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27.02.2015

Schienenkartell: Anklage gegen 14 Ex-Manager von ThyssenKrupp zugelassen

Vor dem Landgericht Bochum (LG) beginnt im März die nächste Phase der juristischen Aufarbeitung des sogenannten Schienenkartells. Insgesamt 14 Angeklagte, darunter mehrere hochrangige Ex-Manager von Voestalpine und ThyssenKrupp, müssen sich dann wegen wettbewerbswidriger Absprachen vor Gericht verantworten.

Tido Park

Tido Park

Laut einem Gerichtssprecher ließ das Gericht eine entsprechende Anklage der Staatsanwaltschaft Anfang dieser Woche zu. In Justizkreisen war nicht mit der Eröffnung der Hauptverhandlung vor Frühsommer dieses Jahres gerechnet worden, nun startet das Strafverfahren bereits in der zweiten Märzhälfte.

Laut Anklage sollen sich die damaligen Stahlmanager von ThyssenKrupp, deren Tochter GfT Gleistechnik und Voestalpine zwischen 2006 und 2011 zu Preisen und Mengen in Bezug auf den deutschen Schienenmarkt abgestimmt haben. Geschädigt wurde dabei womöglich vor allem die Deutsche Bahn, die zu den Hauptkunden der Stahlkonzerne gehört. Die beschuldigten Personen hatten die strafrechtlichen Vorwürfe stets vehement von sich gewiesen.

Der durch das Kartell verursachte Schaden soll nach verschiedenen Medienberichten über eine Milliarde Euro betragen.

Vertreter K. M.
Prof. Dr. Müller & Partner (München): Prof. Dr. Eckhart Müller, Klaus Gussmann

Vertreter R. Q.
Park (Dortmund): Prof. Dr. Tido Park, Dr. Tobias Eggers

Vertreter P. S.
Wessing & Partner (Düsseldorf): Prof. Dr. Jürgen Wessing, Dr. Eren Basar

Vertreter C. S.
Kempf & Dannenfeldt (Frankfurt): Eberhard Kempf, Alexander Rumpf

Andreas Lotze

Andreas Lotze

Vertreter U.S.
HammPartner (Frankfurt): Prof. Dr. Rainer Hamm 
Aulinger (Essen): Dr. Andreas Lotze

Vertreter H. B.
Boxleitner von Briel (Düsseldorf): Caroline Boxleitner

Vertreter H.E.
Meyer-Lohkamp & Pragal (Hamburg): Jes Meyer-Lohkamp

Vertreter N.H.
Kury (Hamburg): Otmar Kury

Vertreter F.K.
Compart & Schmidt (Mannheim): Dr. Konrad Schmidt

Vertreter M.L.
Dr. Odenthal & Repschläger (Köln): Dr. Hans-Jörg Odenthal

Vertreter R.P.
Harrfeldt & Gentz (Bochum): Heinrich Harrfeldt

Vertretet H.R.
Eisenmann Wahle Birk & Weidner (Stuttgart): Dr. Uwe Holzapfel

Vertreter H.S.
Lohberger & Leipold (München): Dr. Klaus Leipold

Vertreter D.W.
Boxleitner von Briel (Düsseldorf): Olaf von Briel

Vertreter Nebenklägerin ThyssenKrupp/GfT Gleistechnik
VBB Verjans Böttger Berndt (Düsseldorf): Dr. Markus Berndt 

Staatsanwaltschaft Bochum
Dr. Christina Kunert (Oberstaatsanwalt)

Landgericht Bochum, 6. Strafkammer
Michael Rehaag (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Alle Strafverteidiger sind aus dem Markt bekannt. Die Riege der Anwälte hat sich so bereits im Zuge des Ermittlungsverfahrens aufgestellt und hat sich bis auf wenige Ausnahmen nicht verändert. Allerdings bekam die zuständige Kammer für Wirtschaftsstrafsachen zwischenzeitlich einen neuen Vorsitzenden Richter zugeteilt.

Die Beteiligung von VBB aufseiten der Nebenklägerin überrascht insoweit nicht, als dass die Düsseldorfer Strafrechtsboutique den ThyssenKrupp-Konzern regelmäßig in Compliance-Fragen berät. In den arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen mit Ex-Managern setzt das Unternehmen auf den an der Isar ansässigen Dr. Knut Müller von dkm Rechtsanwälte.

In diesem Teilkomplex musste ThyssenKrupp vor wenigen Wochen eine empfindliche Niederlage vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf einstecken. Das Gericht wies eine 191 Millionen Euro schwere Klage ab, setzte allerdings einen Teil des Verfahrens im Hinblick auf den nun startenden Strafprozess vor dem LG Bochum aus. (Marcus Jung)

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