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31.07.2015

Zankapfel Gelita: Familienfehde beim weltgrößten Gelatinehersteller vor Gericht

Am Landgericht Heidelberg hat die rechtliche Aufarbeitung eines Familienstreits beim weltgrößten Gelatineproduzenten Gelita begonnen. Bei dem Unternehmen aus dem Odenwald bekämpfen sich seit geraumer Zeit drei Familienstämme, die gemeinsam die Aktien an der Traditionsfirma halten. In der Güteverhandlung soll nun geklärt werden, ob die Gelita-Tochter R. P. Scherer (RPS) 2012 wissentlich unter Wert verkauft wurde und Vorstände und Aufsichtsräte dadurch schadensersatzpflichtig wären (Az.: 11 O 8/15 KfH).

Kläger ist im Namen von Gelita der als sogenannter Besonderer Vertreter eingesetzte Rechtsanwalt Prof. Dr. Matthias Schüppen, der Schadensersatzansprüche gegen zwei Gelita-Vorstände und vier Aufsichtsratsmitglieder durchsetzen soll. Schüppen und der Familienzweig um Aktionär Peter Koepff argumentieren, RPS sei mit 43 Millionen Euro viel zu günstig abgestoßen worden. Der Wert sei fast doppelt so hoch einzuschätzen. Schüppen fordert deshalb im ersten Schritt Schadensersatz in Höhe von 10 Millionen Euro. Peter Koepff und seine Familie mutmaßen, dass mit dem RPS-Deal den Sonderinteressen seines Neffen Klaus-Philipp Koepff Rechnung getragen wurde: Nach dem Verkauf erhielt dieser  –  wie der Rest der Aktionäre auch – eine stattliche Dividende, die er nutzte, um seinen Anteil am Unternehmen von 26,5 auf 51,49 Prozent aufzustocken und damit die Mehrheit zu erlangen. Die fehlenden 25 Prozent kaufte er dem dritten Familienzweig um Benjamin Pötzl ab. Peter Koepff selbst hält mit seiner Familie 32,1 Prozent.

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Thomas Trölitzsch

Die beklagten Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder streiten ab, sie hätten sich mit dem Verkauf der RPS-Anteile vor den Karren des Mehrheitsaktionärs Klaus-Philipp Koepff spannen lassen. Es habe sich um eine rein strategische und fundierte Entscheidung gehandelt, um Wachstumsfelder für die Konzernmutter Gelita zu generieren. Der angenommene Wert von 80 Millionen sei reine Spekulation und durch nichts belegt. Das Gericht hat Schüppen nun bis Ende September Zeit gegeben, Belege für den entstandenen Schaden beizubringen, bis November können die Beklagten dann erwidern. Eine von der Vorsitzenden Richterin im Epilog vorgeschlagene Mediation zwischen den zerstrittenen Gesellschaftern schätzen Prozessbeteiligte als wenig erfolgversprechend ein.

Vertreter Gelita:
Graf Kanitz Schüppen & Partner (Stuttgart): Prof. Dr. Matthias Schüppen

Vertreter Vorstände Franz-Josef Konert, Klaus Hanke
Oppenländer (Stuttgart): Dr. Thomas Trölitzsch; Associate: Dr. Daniel Schillerwein

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Roderich Thümmel

Vertreter Aufsichtsratsmitglieder Jörg Siebert, Günther Niethammer, Christoph Kirsche, Konstanze Koepff-Röhrs
Thümmel Schütze & Partner (Stuttgart): Prof. Dr. Roderich Thümmel (Federführung), Jens Haubold; Associate: Dr. Matthias Farian

Landgericht Mannheim, 11. Kammer für Handelssachen
Renate Rohde (Vorsitzende)

Hintergrund: Matthias Schüppen war im vergangenen Jahr durch Beschluss einer außerordentlichen Hauptversammlung bei Gelita zum Besonderen Vertreter ernannt worden. Damals hatte Dr. Thomas Heidel von Meilicke Hoffmann für Imke Koepff, Tochter von Peter Koepff, beim Amtsgericht Mannheim und später beim Oberlandesgericht Karlsruhe eine außerordentliche Hauptversammlung erstritten. Außerdem erkämpfte Meilicke Hoffmann einen vom Gericht bestellten Versammlungsleiter – Rechtsanwalt Prof. Kersten von Schenck aus Frankfurt. Schüppen wurde von der HV ermächtigt, möglichen Schadensersatz gegen die Organe zu prüfen und durchzusetzen, weshalb er nun die Klage am LG Heidelberg einreichte. Nach JUVE-Informationen war Peter Koepff ursprünglich im Rahmen einer Nebenintervention der Klage beigesprungen, hat diese aber noch vor Verhandlungsbeginn zurückgezogen. (Christiane Schiffer)

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