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05.08.2014

Ecclestone-Verfahren: Verteidiger Thomas und Scharf erreichen Einstellung

Der Bestechungsprozess gegen den Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ist vorläufig eingestellt. Heute stimmte das Landgericht München in der Hauptverhandlung einem Vorschlag von Verteidigung und Staatsanwaltschaft zu. Noch bei Prozessauftakt hieß es von der Verteidigung, Ecclestone wolle sich auf keinen Deal einlassen. Nun zahlt er umgerechnet 75 Millionen Euro als Rekord-Geldauflage.

Sven Thomas

Sven Thomas

Der 83-jährige Ecclestone zahlt 99 Millionen Dollar an die bayrische Staatskasse und eine Million Dollar an die Deutsche Kinderhospizstiftung. Das dürfte die höchste Summe sein, die je ein Individuum im Zusammenhang mit einer Verfahrenseinstellung in Deutschland gezahlt hat. Dass Ecclestone darüber hinaus auch der BayernLB das Angebot machte, 25 Millionen Euro zu zahlen, ist für das Strafverfahren unerheblich. Es dürfte jedoch als Geste vom Gericht zu Kenntnis genommen worden sein.

Ecclestone war wegen Bestechung des früheren BayernLB-Vorstands Gerhard Gribkowsky angeklagt. Gribkowsky ist seit Mai 2013 wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung rechtskräftig zu achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Entsprechend schlugen die Wellen der Empörung hoch, als in der vergangenen Woche die Einstellung in greifbare Nähe rückte.

Die Staatsanwaltschaft stimmte der Einstellung heute mit der Begründung zu, dass Ecclestone inzwischen 83 Jahre alt sei und das Verfahren schon lange läuft. Eine Rolle gespielt haben dürfte allerdings auch, dass es nur schwer möglich gewesen wäre, dem Briten nachzuweisen, dass er sich der Amtsträgereigenschaft Gribkowskys bewusst war. Damit wäre das mögliche Strafmaß schon erheblich niedriger als bei Gribkowsky selbst.

Das Gericht äußerte sich ebenfalls zu seinen Entscheidungsgründen. Soweit Ecclestone eine Anstiftung zur Untreue vorgeworfen worden war, hätten die bisherigen Zeugenaussagen nicht ergeben, dass die BayernLB durch den Verkauf ihrer Formel-1-Anteile an CVC einen Nachteil erlitten hätte. Eine Verurteilung erschien daher unwahrscheinlich. Das Gericht berücksichtigte auch, dass sich Ecclestone der Hauptverhandlung gestellt hat, obwohl er wohl nicht dazu hätte gezwungen werden können.

Vertreter Bernie Ecclestone
Thomas Deckers Wehnert Elsner (Düsseldorf): Dr. Sven Thomas
Grub Brugger & Partner (München): Dr. Norbert Scharf; Associate: Andreas Weitzell

Staatsanwaltschaft München I
Christian Weiß, Maximilian Engelbrecht

Landgericht München I, 5. Strafkammer
Peter Noll (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Ecclestone setzt von Beginn an auf die Wirtschaftsstrafrechtler Thomas und Scharf. Vor allem Thomas gilt als einer der Grandseigneure der Verteidigerszene und geschickter Verfahrenstaktiker. Der Vorsitzende Richter Noll wiederum genießt bei Verteidigern den Ruf, sehr professionell und fair zu sein. Er selbst hatte seinerzeit auch das Urteil gegen Gribkowsky gefällt. (Astrid Jatzkowski)

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