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07.05.2013

Vergleich: Solar Millennium-Insolvenzverwalter beendet mit Noerr Streit mit Ex-Chef Claassen

Der langwierige Streit zwischen dem Erlanger Unternehmen Solar Millennium und seinem Ex-Vorstand Prof. Utz Claassen ist beendet. In einem umfassenden Vergleich verzichteten die Parteien im April auf ihre wechselseitigen Forderungen.

Michael Molitoris

Michael Molitoris

In der Auseinandersetzung ging es um die Vergütung Claassens für seine 74 Tage währende Amtszeit als Vorstandsvorsitzender von Solar Millennium. Das inzwischen insolvente Solarunternehmen hatte im Frühjahr 2011 Klage beim Landgericht Nürnberg-Fürth eingelegt, nachdem Vergleichsgespräche um die Rückzahlung einer Antrittsprämie in Höhe von neun Millionen Euro gescheitert waren.

Claassen hatte seinerseits Solar Millennium auf die Zahlung weiterer gut sieben Millionen Euro als Abfindung verklagt. Er fühlte sich von den Verantwortlichen von Solar Millennium getäuscht und warf ihnen unsaubere Geschäftspraktiken vor. Den Posten habe er nur angenommen, weil er über die wahre wirtschaftliche Situation der Firma nicht informiert worden sei. Im Insolvenzverfahren hatte Claassen insgesamt Schadensersatzansprüche gegen die deutsche Solar Millennium und gegen deren US-Töchter geltend gemacht und damit rund 200 Millionen Euro angemeldet.

Mit dem Vergleich werden Prozesse vermieden, die auch die Auszahlung der Insolvenzquote an die Gläubiger hätten verzögern können. Claassen nahm seine Forderungen gegen Solar Millennium unwiderruflich zurück, Insolvenzverwalter Böhm verpflichtete sich im Gegenzug, keine Ansprüche gegen Claassen geltend zu machen. Nach umfassender rechtlicher Prüfung des Sachverhalts stand für den Insolvenzverwalter fest, dass die Kündigung von Claassen begründet und rechtmäßig war.

Gegen die US-Töchter wird Claassen seine Schadensersatzforderungen allerdings weiterverfolgen. Er verpflichtete sich aber in dem Vergleich, die Gläubiger von Solar Millennium zu einem Viertel an etwaigen Erlösen zu beteiligen. Zudem sagte er zu, den Insolvenzverwalter bei Bedarf umfassend bei der möglichen Geltendmachung von Ansprüchen gegen Aufsichtsratsmitglieder zu unterstützen.

Berater Insolvenzverwalter Volker Böhm
Noerr (München): Michael Molitoris (Litigation), Dr. Ingo Theusinger (Corporate; Düsseldorf)

Berater Utz Claassen
VSM Vockenberg Schneehain Melz (Göttingen): Dr. Sebastian Melz
Mayer Brown (Frankfurt): Dr. Mark Hilgard

Hintergrund: Schon Anfang 2011 hatte Solar Millennium den Streit zum Anlass genommen, die Vorgänge intern aufzuklären. Dafür hatte das Unternehmen Skadden Arps Slate Meagher & Flom und die Wiesbadener Strafrechtsboutique Dierlamm mandatiert (mehr…). Ende 2011 stellte das Solarunternehmen dann den Insolvenzantrag, woraufhin das Insolvenzverfahren im Februar 2012 eröffnet wurde. Seither hat der Insolvenzverwalter Volker Böhm von der Kanzlei Schultze & Braun das Sagen, viele Erkenntnisse aus dem Skadden-Bericht konnten aber trotzdem verwendet werden. Böhm arbeitet häufig mit Noerr zusammen, wenn er externen juristischen Rat benötigt.

Claassen mandatierte seine bewährten Anwälte: Dr. Sebastian Melz von der Göttinger Kanzlei VSM Vockenberg Schneehain Melz sowie Dr. Mark Hilgard von Mayer Brown beraten ihn auch in anderen Komplexen. (Volker Votsmeier)

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