum Schutz der Beklagten verpflichtet ist, für die voraussichtlich entstehenden Prozesskosten der Beklagten eine Sicherheit zu leisten. Dies ist bei Verfahren üblich, bei denen der Kläger im Ausland sitzt und der Beklagte sich in Deutschland als vermögenslos stellt. Wann in diesen Klagen eine Verhandlung in der Hauptsache stattfinden wird, ist derzeit noch unklar (Az. 503086/11 und Az. 502077/11).

Einen mündlichen Verhandlungstermin zu einer fünften Klage, die sich auf weitere zwei Milliarden Euro belaufen soll, gibt es laut dem LG Braunschweiger derzeit ebenfalls noch nicht.

Neben den Schadensersatzklagen geht die Aufarbeitung der gescheiterten VW-Übernahme durch Porsche auch an anderer Stelle weiter. Das Landgericht Stuttgart ließ nun die Anklage wegen Kreditbetrugs gegen den Ex-Finanzchef des Porsche-Konzerns, Holger Härter, und zwei seiner Mitarbeiter, zu (mehr…). Härter soll während des Übernahmekampfs bei Verhandlungen für Kreditgeschäfte eine Bank falsch informiert haben. Neben Härter droht weiterhin auch dem Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking eine Anklage. Die Stuttgarter Justiz untersucht, ob er sich wegen Untreue und Marktmanipulation verantworten muss.

Vertreter Einzelkläger:
FPS Fritze Wicke Seelig (Berlin): Christoph von Arnim – aus dem Markt bekannt

Vertreter Schweizer Anlagegesellschaft/Deutsche Inkassogesellschaft ARFB
CLLB Rechtsanwälte (München): Franz Braun
DRRT (Frankfurt): Dr. Alexander Reus

Vertreter Porsche
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Markus Meier (Federführung), Manuela Roeding; Associate: Dr. Philipp Hanfland (alle Litigation) – aus dem Markt bekannt

Vertreter Maple Bank:
Cleary Gottlieb Steen & Hamilton – aus dem Markt bekannt

Vertreter VW
Göhmann (Braunschweig): Dr. Dirk Beddies – aus dem Markt bekannt

Landgericht Braunschweig, 5. Zivilkammer
Vorsitzender Richter: Stefan Pule – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Dass Hengeler von Porsche mandatiert ist, überrascht kaum, hatte die Kanzlei doch in der Übernahmeschlacht um Porsche und VW schon eine wesentliche Rolle gespielt (mehr…). In der vorgeschalteten und letztlich gescheiterten Mediation hatte Hengeler-Partner Austmann Porsche betreut, nun ist mit Markus Meier der wohl profilierteste Litigation-Anwalt der Kanzlei zu sehen.

Im Markt ist bekannt, dass Göhmann hier als lokale Beraterin die Außenvertretung von VW übernimmt. Im Hintergrund ist in kapitalmarktrechtlichen Fragen aber auch Clifford Chance für Porsche aktiv, die über einen engen Mandantenkontakt zu VW verfügt.

Die Anlegerschutzkanzlei DRRT treibt mit diesem schlagzeilenträchtigen Fall ihr Geschäftsmodell in Deutschland weiter voran. Die Kanzlei ist bereits in den US-Verfahren gegen Porsche und die ebenfalls beklagten Ex-Manager aktiv und auch in diversen anderen Großverfahren aufseiten institutioneller Anleger zu sehen. So ist DRRT-Anwalt Christian Wefers Musterkläger im KapMuG-Verfahren gegen die Hypo Real Estate (mehr…).

In anderen Verfahren gegen Porsche ist auch Josef Broich von diversen Fonds mandatiert (mehr…).

Neben der langjährigen Mandatsbeziehung von Cleary zur Maple Bank gibt es auch eine enge personelle Verzahnung. Seit Oktober 2010 ist Jochen Mann General Counsel der kanadischen Bank (mehr…). Zuvor arbeite der Bank- und Kapitalrechtler 14 Jahre lang in diversen Cleary-Büros, zuletzt als Senior Associate. (Ulrike Barth)

 

 

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