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26.09.2014

HRE-KapMuG-Prozess: Kotschy mahnt erneut zum Vergleich

Nach knapp drei Jahren geht in München das Kapitalanlegermusterverfahren (KapMuG) gegen die Hypo Real Estate (HRE) zu Ende. Am letzten Verhandlungstag vor dem Spezialsenat am Oberlandesgericht (OLG) München hat Richter Guido Kotschy gestern Hinweise auf den Ausgang der Verfahrens gegeben.

Andreas Tilp

Andreas Tilp

Der Frankfurter Anwalt Christian Wefers klagt stellvertretend für über 90 Anleger gegen die Bank, weil sich die Aktionäre von dem Finanzinstitut getäuscht sehen. Das Management um den damaligen Vorstandschef Georg Funke soll sie zu Beginn der Finanzkrise über den wirtschaftlichen Zustand der Bank im Dunkeln gelassen und relevante Informationen verschwiegen haben. Nun verlangen die Anleger rund 1,1 Milliarden Euro inklusive Zinsen von der HRE, Ex-Vorstandschef Funke und dem früheren Finanzvorstand Markus Fell (Az. KAP 3/10).

Aus den zahlreichen anhängigen Klagen hatte das OLG München einen Musterkläger nach dem KapMuG ausgewählt. Wefers ist Senior Associate bei der US-Kanzlei DRRT. Unter den 90 privaten und institutionellen Anlegern, die ihre Ansprüche an ihn abgetreten haben, sind unter anderem die DekaBank und diverse Töchter des Finanzkonzerns Allianz.

Während der vorangegangenen Prozesstage hatte der Vorsitzende Richter Guido Kotschy mehrfach durchblicken lassen, dass er zumindest für einen bestimmten Zeitraum eine Grundlage für Schadensersatzforderungen der Aktionäre sieht und der Bank zum Vergleich geraten. Auch gestern mahnte Kotschy beide Seiten noch einmal zu einer gütlichen Einigung. Die müsste allerdings bis zum 15. Dezember zustande kommen – dann will der Richter die Entscheidung verkünden.

Über die Frage, für welchen Zeitraum die Aktionäre möglicherweise Schadensersatz erhalten könnten, gab es am Prozesstag heftige Debatten mit Klägeranwalt Tilp, den Kotschy mehrfach ermahnte, sich zu zügeln. Kommt es zu einem Urteil, dürften wohl nur die Anleger auf Schadensersatz hoffen, die ihre Papiere zwischen November 2007 und Mitte Januar 2008 gekauft hatten. Tilp geht aber auch in diesem Fall von Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe aus.

Am Ende wird wohl der Steuerzahler für den Schaden der Anleger aufkommen. Seit 2009 ist der Bund Eigentümer der HRE. Ob es überdies zu einem Strafprozess gegen den ehemaligen HRE-Chef Funke kommt, ist noch unklar.

Vertreter Christian Wefers als Musterkläger
Tilp (Kirchentellinsfurt): Andreas Tilp (Federführung), Peter Gundermann, Marc Schiefer, Anne-Katrin Brendle-Weith

Vertreter Hypo Real Estate
Gleiss Lutz: Dr. Wolf von Bernuth (Federführung; München), Dr. Eric Wagner; Associates: Dr. René Kremer, Dr. Simon Wagner (alle Stuttgart), Marcus Reischl (München; alle Prozessrecht)
Sernetz Schäfer (München): Dr. Helge Großerichter, Dr. Ferdinand Kruis
Inhouse
(München): Harald Pospischil

Vertreter Georg Funke
Heiss & Partne
r (München): Dr. Franz Heiss

Vertreter Markus Fell
Brehm von Moers
(Berlin): Dr. Thilo Pfordte

Vertreter Nebenintervenienten
Rittershaus (Frankfurt): Dr. Markus Bauer, Lars Schmidt
FF Finanzrecht (München): Dr. Justus Froehlich
Greenfort (Frankfurt)
Wach + Meckes (München)
Staudacher (München)
SZA Schilling Zutt & Anschütz (Frankfurt)
Königer (Berlin)
Schmid v. Buttlar & Partner (München)

OLG München, KapMuG-Spezialsenat
Guido Kotschy (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Die Kanzleien sind im Wesentlichen seit Verfahrensbeginn in den Streit eingeschaltet. Die Kläger-Vertreterin Tilp ist besonders anerkannt für ihre Arbeit im Anlegerschutz und Bankrecht. Für die Anwälte um den Partner Tilp und den Geschäftsführer Gundermann ist es nicht das erste Musterverfahren, das sie begleiten. Sie betreuten auch den Musterkläger im KapMuG-Prozess gegen die Deutsche Telekom. Neben dem eigentlichen Musterverfahren betreut Tilp weitere 40 Anlegerklagen gegen die HRE, die am Landgericht München anhängig sind.

Gleiss Lutz wiederum ist in der Vergangenheit mehrfach für die HRE im Zusammenhang mit Aktionärsklagen tätig gewesen. Die Mandatsbeziehung wurde lange Zeit vom Stammsitz der Kanzlei aus gepflegt, daher besteht ein Großteil des Teams aus Stuttgarter Anwälten. Der federführende Partner von Bernuth wechselte 2013 in das Münchner Büro, um sich noch intensiver mit dem Prozesskomplex zu beschäftigen. (Ulrike Barth)

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