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13.01.2014

Schokoladenstreit: Ritter Sport siegt mit Gleiss Lutz

Die Stiftung Warentest darf nicht mehr behaupten, der in der „Ritter Sport Voll-Nuss“-Schokolade enthaltene Aromastoff Piperonal werde chemisch hergestellt und sei deswegen kein natürliches Aroma. Das entschied heute das Landgericht München (9 O 25477/13).

Andeas Wehlau

Andreas Wehlau

In der Dezember-Ausgabe des ‚Test‘-Magazins hatten die Stiftung Warentest-Autoren geschrieben, dass der Aromastoff Piperonal nicht – wie auf der Verpackung der „Ritter Sport Voll-Nuss“ deklariert – natürlich sei, sondern chemisch hergestellt werde. Sie benotete die Schokolade deswegen mit „mangelhaft“ und erklärte das Produkt als „nicht verkehrsfähig“. Zudem wies das Testmagazin darauf hin, dass Verbraucher in einem Fall von Etikettenschwindel Ware reklamieren könnten.

Ritter hatte dagegen darauf bestanden, es handele sich ausschließlich um aus Pflanzen hergestellte natürliche Aromen. Der Stoff komme in geringen Mengen in Vanilleschoten, Dill und schwarzem Pfeffer vor. Der Aromahersteller Symrise mit Sitz im niedersächsischen Holzminden hatte vor Gericht eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, dass Piperonal natürlichen Ursprungs sei. Ritter hatte sich schon im November auf die Garantie von Symrise berufen und setzte damals eine einstweilige Verfügung durch, die durch das heutige Urteil bestätigt wurde.

Stiftung Warentest kündigte an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Wegen ihrer Testergebnisse steht sie regelmäßig vor Gericht, verliert aber sehr selten.

Vertreter Alfred Ritter
Gleiss Lutz (München): Dr. Andreas Wehlau; Associate: Dr. Björn Kalbfus
Inhouse (Waldenbuch): Thomas Seeger

Vertreter Symrise als Nebenintervenientin
Clifford Chance (Frankfurt): Dr. Christof-Ulrich Goldschmidt, Uwe Hornung, Dr. Peter Burckhardt, Dr. Gunnar Sachs (Düsseldorf)
Inhouse (Holzminden): Markus Sattler

Vertreter Stiftung Warentest:
Franz Schulkamp: Dr. Ulrich Franz
Inhouse (Berlin): Winfried Ellerbrock

Landgericht München, 9. Zivilkammer
Peter Lemmers (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Gleiss Lutz und den baden-württembergischen Lebensmittelhersteller Alfred Ritter verbindet eine langjährige Mandatsbeziehung. Das vor allem für seine Schokolade bekannte Unternehmen vertraut der Sozietät unter anderem in kartellrechtlichen Fragen sowie im Marken- und Wettbewerbsrecht, so zuletzt beispielsweise im Streit mit Milka (mehr…). Bei ihrem Einstieg beim Start-up-Unternehmen Chocri hatte Ritter dagegen auf Reith Schick & Partner gesetzt (mehr…).

Auch Clifford Chance war für ihre Mandantin schon in der Vergangenheit im Einsatz. Sie begleitete 2005 etwa die Refinanzierung des Unternehmens (mehr…) und berät regelmäßig zu gesellschaftsrechtlichen Fragen, bei der Hauptversammlung sowie bei M&A-Themen wie auch zu Rechtsstreitigkeiten im Ausland.

Franz berät die Stiftung Warentest seit etlichen Jahren. Schon vor der Gründung seiner Kanzlei 2005 war er für das Unternehmen tätig (mehr…). Zuletzt vertrat er seine Mandantin im Streit mit Axel Springer im Markenrecht in Sachen ‚Test‘ (mehr…). (Eva Flick)

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