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12.07.2012

Flughafen Berlin: Betreiber verklagt mit Kapellmann Architekten

Der Betreiber des Flughafens Berlin-Brandenburg hat beim Landgericht Potsdam eine Feststellungsklage eingereicht. Er geht wegen des Debakels um den Eröffnungstermin gegen seine Architekten vor, die ehemalige Planungsgemeinschaft BBI.

Klaus Eschenbruch

Klaus Eschenbruch

Anfang Mai hatte die Flughafengesellschaft den Eröffnungstermin am 3. Juni abgesagt und auf März 2013 verschoben. Als Grund gab das Unternehmen an, dass es Probleme beim Brandschutz gibt. Zur mittlerweile aufgelösten Planungsgemeinschaft gehörten die Architektenbüros JSK sowie von Gerkan, Marg und Partner.

Das Gericht soll nun im Beweissicherungsverfahren klären, wer die Verantwortung dafür trägt. Die Klage wurde den Architektenbüros noch nicht zugestellt.

Durch die Terminabsage konnte nicht wie geplant der Flugverkehr aus Schönefeld und Tegel übernommen werden. Lufthansa und Air Berlin haben bereits angekündigt, Schadensersatz von der Betreibergesellschaft zu verlangen. Konkrete Forderungen haben sie noch nicht eingereicht. Auch einige Mieter des Flughafens beanspruchen Schadensersatz. Bislang ist aber nichts über eine Klage ihrerseits bekannt.

In der Zwischenzeit musste der technische Geschäftsführer des Flughafens, Manfred Körtgen, den Hut nehmen. Für ihn kommt zum August Horst Amann, derzeit Leiter Realisierungsmanagement bei Fraport in Frankfurt.

Vertreter Flughafen Berlin-Brandenburg
Kapellmann und Partner (Düsseldorf): Dr. Klaus Eschenbruch (Federführung), Dr. Claus von Rintelen, Dr. Daniel Strupp (beide Versicherungsrecht)
Inhouse
(Berlin): Ralf Kämmer (Leiter Recht)

Vertreter JSK
SNP Schlawien (Frankfurt): Kurt Döderlein

Vertreter Gerkan, Marg und Partner
Nicht bekannt

Berater Air Berlin
Freshfields Bruckhaus Deringer – aus dem Markt bekannt

Berater Mieter
Zirngibl Langwieser (Berlin): Dr. Andreas Damm, Dr. Robert Strecker, Steffen Linse

Berater Lufthansa
Nicht bekannt

Hintergrund: Über die Anwälte von Gerkan, Marg und Partner ist noch nichts bekannt. Allerdings hat das Hamburger Büro von Zenk sehr gute Kontakte zu dem Architektenbüro. Die Kanzlei beriet es bereits in der Vergangenheit zu Großprozessen und arbeitsrechtlichen Fragen. 2007 vertrat Zenk Gerkan, Marg und Partner zum Beispiel in einem Verfahren gegen die Duetsche Bahn (mehr…). JSK vertraute zuletzt in einem Prozess um den Neubau der Europäischen Zentralbank auf CMS Hasche Sigle.

Kapellmann ist bereits seit 2004 mit dem Flughafen BER beschäftigt.  Sie beraten seither zum Neubau und vertreten die Flughafengesellschaft in Verhandlungen sowie Prozessen. Im Komplex um den verschobenen Eröffnungstermin ist Kapellmanns Funktion auf die aktuelle Feststellungsklage gegen die Architekten beschränkt. Die übrigen Mandate zu den Verhandlungen vergibt das Unternehmen an unterschiedliche Kanzleien.

So verteidigt soweit bekannt die Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek den Flughafen wiederum gegen Schadensersatzansprüche Dritter. Die Federführung des Mandats obliegt den Berliner Heuking-Anwälten Dr. Karsten Kühne und Dr. Jörn Becker. Doch auch die Rechtsabteilung um Gottfried Egger beschäftigt dieses Thema laut Marktinformationen schwer.

Freshfields ist regelmäßige Beraterin von Air Berlin. Die Kanzlei betreute die Fluglinie Ende 2011, als Wettbewerber Etihad größter Einzelaktionär wurde (mehr…). Auf eine andere Kanzlei setzte Air Berlin im Streit um das Flugverbot der Deutschen Flugsicherung (DFS) wegen des isländischen Vulkanausbruchs. Die Hamburger Kanzlei Schierk & Bechtloff erhob vor einem Jahr für Air Berlin und Condor Klage beim Verwaltungsgericht Darmstadt. Die DFS vertraut Dr. Tobias Masing von Redeker Sellner Dahs.

Ex-Chefplaner Körtgen verließ sich bei seinem Abtritt auf Orrick Hölters & Elsing. Der Düsseldorfer Partner Dr. Oliver Duys und der Frankfurter of Counsel Lutz Hoheisel standen ihm zur Seite. (Parissa Kerkhoff)

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