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25.03.2015

Vorwurf Prozessbetrug: Verteidigerriege von Deutsche Bank-Vorständen formiert sich neu

Exklusiven JUVE-Informationen zufolge ordnen sich im Vorfeld des anstehenden Strafverfahrens gegen fünf aktuelle und ehemalige Deutsche Bank-Vorstände Teile der Verteidigerreihen neu. Die Manager müssen sich ab Ende April wegen versuchten Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren vor der 5. Strafkammer des Landgerichts München verantworten. Sie sollen falsche Angaben gemacht haben, um Schadensersatzzahlungen an die Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch zu verhindern.

Ende vergangener Woche wurde bereits bekannt, dass Dr. Sven Thomas von der Düsseldorfer Kanzlei Thomas Deckers Wehnert Elsner nicht als Verteidiger des ehemaligen Deutsche Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer dabei sein wird, auch wenn er im Hintergrund weiter zu dessen Beraterteam gehört. 

Nun ist klar, wer Thomas‘ Platz auf der Verteidigerbank einnimmt: Dr. Maximilian Heiß von der Münchner Kanzlei Heiß & Leppla wird JUVE-Recherchen zufolge neben Dr. Norbert Scharf von Grub Brugger & Partner die Interessen Breuers vertreten. Die beiden Münchner Starfverteidiger kennen sich gut und stehen unter anderem im Strafprozess gegen die frühere Führungsriege der Bank Sal. Oppenheim für Christopher Freiherr von Oppenheim gemeinsam vor Gericht.

Wie nun bekannt wurde, wird auch Ex-Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann beim Prozessstart am 28. April mit mehreren Verteidigern antreten. Neben Eberhard Kempf von der Frankfurter Kanzlei Kempf & Dannefeldt und seiner Associate Dr. Hellen Schilling wird Dr. Gerson Trüg von der Freiburger Kanzlei Bender Harrer Krevet auf seiner Seite stehen. Trüg ist bereits seit dem Zwischenverfahren mit dem Fall betraut.

Das Verteidigerteam des amtierenden Co-Chefs der Deutschen Bank Jürgen Fitschen bilden daneben wie gehabt Partner Hanns Feigen von der Frankfurter Kanzlei Feigen Graf sowie der Associate Dr. Tilman Reichling. Diese Konstellation war schon seit September vergangenen Jahres bekannt, als die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hatte.

Die Staatsanwaltschaft wirft Fitschen, Ackermann und Breuer sowie Ex-Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck vor, im Kirch-Schadensersatzprozess falsche Angaben gemacht zu haben. Die Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück. Leo Kirch hatte das Geldhaus für den Zusammenbruch seines Firmenimperiums verantwortlich gemacht, seine Erben führten den Rechtsstreit weiter. Letztlich endete die Auseinandersetzung nach zwölf Jahren mit einem Vergleich, der die Bank knapp eine Milliarde Euro kostet.

Das Landgericht München hat von April bis Anfang August zunächst einen Prozesstag pro Woche angesetzt. Dabei soll unter anderem auch der für den Schadensersatzprozess verantwortliche Richter Guido Kotschy gehört werden. (Ulrike Barth)

Vertreter Jürgen Fitschen
Feigen Graf (Frankfurt): Hanns Feigen; Associate: Dr. Tilman Reichling

Vertreter Josef Ackermann
Kempf & Dannenfeldt (Frankfurt): Eberhard Kempf; Associate: Dr. Hellen Schilling
Bender Harrer Krevet (Freiburg): Dr. Gerson Trüg

Vertreter Rolf Breuer
Heiß & Leppla (München): Dr. Maximilian Heiß
Grub Brugger & Partner (München): Dr. Norbert Scharf

Vertreter Clemens Börsig
Prof. Dr. Müller & Kollegen (München): Klaus Gussmann

Vertreter Tessen von Heydebreck
Prof. Dr. Klaus Volk (München); Associate: Dr. Annette Rosskopf

Staatsanwaltschaft München
Christiane Serini (Oberstaatsanwältin)

Landgericht München, 5. Strafkammer
Peter Noll (Vorsitzender Richter)

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