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15.01.2014

Berliner Desaster: Freshfields-Mandant Air Berlin verklagt Flughafengesellschaft

Vor dem Landgericht Potsdam beginnt heute der Prozess von Air Berlin gegen die Berliner Flughafengesellschaft. Die Fluglinie verlangt wegen der geplatzten Eröffnung des Großflughafens Berlin-Brandenburg rund 48 Millionen Euro Schadensersatz. Ebenfalls am Verfahren beteiligt sind der frühere Chef der Betreibergesellschaft Rainer Schwarz und der ehemalige technische Leiter Manfred Körtgen, denen die Beklagte den Streit verkündet hatte (Az. 4 O 160/12).

Rolf Trittmann

Die Flughafengesellschaft hatte den zugesicherten Eröffnungstermin Anfang Juni 2012 nicht eingehalten und seither mehrfach verschoben. Laut Aussage des neuen Flughafenchefs Hartmut Mehdorn ist für diesen Sommer ein Testbetrieb geplant.

Air Berlin und weitere Fluglinien sind Kunden der Flughafengesellschaft und hatten bereits im Sommer 2012 Forderungen angemeldet. Nach eigenen Angaben sind Air Berlin zufolge Kosten und Schäden in zweistelliger Millionenhöhe entstanden. Dazu zählen etwa ungenutzte Immobilien und der Mehraufwand für den Weiterbetrieb auf dem Flughafen Tegel (mehr…) Die Fluglinie geht mit zwei Klageanträgen vor. Mit dem Leistungsantrag macht sie rund 48 Millionen Euro als Schadensersatz geltend, mit ihrer ursprünglichen Feststellungsklage will Air Berlin mögliche künftige Ansprüche gegen den Flughafen sichern. Jeder weitere Monat Warteschleife soll Air Berlin rund 1,4 Millionen Euro kosten. 

Eine außergerichtliche Einigung war erst kürzlich gescheitert. Laut Medienberichten stand die Zahlung von 10 Millionen Euro an Air Berlin im Raum. Die Fluglinie zeigte sich bis zuletzt gesprächsbereit. Jedoch gab Mehdorn, vormals selbst Air Berlin-Chef, Anfang dieser Woche vor dem Sonderausschuss im Potsdamer Landtag zu Protokoll, dass der Aufsichtsrat des Flughafenbetreibers einen Vergleich ablehne.

Ein ursprünglich für Jahresende 2013 angesetzter Verhandlungsauftakt musste verschoben werden, nachdem die Flughafengesellschaft ihrem früheren Chef Rainer Schwarz im Herbst den Streit verkündet hatte.

Vertreter Air Berlin
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr. Rolf Trittmann; Associates: Dr. Daniel Schnabl, Dr. Philipp Egler
Inhouse (Berlin): Michelle Johnson (Chefjuristin)

Vertreter Flughafen Berlin-Brandenburg
Mock (Berlin): Dr. Raimund Körner
Inhouse (Berlin): Gottfried Egger (Chefjurist), Franziska Wagner

Vertreter Rainer Schwarz
Wilhelm (Düsseldorf): Dr. Mark Wilhelm, Lars Winkler, Dr. Anja Mayer

Vertreter Manfred Körtgen
Huth Dietrich Hahn (Hamburg): Oliver Förster

Landgericht Potsdam, 4. Zivilkammer
Lothar Kühn (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Freshfields begleitet Air Berlin regelmäßig. Bereits im Zusammenhang mit dem Streit zwischen dem Flughafen und der Planungsgemeinschaft war Mitte 2012 bekannt geworden, dass Air Berlin die Prozessspezialisten von Freshfields mandatiert hat (mehr…).

Mock aus Berlin ist vor allem für ihre Tätigkeit im Immobilien- und Baurecht bekannt. So berät die Kanzlei etwa auch im Zusammenhang mit dem Ausbau der Start- und Landebahn am Flughafen Hamburg-Finkenwerder. Die Flughafengesellschaft setzt bei der Auseinandersetzung mit der Planungsgemeinschaft auf Kapellmann und Partner und in Vergangenheit auch auf das Berliner Büro von Heuking Kühn Lüer Wojtek.

Die Versicherungs- und Haftungsrechtsboutique Wilhelm kam über die Empfehlung eines Vorstands in das Mandat für den ehemaligen BER-Chef Schwarz. Die Anwälte berieten früher vorwiegend zu D&O- und deckungsrechtlichen Fragen, führen zunehmend auch Verfahren zur Haftungsabwehr. (Marcus Jung)

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