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20.11.2014

Streit um Arbeitsvertrag: Heuking-Mandant HSV einigt sich mit Ex-Coach Slomka

Der Gang vor das Arbeitsgericht bleibt der HSV Fußball AG und Ex-Trainer Mirko Slomka sowie dessen Assistenten Nestor El Maestro erspart. Dies ist das Ergebnis eines viel beachteten Schlichtungsverfahrens, das gestern vor dem Schiedsgericht des Deutschen Fußball Bundes (DFB) stattfand und an dessen Ende sich die Parteien außergerichtlich einigten.

Über den Inhalt der Vereinbarungen vereinbarten die Parteien jedoch Stillschweigen. In dem Streit ging es um eine Freistellungsklausel in den Arbeitsverträgen Slomkas und El Maestros. Die Klausel ist in Bundesligatrainer-Verträgen sehr gängig. Daher blickten zahlreiche Vereine voller Spannung nach Frankfurt.

Wäre die Klausel gekippt, hätte sich das finanzielle Risiko für Clubs erheblich erhöht. Lang laufende Trainerverträge, die bislang meist durch eine Freistellungsklausel abgesichert waren, wären im Fall einer vorzeitigen Entlassung kaum noch tragbar gewesen.

Der HSV hatte Slomka Mitte September vorzeitig entlassen. Nach einer Klausel in seinem Vertrag sollte Slomka für diesen Fall bis zum Vertragsende Ende Juni 2016 noch die Hälfte seines Grundgehalts sowie etwaige Erfolgsprämien zustehen. Pressberichten zufolge wären dies rund 1,4 Millionen Euro. Der Trainer beanspruchte aber die vollständige Höhe seiner Vergütung von 3 Millionen Euro und berief sich darauf, dass die Klausel unwirksam sei, weil sie Vereine einseitig bevorteile. Der HSV führte dagegen an, dass Slomka die in der Branche übliche Klausel bei Vertragsunterzeichnung befürwortet habe. Sie biete ihm auch die Möglichkeit zum sofortigen Wiedereinstieg bei einem anderen Verein. Bei Slomkas Assistenten El Maestro war der Fall ähnlich gelagert.

Daneben befindet sich der HSV noch mit zwei weiteren ehemaligen Angestellten in Auseinandersetzungen, dem Ex-Sportchef Oliver Kreuzer und dem früheren Athletiktrainer Nicola Vidovic. Beide haben den HSV vor dem Arbeitsgericht verklagt.

Im Streit mit dem Fitnesstrainer Vidovic sollte bereits morgen die Verhandlung stattfinden. Diese ist jedoch hinfällig, da beide Seiten JUVE-Recherchen zufolge eine Einigung anstreben. Anfang Dezember soll dann der Prozess mit Oliver Kreuzer folgen. Der frühere Sportchef hatte sich nach seiner Kündigung zunächst außergerichtlich mit dem Verein geeinigt, war dann aber nach kritischen Interviews fristlos entlassen worden. Dagegen wehrt er sich nun.

Auf eine Klage verzichtet haben dagegen der entlassenen Torwarttrainer Ronny Teuber und Assistent Zlatan Bajramovic. Teuber bekommt sein Gehalt bis zum Vertragsende im Sommer ausbezahlt, bei Bajramovic ringen beide Seiten noch um eine außergerichtliche Einigung.

Vertreter Slomka
Horst Kletke (Frankfurt)

Vertreter HSV
Heuking Kühn Lüer Wojtek (Hamburg): Dr. Andreas Walle, Dr. Johan-Michel Menke (beide Arbeitsrecht)

DFB-Schiedsgericht, Frankfurt
Goetz Eilers

Hintergrund: Der HSV setzt schon seit einigen Jahren in arbeitsrechtlichen Fragen auf die Heuking-Partner Walle und Menke. Die beiden Hamburger Anwälte begleiten den Verein sowohl in dem Schiedsverfahren als auch in den vor dem Arbeitsgericht anstehenden Prozessen. Sie haben es auf der Gegenseite jeweils mit dem Frankfurter Einzelanwalt Horst Kletke zu tun, der auf Trainerseite ebenfalls schon einige Verfahren betreut hat.

So stand er zuletzt unter anderem dem beim vierfachen deutschen Meister 1. FC Kaiserslautern entlassenen Franco Foda zur Seite, ebenso dem früheren Schalker Bundesligaspieler Albert Streit im Clinch mit seinem Ex-Klub . Besondere Beachtung fand insbesondere Kletkes Arbeit für Fortuna Düsseldorf vor zwei Jahren im Streit mit Hertha BSC Berlin vor dem DFB-Sportgericht. Seinerzeit ging es um eine mögliche Wiederholung des entscheidenden Relegationsspiels zwischen den beiden Mannschaften.

Dem Schiedsgericht sitzt der langjährige frühere DFB-Chefjustiziar Goetz Eilers vor, der von 1989 bis 2007 die rechtlichen Geschicke des weltgrößten Fußballverbandes verantwortete. (René Bender)

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