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05.07.2013

Kirch-Prozess: Wirtschaftsprüfer Lars Franken wird Schadensersatz-Gutachter

Im Schadensersatzprozess um den Untergang des Medienkonzerns Kirch haben sich die Kirch-Erben und die Deutsche Bank auf einen Gutachter geeinigt. Laut Beweisbeschluss des Oberlandesgerichts München erhält Dr. Lars Franken die Aufgabe.

Die Kirch-Erben hatten den Wirtschaftsprüfer aus Essen ins Rennen geschickt. Die Deutsche Bank stimmte nun zu, nachdem sie zuvor noch auf eigene Kandidaten gesetzt hatte.Ein baldiges Ende in dem Streit ist trotz der heutigen Einigung noch nicht abzusehen. Franken wird mit dem eigentlichen Gutachten frühestens im November beginnen und hat dann acht Monate Zeit zu prüfen. Sollte er in dieser Zeit zu keinem Ergebnis kommen, darf er um eine Verlängerung bitten. Die Kirch-Seite zahlt für den Gutachter als Vorschuss 250.000 Euro.

Lars Franken

Lars Franken

Franken ist eines der beiden Vorstandsmitglieder der vor allem auf Unternehmensbewertung spezialisierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft IVC Independent Valuation & Consulting und soll nun die Höhe des von der Deutschen Bank verursachten Schadens ermitteln. Das OLG München sah es als erwiesen an, dass Äußerungen des früheren Deutsche Bank-Chefs Rolf Breuer das Ende des Kirch-Imperiums mit besiegelt hatten. Deswegen hatte es das Institut im vergangenen Dezember grundsätzlich zu Schadensersatz verurteilt. Es geht nun vor allem darum, wie stark die Aussagen Breuers den Wert der Kirch-Gruppe gemindert haben. Nicht nur die Rechtsnachfolger von Kirch warten auf Schadensersatz, sondern auch zahlreiche Gläubiger des ehemaligen Medienkonzerns

In dem Verfahren spielen sowohl die Frage einer Marktbewertung der von Kirch gehaltenen Stammaktien der ProSiebenSat.1 Media AG im Jahre 2002 als auch das Insolvenzrecht eine wichtige Rolle. Das Gericht übertrug dem Gutachter neben der Marktbewertung daher eine weitere Aufgabe: Er soll ermitteln, ob der Marktwert von Kirch erzielt worden wäre, dabei verweisen die Richter auf die „damalige wirtschaftlich bedrängte Situation“ des Medienunternehmens. Das Gericht behielt sich allerdings vor, weitere Sachverständige hinzuzuziehen.

Die Deutsche Bank-Seite geht davon aus, dass in diesem Zusammenhang später noch gegebenenfalls auf ihre Gutachter-Vorschläge eingegangen wird. Sie selbst hatte drei Insolvenzexperten vorgeschlagen (mehr…): Arndt Geiwitz von Schneider Geiwitz & Partner, Ottmar Hermann von der Kanzlei Hermann und Prof. Rolf Rattunde, Partner bei Leonhardt in Berlin. (Parissa Kerkhoff, Volker Votsmeier)

Vertreter Deutsche Bank
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Peter Heckel, Dr. Markus Meier; Associate: Dr. Anabel Harting (alle Dispute Resolution)
Gleiss Lutz (München): Dr. Luidger Röckrath (Dispute Resolution)
Inhouse (Frankfurt): Dr. Mathias Otto

Vertreter Kirch-Erben/KGL Pool
Bub Gauweiler & Partner (München): Dr. Peter Gauweiler, Franz Enderle, Dr. Stefanie Rabenau, Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Bub
Inhouse (KGL Pool; München): Hans Erl (Geschäftsführer)

Oberlandesgericht München, 5. Zivilsenat
Guido Kotschy (Vorsitzender Richter)

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