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16.08.2013

Folgenschweres Urteil: CAS bestätigt Sanktionen gegen ukrainische Fußballclubs

Die ukrainischen Profivereine aus Kharkiv und Lviv haben 2008 ein Spiel manipuliert. Der Court of Arbitration for Sport (CAS) in Lausanne hat die Sanktionen des nationalen Fußballverbands FFU bestätigt und verhängte Sperren sowie Geldstrafen. 

Christian Duve

Nach dem Urteil suspendierte der Europäische Fußballverband UEFA den Fußballclub Metalist Kharkiv aus dem Qualifikationswettbewerb für die Champions League. Das Verfahren und der Ausschluss von Metalist Kharkiv wird auch in Deutschland mit großem Interesse verfolgt. Der Verein sollte nämlich schon in der kommenden Woche in den Play-offs zur Champions League auf Schalke 04 treffen. Nach dem UEFA-Beschluss beklagt das ukrainische Team nicht nur einen Reputationsverlust, sondern vor allem entgangene Einnahmen in Millionenhöhe.

Der ukrainische Verband FFU hatte Sanktionen gegen diverse Spieler und Funktionäre verhängt, weil sie den Ausgang eines Punktspiels im April 2008 abgesprochen haben sollen. Kharkiv besiegte Lviv damals 4:0 und belegte in der Meisterschaftsaison 2007/08 den dritten Platz. Der Fall landete auf Betreiben beider Vereine vor dem CAS in Lausanne. Neben Geldstrafen gab es auch Sperren für drei bis fünf Jahre gegen sechs Akteure und einen Club-Offiziellen. Der Sportdirektor von Metalist Kharkiv, Jewschen Krasnikow, darf für fünf Jahre keine Ämter im Profifußball ausüben.

Die UEFA sah sich im Zugzwang. Wegen der Verwicklung des Metalist-Funktionärs in dem Manipulationsskandal schloss sie den Club vom laufenden Wettbewerb aus. Daher soll Schalke 04 in den Play-offs nun auf den griechischen Vertreter PAOK Saloniki treffen. Gegen diesen Beschluss wehrt sich Kharkiv seit Mittwoch und hat beim CAS einen Eilantrag gestellt. Wegen der Dringlichkeit hat der Schiedsgerichtshof die UEFA und den griechischen Verein PAOK Saloniki um schriftliche Stellungnahmen gebeten.

Am Freitagabend teilte der Sportschiedsgerichtshof mit, dass er den Einspruch von Kharkiv zurückweise. Damit bleibt der aktuelle ukrainische Vizemeister von allen internationalen Wettbewerben in der Saison 2013/14 ausgeschlossen.

Vertreter Metalist Charkiw: Nicht bekannt

Vertreter Lviv Karpaty: Nicht bekannt

Internationaler Sportschiedsgerichtshof Lausanne
Dr. Christian Duve (Vorsitzender; Deutschland), Bernard Hanotiau (Belgien), Francois Klein (Frankreich; beide Beisitzer)

Hintergrund: Mit dem Frankfurter Freshfields-Partner Dr. Christian Duve stand dem Schiedsgericht ein vielseitiger Prozess- und Schiedsexperte vor. Anerkannt ist er vor allem für seine Litigation-Expertise im Bank- und Finanzsektor, so war er zur Hochzeit der sogenannten Zins-Swap-Fälle für Großbanken wie Deutsche Bank tätig gewesen ist (mehr…).

Zudem übernimmt Duve kanzleiintern eine Führungsrolle beim Aufbau des Geschäftsfelds Unternehmensinterne Untersuchungen. Als einer von ganz wenigen Großkanzleianwälten hat sich Duve zudem als Schiedsrichter am CAS und als Wirtschaftsmediator positioniert. Er genießt dort bundesweit einen hervorragenden Ruf.

Auf der CAS-Schiedsrichterliste stehen, speziell bei Verfahren im Profifußball, weitere prominente Namen: Dr. Michael Gerlinger leitet seit 2005 die Rechtsabteilung des FC Bayern (mehr…). Der langjährige DFB-Chefjustiziar Goetz Eilers ist nach seinem altersbedingten Ausscheiden vor einigen Jahren (mehr…) ein viel beanspruchter Schiedsrichter am CAS und DFB-Bundesgericht. (Marcus Jung)

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