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26.01.2015

Rüge zum Auftakt: Pauka von Dreden & Link will neue Kammer im JuraXX-Prozess

Knapp acht Jahre nach der Insolvenz der Kanzleikette JuraXX beschäftigt der Fall nun auch die Strafgerichte. Eine eigens für den Fall eingerichtete Hilfsstrafkammer am Landgericht Dortmund lehnten die Verteidiger der beiden Angeklagten beim Prozessauftakt vor Kurzem als unzuständig ab.

Benedikt Pauka

Der Essener Anwalt Eugen Boss hatte 2003 die JuraXX Eugen Boss Rechtsanwaltsgesellschaft gegründet. Unter dieser Marke bot die Kette über ein Franchisesystem anwaltliche Dienstleistungen zu einem besonders günstigen Preis an. Binnen weniger Jahre entstanden dabei über 30 Niederlassungen in ganz Deutschland, 2007 musste die Kette allerdings Insolvenz anmelden. Die Staatsanwaltschaft Dortmund leitete daraufhin Ermittlungen gegen geschäftsführende Gesellschafter ein, darunter Firmengründer Boss. Trotz der sich abzeichnenden Zahlungsunfähigkeit hätten die Ex-Manager weiterhin neue Anwälte angeworben, hieß es. Diese mussten jeweils 50.000 Euro Einlagen leisten, welche als Partnerdarlehen deklariert waren.

Ende 2010 ließ das LG Dortmund die Anklage gegen Boss und den früheren Finanzvorstand von JuraXX wegen Betrugs in mehreren Fällen zu. Boss wurde zusätzlich Bankrott in drei Fällen zur Last gelegt. Beim Prozessauftakt äußerten sich die beiden Angeklagten nicht zu den Vorwürfen. Dafür erhoben ihre Verteidiger eine umfassende Besetzungsrüge. Demnach sei das Verfahren über drei Jahre hinweg von der eigentlich zuständigen 33. großen Strafkammer nicht gefördert worden, weil diese dauerhaft überlastet sei. Die Anwälte wollen erreichen, dass die eigens für den Komplex eingerichtete Hilfsstrafkammer für unzuständig erklärt wird. Eine Entscheidung des LG Dortmund steht noch aus.

Die Angeklagten dürften sich durch die abgewehrten Schadensersatzklagen ehemaliger JuraXX-Anwälte bestärkt sehen. Zuletzt hatte das OLG Hamm 2013 in letzter Instanz bestätigt, dass die Kläger keine deliktischen Ansprüche gegen Boss und den Ex-Finanzvorstände geltend machen konnten. Daraufhin hatten die Kläger ihre Berufung zurückgenommen.

Die Marke JuraXX Rechtsanwälte besteht bis heute. Zwei ehemalige Niederlassungen in Essen und Bochum führen die Marke weiter in ihrem Namen.

Vertreter Eugen Boss
Pauka von Dreden & Link (Köln): Julia von Dreden

Vertreter Finanzvorstand
Pauka von Dreden & Link (Köln): Bendedikt Pauka

Staatsanwaltschaft Dortmund
Günter Klink

Landgericht Dortmund, 33 a. Hilfsstrafkammer
Tim Schlözer (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: JuraXX setzte im Rahmen der Insolvenz 2007 und beim anschließenden Sanierungskonzept auf die Düsseldorfer Restrukturierungsexperten von Aderhold. Bei der Abwehr zahlreicher Schadensersatzklagen vertrauten die Ex-Manager dann verschiedenen Kanzleien, unter anderem Streitbörger Speckmann. Im Ruhrgebiet und Westfalen genießt die Kanzlei einen guten Ruf in Haftungs- und Kapitalanlageprozessen. Die meisten Ansprüche früherer JuraXX-Anwälte hatte der Bremer Prozessfinanzierer Metaclaims auf sich vereint. In der letztinstanzlichen Entscheidung 2013 vor dem OLG Hamm wurde das Unternehmen von Witting Ünalp aus Bremen vertreten.

Bereits in den Ermittlungsverfahren mandatierte der frühere JuraXX-Finanzvorstand den Kölner Strafverteidiger Benedikt Pauka. Boss soll sich dem Vernehmen zunächst mit einem anderen Wirtschaftsstrafrechtler gewappnet haben, erst im Laufe der Hauptverhandlung entschied er sich für von Dreden. Die Strafverteidiger der Sozietät sind über Namenspartner Holger Link derzeit auch prominent in dem Prozess gegen die Ex-Führungsriege des Energieversorgers Teldafax vertreten. (Marcus Jung)

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