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06.05.2014

Untreue-Vorwürfe: Middelhoff geht mit Strafverteidiger Thomas in die Offensive

Gegen den Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat heute der Untreueprozess vor dem Landgericht Essen begonnen. In seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender soll er den 2009 in die Pleite gerutschten Handelskonzern zu Unrecht mit 1,1 Millionen Euro belastet haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Untreue in 48 Fälle vor. Es geht vor allem um Flüge, die Arcandor bezahlte, die nach Ansicht der Staatsanwälte aber ganz oder teilweise privaten Zwecken dienten (Az. 35 KLs 14/13).

Sven Thomas

Außerdem soll Middelhoff eine Festschrift im Wert von 180.000 Euro verschenkt und zu Unrecht über das Unternehmen abgerechnet haben. Middelhoff selbst wies die Vorwürfe zum Prozessauftakt zurück und griff seinerseits die Staatsanwaltschaft und die Medien an. Er habe sich nichts vorzuwerfen, die Staatsanwaltschaft habe jedoch seiner Meinung nach gezielt Stimmung gegen ihn gemacht, indem sie Einblick in Ermittlungsakten gewährte. Diese Vorgehensweise sei nicht akzeptabel. Die Medien hätten überdies falsch über ihn und seinen Lebensstil berichtet. Für die ihm vorgehaltenen Flüge rechtfertigte er sich mit Termindruck und einer effizienten Unternehmensführung.

Die Flüge Middelhoffs waren bereits Gegenstand eines Zivilverfahrens. Dort hatten die Richter entschieden, dass er 3,4 Millionen Euro zahlen muss. Allerdings hatten sie lediglich 3 von insgesamt 600 Flügen als privat genutzt identifiziert. Warum es nun um 48 Flüge gehe, sei für ihn unverständlich, so Middelhoff heute im Gerichtssaal. In dem Prozess will er für seinen Ruf kämpfen sowie die Vorwürfe widerlegen. Der Angeklagte und seine Verteidiger rechnen mit einem Freispruch in allen Punkten.

Eklat um verweigerte Aussage

In einem anderen Strafprozess vor dem Landgericht Köln hatte sich Middelhoff gestern weniger offensiv gezeigt. Hier sollte er in dem Strafverfahren gegen die Ex-Führungsriege des Bankhauses Sal. Oppenheim als Zeuge aussagen. Middelhoff verweigerte diese überraschend und brachte damit das Gericht und die Staatsanwalt gegen sich auf. Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller begründete die Entscheidung seines Mandanten mit einem Zeitungsbericht über ein seit 2009 laufendes Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Bochum wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung gegen seinen Mandanten. Dadurch habe sich eine neue Lage ergeben.

Der Kölner Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich bezeichnete das Verweigern der Aussage als „Unverschämtheit“. Er warf Middelhoff „mangelnden Respekt“ vor dem Gericht vor. Es habe vor seiner Ladung als Zeuge mehrere Gespräche gegeben, von einer Aussageverweigerung sei nicht die Rede gewesen. Laut Elschenbroich ist es „erbärmlich und unglaubwürdig“, sich nun hinter einem Medienbericht zu „verstecken“.

Vertreter Middelhoff
Thomas Deckers Wehnert Elsner (Düsseldorf): Dr. Sven Thomas; Associate: Udo Wackernagel – aus dem Markt bekannt
Schelling & Partner (Stuttgart): Dr. Winfried Holtermüller
Buse Heberer Fromm (Berlin): Hartmut Fromm

Staatsanwaltschaft (Bochum): Dr. Heinz-Helmut Fuhrmann, Daniela Friese

Landgericht Essen,15. große Strafkammer
Jörg Schmitt (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Alle drei nun eingeschalteten Sozietäten begleiten den Ex-Arcandor-Chef Middelhoff schon länger in verschiedenen Rechtsstreits. Thomas beriet Middelhoff unter anderem vor zwei Jahren in einem Prozess rund um die Pleite des Arcandor-Konzerns vor dem LG Essen. Dieses hatte Middelhoff und anderen ehemaligen Vorständen Pflichtverletzungen gegenüber dem Kaufhauskonzern attestiert. Schelling-Partner Holtermüller und Buse Heber Fromm wiederum hatten Middelhoff bereits 2010 im Schadensersatzprozess gegen die Insolvenzverwalter des Arcandor-Konzerns vertreten. In diesem Prozess war Middelhoff zur Zahlung von rund 3,4 Millionen Euro verurteilt worden.  (René Bender)

 

 

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