Artikel drucken
03.02.2015

Teldafax-Prozess: Rettenmaier-Mandant übernimmt Teil-Verantwortung

Am gestrigen zweiten Verhandlungstag im Teldafax-Prozess hat sich einer der drei angeklagten Ex-Vorstände geäußert. Der langjährige technische Vorstand Gernot Koch gestand zwar nicht ein, Schuld an der Insolvenz des Billig-Stromanbieters zu tragen. Er übernahm aber teilweise Verantwortung für eine etwaige Insolvenzverschleppung. Wenn seine Aussage zur Aufklärung beiträgt, könnte er mit einer Bewährungsstrafe davonkommen. Das hat ihm die Staatsanwaltschaft angeboten.

Felix Rettenmaier

Felix Rettenmaier

Koch berichtete in seiner Aussage von teils chaotischen Zuständen in der Buchhaltung und dem Kundensystem von Teldafax. Abgesehen von anderen Teldafax-Mitarbeitern trügen aber auch Berater und Medien Verantwortung für die Pleite. Neben Koch stehen die ehemaligen Teldafax-Vorstände Klaus Bath und Michael Josten wegen Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrotthandlungen vor Gericht. Beide wollten sich zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern.

Der Prozess vor dem Landgericht Bonn startete bereits in der vergangenen Woche. Es ist der zweite Anlauf für das Verfahren, nachdem die Verteidiger vor einem knappen Jahr mit einer sogenannten Besetzungsrüge den Prozess gestoppt hatten. Im März 2014 musste das Verfahren nach zwei Sitzungen eingestellt werden, weil sich das Gericht auf Antrag der Verteidigung hin für nicht zuständig erklärte. Weil die eigentlich zuständige Wirtschaftskammer überlastet war, hatte das Landgericht kurzfristig eine Hilfsstrafkammer eingerichtet. Ein solches Gericht darf aber nur zur kurzfristigen Entlastung eingesetzt werden, nicht für einen längerfristigen Prozess. Deshalb bestand die Gefahr, einen Revisionsgrund zu schaffen.

Die Pleite des Energiedienstleisters im Jahr 2011 ist eine der größten Insolvenzen der vergangenen Jahre. Nach Einschätzung des Insolvenzverwalters, White & Case-Partner Dr. Biner Bähr, wurden mehr als eine halbe Million Kunden geschädigt.

Die Staatsanwaltschaft stellte Koch für seine Aussage eine zweijährige Bewährungsstrafe in Aussicht. Damit hofft sie den beiden Mitangeklagten ihre Schuld an der Insolvenz nachweisen zu können. Beide weisen bislang jede Verantwortung von sich. Am Freitag geht der Prozess weiter, dann wird das Gericht seine Fragen zu Kochs Aussage stellen. Schon jetzt sind Verhandlungstage bis in den Dezember geplant.

Den Antrag der Verteidiger von Barth und Josten, das Verfahren durch Prozessurteil einzustellen, will das Gericht erst am Ende des Verfahrens erörtern. Die Anwälte sehen in der Eröffnung des Verfahrens durch ein nicht zuständiges Gericht beim ersten Prozessbeginn einen so schwerwiegenden Mangel, dass dieser durch die Einsetzung einer neuen Kammer nicht „geheilt“ werden könne. Eine komplett neue Anklage sei nötig.

Vertreter Gernot Koch
Rettenmaier (Frankfurt): Felix Rettenmaier
Pauka von Dreden Link (Köln): Holger Link

Vertreter Michael Josten
Schmeyer & Triantafillidis (Frankfurt): Harald Schmeyer
Spormann (Düsseldorf): Dr. Rüdiger Spormann
Andreas Kerkhoff (Köln)

Vertreter Klaus Bath
Gatzweiler und Münchhalffen (Köln): Prof. Norbert Gatzweiler
Christiane Jansen (Köln)
Jörg Ziegler
(Rheinbach)

Staatsanwaltschaft Bonn
Alexander Klingberg, Sebastian Peters

Landgericht Bonn, 9. Große Strafkammer
Dr. Marc Eumann (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Die Berater in dem neu gestarteten Prozess sind die gleichen wie in dem ersten Verfahren. Rettenmeier ist allerdings inzwischen bei Feigen Graf ausgeschieden und hat sich selbstständig gemacht. In seiner neuen Kanzlei arbeitet als of Counsel Holger Link. Er ist gleichzeitig Partner bei Pauka von Dreden Link. (Ulrike Barth)

  • Teilen