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23.06.2014

Cum-Ex-Deals: Ex-Sarasin-Syndikus wegen Verletzung des Bankgeheimnisses in U-Haft

Ein hochrangiger ehemaliger Mitarbeiter aus der Rechtsabteilung der Schweizer Bank J. Safra Sarasin sitzt wegen möglicher Verletzung des Bankgeheimnisses seit Wochen in Untersuchungshaft. Die Züricher Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit den umstrittenen Cum-Ex-Geschäften gegen ihn.

Nach JUVE-Informationen wird auch gegen weitere Personen ermittelt, im Fokus der Ermittlungen soll allerdings der ehemals für Recht und Compliance zuständige Mitarbeiter stehen. Der Beschuldigte war Anfang des Jahres bei Sarasin ausgeschieden und zur Bank Julius Bär gewechselt. Auf JUVE-Nachfrage erklärte Julius Bär, dass der Mitarbeiter inzwischen aber nicht mehr für die Bank tätig sei. „Wir bestätigen, dass ein juristischer Mitarbeiter wegen eines nicht Julius Bär betreffenden Grundes die Bank verlassen musste“, teilte das Geldinstitut mit.

Die Ermittlungen gehen zurück auf eine Anzeige von Sarasin, die sie erstattete, nachdem Details über die Geschäfte einiger namhafter Kunden an die Öffentlichkeit geraten waren. Die Bank war im Frühjahr 2011 von einer Person, die sich als Jürgen Schmidt ausgegeben hatte, sogar erpresst worden. Diese hatte damals gedroht, den Medien Namen von Kunden zu nennen und den deutschen Fiskus über Details der Geschäfte zu informieren. 

Bei den Geschäften handelt es sich um steuerlich getriebene Fondsprodukte der Fondshäuser Sherdian und Avana, die die Bank vertrieben hat. Die Fonds investierten rund um den Dividendenstichtag in deutsche Aktien. Durch das Zusammenspiel mehrerer Parteien sollte es durch die Transaktionen gelingen, im Gesamtsystem einen mehrfachen Anspruch auf die Erstattung der Kapitalertragssteuer zu erlangen. Doch der deutsche Fiskus weigert sich bis heute, die Steuer zu erstatten, so dass sich die Fondsinvestments als Fehlschlag erwiesen.

Zu den Investoren gehören prominente Unternehmer wie der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, dessen Lebensgefährtin Veronika Ferres, der Medienanwalt Prof. Dr. Matthias Prinz und der Drogerieunternehmer Erwin Müller. Müller hat mit seinem Anwalt Dr. Eckart Seith die Bank Sarasin bereits auf Schadensersatz verklagt. Sarasin setzt in diesem Streit auf Dr. Markus Meier von Hengeler Mueller.

Maschmeyer und Prinz sollen sich ähnlich wie Müller die Dienste der Stuttgarter Anwalts Seith gesichert haben. Allerdings ist nach JUVE-Informationen die Zivilklage in diesen Fällen noch nicht anhängig. Parallel hat auch Maschmeyer mit seinem Strafverteidiger Dr. Gerhard Strate Strafanzeige gestellt. Maschmeyer hatte Morddrohungen erhalten. (Volker Votsmeier)

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