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25.03.2015

Irreführende Ärzte-Bewertungen: Wettbewerbszentrale siegt mit Klaka gegen Jameda

Das Online-Ärztebewertungsportal „Jameda“ muss gekaufte Spitzenplatzierungen künftig deutlich als Anzeige kennzeichnen. Dies hat das Landgericht München entschieden und dem Portal seine bisherige Praxis verboten (Az. 37 O 19570/14). Geklagt hatte die Frankfurter Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs.

Stefan Eck

Stefan Eck

Sie hatte argumentiert, dass Jameda ein falsches Bild über die Qualität des Arztes vermittele. Denn bislang konnten Ärzte sich bei Jameda eine Platzierung ganz oben auf der Liste des Empfehlungsportals erkaufen. Das Unternehmen hob die bezahlten Platzierungen dabei farblich hervor und kennzeichnete sie mit einem kleinen Stern. Für den Nutzer des Portals wurde die Anzeige aber nur als solche erkennbar, wenn er den Mauszeiger über die kleine Notiz „Premium-Partner“ bewegte. Erst dann erschien ein Textfeld mit der Bemerkung, dass dieser Arzt Bezieher eines kostenpflichtigen Premium-Pakets sei und in keinem Zusammenhang mit den übrigen Bewertungen stehe.

Diese Hervorhebung hielt Jameda für ausreichend und argumentierte zudem, dass die bezahlte Zusatzoption keinen Einfluss auf das tatsächliche Ranking habe. Dieser Argumentation folgte das Gericht jedoch nicht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ob Jameda Rechtsmittel gegen das Urteil einlegt, ist noch nicht bekannt.

Vertreter Wettbewerbszentrale Frankfurt
Klaka (München): Dr. Stefan Eck

Vertreter Jameda
Prof. Schweizer (München): Jörg Knupfer

Landgericht München I, 37. Zivilkammer
Petra Wittmann (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Klaka vertrat die Interessen der Wettbewerbszentrale nicht zum ersten Mal vor Gericht. Zuletzt war die Münchner Kanzlei für die Mandantin im vergangenen Jahr im Streit mit der Online-Apotheke „Vorteil24“ erfolgreich, zudem erstritt Klaka 2013 für die Zentrale ein Urteil gegen geschönte Online-Kundenbewertungen von Medizinprodukten.

Auch die Kanzlei Prof. Schweizer vertritt Jameda regelmäßig und war vor dem Bundesgerichtshof erfolgreich, der entschied, dass Ärzte kein Recht auf Löschung der Bewertungen ihrer Leistung in dem Online-Portal haben. Die Mandatsbeziehung zu Jameda ist Teil der langjährigen Arbeit von Prof. Schweizer für den Medienkonzern Burda, denn Jameda ist eine Tochter des zur Burda-Gruppe gehörenden Internetunternehmens Tomorrow Focus. (Eva Lienemann)

Aktualisierung am 15. Oktober 2015: Das Urteil ist jetzt rechtskräftig. Jameda hat in der Verhandlung vor dem Oberlandesgericht München seine Berufung zurückgezogen (Az.: 29 U 1445/15).

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