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18.09.2013

Sponsoring: Teldafax-Insolvenzverwalter verklagt Bayer Leverkusen mit White & Case

Vor dem Landgericht Köln hat der Prozess zwischen dem Insolvenzverwalter des Billigstromanbieters Teldafax und Bayer 04 Leverkusen begonnen. Der Bundesligaverein soll Gelder von seinem Ex-Hauptsponsor angenommen haben, obwohl er von der finanziellen Schieflage der Firma gewusst haben soll. Nach der Teldafax-Pleite verlangt der Insolvenzverwalter nun 16 Millionen Euro samt Zinsen zurück. Einen Vergleichsvorschlag des Gerichts schlugen beide Seiten vorerst aus. (Az. 26 O 140/13, 26 O 141/13, 26 O 142/13)

Biner Bähr

Teldafax war zwischen 2007 und 2011 Trikotsponsor von Bayer 04 Leverkusen. Der Sponsoringvertrag wurde erst wenige Tage vor dem Zusammenbruch von Teldafax Ende Mai 2011 aufgelöst. Durch drei Klagen fordert Insolvenzverwalter und White & Case-Partner Dr. Biner Bähr nun Geld zurück, dass zwischen 2009 und 2011 von verschiedenen Gesellschaften der Teldafax-Gruppe gezahlt worden ist.

Seine Argumentation: Das Management von Bayer 04 habe bereits seit 2009 von den finanziellen Schwierigkeiten bei Teldafax gewusst und trotzdem weiter Sponsorengelder kassiert. Das gehe etwa aus einem Schreiben des Bayer-Geschäftsführers Wolfgang Holzhäuser von Oktober 2009 hervor, in dem er ausbleibende Raten von Teldafax beklagte. Zudem habe der Fußballverein Teldafax in einem abgeänderten Vertrag im Herbst 2009 ein Sonderkündigungsrecht eingeräumt sowie die Zahlungsmodalitäten umgestellt. Doch der Werksclub, vertreten durch Holzhäuser, beteuerte auch heute, nichts von einer möglichen wirtschaftlichen Schieflage von Teldafax gewusst zu haben.

In dem Güte- und Erörterungstermin versuchte die 26. Zivilkammer beide Parteien zu einem Vergleich zu bewegen. Doch weder Insolvenzverwalter Bähr noch Holzhäuser ließen sich in der Verhandlung auf den formulierten Vorschlag von über 7,2 Millionen Euro ein. Der Vorsitzende Richter wies mehrfach auf Unwägbarkeiten in den drei Klagen sowie auf die zum Teil noch ungeklärten Rechtsfragen hin. Deren Klärung durch den Bundesgerichtshofs und damit eine lange Verfahrensdauer sei wohl nicht im Interesse der Teldafax-Gläubiger, wandte sich der Vorsitzende direkt an Insolvenzverwalter Bähr. Dieser müsste sich für einen Vergleich zudem mit dem Gläubigerausschuss von Teldafax abstimmen.

Das Verfahren wird Anfang Dezember fortgesetzt. Erzielen die beiden Parteien bis dahin keine außergerichtliche Einigung, beginnt das Gericht mit seiner Beweisaufnahme.

Vertreter Insolvenzverwalter Bähr
White & Case (Hamburg): Dr. Gerd Lembke (Federführung), Associates: Dr. Marlene Maesch, Dr. Gero von Jhering

Vertreter Bayer Leverkusen
Duvinage (München): Dr. Angela Duvinage, Christan Heesch

Landgericht Köln, 26. Zivilkammer
Stefan Knechtel (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Das Amtsgericht Bonn bestellte den Düsseldorfer White & Case-Partner Biner Bähr im Sommer 2011 zum Insolvenzverwalter von Teldafax (mehr…). Dass die kanzleinahen Insolvenzberater in Zivilprozessen auf die Prozessanwälte der US-Kanzlei zurückgreifen, ist nicht außergewöhnlich. Die Prozessrechtler unterstützen sie regelmäßig, wie zuletzt im Rahmen des deutschen Sekundärverfahrens der insolventen US-Kanzlei Dewey & LeBoeuf (mehr…). In dem heutigen Verfahren wurde außerdem bekannt, dass die damalige Teldafax-Führung 2009 die beiden auf Sanierungsfälle spezialisierten Kanzleien Görg und Hermann für Stellungnahmen zu möglichen Insolvenzrisiken mandatiert hatte. 

Die anerkannte Sportrechtskanzlei Duvinage ist seit Langem für Bayer 04 Leverkusen tätig und begleitete den Verein unter anderem im Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Manager Rainer Calmund (mehr…). Bereits im Vorfeld des Kölner Zivilverfahrens hat das LG Bonn Anklage gegen drei frühere Vorstandchefs von Teldafax erhoben, unter anderem wirft es ihnen gewerbsmäßigen Betrug vor (mehr…). Zudem verklagen geprellte Stromkunden Ex-Vorstände auf Schadensersatz (mehr…). (Marcus Jung)

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