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05.09.2012

Luxushotel Adlon: Jagdfeld wappnet sich mit Unger gegen Anklage der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft Köln hat gegen den Immobilienunternehmer Anno Jagdfeld Anklage wegen möglicher Untreue im Zusammenhang mit dem Berliner Hotel Adlon erhoben. Das Verfahren findet vor dem Landgericht Aachen statt. Neben Jagdfeld gibt es fünf weitere Angeklagte. Unter ihnen ist auch ein Sohn Jagdfelds, dem Beihilfe zur Untreue vorgeworfen wird.

In dem Verfahren geht es um den Fundus-Fonds 31. Jagdfeld selbst fungiert hier als Geschäftsführer. 4.400 Anteilseigner haben in das Berliner Luxus-Hotel Adlon investiert. Presseberichten zufolge hat Jagdfeld in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer und Vertreter von Anlegern zu Unrecht auf Mieteinnahmen von der Adlon Holding GmbH verzichtet und damit Gelder veruntreut. Die Holding ist Betreiber verschiedener Einrichtungen in dem Hotel, dazu gehören Gastronomiebetriebe und der exklusive China-Club. Geführt wird die Holding von Julius Jagdfeld, einem der fünf Kinder des Ehepaars Jagdfeld.

Im Raum steht der Vorwurf, dass dem Fundus-Fonds in den Jahren zwischen 2009 und 2011 einen Betrag von 7,7 Millionen Euro Miete entgangen ist. Angeblich sei Jagdfeld damit der kriselnden Adlon Holding entgegengekommen. Zudem moniert die Staatsanwaltschaft, dass Jagdfeld der Holding zu Unrecht Schadensersatz gezahlt hat. Wegen Bauarbeiten im Jahr 2008 kompensierte Jagdfeld geltend gemachte Umsatzeinbußen der Holding mit 1,3 Millionen Euro. Die Ermittler sollen an der Rechtmäßigkeit der Schadenersatzansprüche zweifeln und auch hierin eine Veruntreuung von Anlegergeldern sehen.

Daneben sieht die Staatsanwaltschaft einen Schaden für die Anleger durch ein nachteiliges Zinsgeschäft, hier geht es um einen Betrag von 14 Millionen Euro. Jagdfeld weist die Vorwürfe als vollkommen unzutreffend zurück.

Vertreter Anno Jagdfeld
Unger (Berlin): Robert Unger

Vertreter Jagdfeld-Sohn
Unger (Berlin): Dr. Tobias Lubitz

Vertreter Geschäftsführer der Fundus-Gruppe
Prof. Dr. Franz Salditt (Neuwied)
Gercke Wollschläger (Köln): Dr. Björn Gercke
Latz (Köln): Johannes Latz

Vertreter Geschäftsführer Immobilienverwaltung
Becker & Conen (Berlin): Nicolas Becker

Staatsanwaltschaft Köln
Sonja Rentsch-Fischer

LG Aachen, 6. Große Strafkammer
Harald Brandt (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Alle Verteidiger sowie die Staatsanwältin sind aus dem Markt bekannt. Jagdfeld und sein Sohn setzen auf Verteidiger aus der alt eingesessenen und bekannten Berliner Strafrechtskanzlei Unger. Namenspartner Robert Unger ist einer der bekannten Köpfe der Berliner Szene. Da sein Kollege Lubitz erst seit Kurzem als Anwalt zugelassen ist, dürfte Unger der maßgebliche Anwalt für Vater und Sohn sein.

Auch bei Becker & Conen handelt es sich um eine traditionsreiche Berliner Strafrechtskanzlei, in der früher auch der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily tätig war. Die weiteren Geschäftsführer treten ebenfalls mit namhaften Anwälten auf. Prof. Dr. Franz Salditt ist einer der gefragtesten Strafrechtler bundesweit. Dr. Björn Gercke dagegen ist Vertreter einer jüngeren Generation, gilt aber als aufstrebender Verteidiger, der gut in der Strafverteidigerszene vernetzt ist und aktuell etwa als Verteidiger im Bonner WCCB-Verfahren auf sich aufmerksam macht (mehr…). Bei Latz handelt es sich alt eingesessene Kölner Kanzlei, sie ist allerdings speziell in Wirtschaftsstrafsachen weniger auffällig. (Astrid Jatzkowski, Volker Votsmeier)

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