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11.09.2015

AGG-Klagen: Birkenstock mit Hogan Lovells erneut erfolgreich

Das Arbeitsgericht Koblenz hat die Klagen von drei Produktionsmitarbeiterinnen des Schuhherstellers Birkenstock durch Versäumnisurteile abgewiesen. Sie sahen sich im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) benachteiligt und hatten auf Erstattung der Lohndifferenz und Entschädigung geklagt. Männliche Birkenstock-Mitarbeiter hatten bis Ende 2012 teilweise mehr verdient als ihre Kolleginnen.

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Tim Wybitul

JUVE-Informationen zufolge stellte die Klägerseite in der Verhandlung keinen Antrag, daher fällte das Gericht die Versäumnisurteile zugunsten von Birkenstock. Die Urteile sind nicht rechtskräftig. 24 Klägerinnen hatten sich in dieser Sache bereits im Vorfeld mit dem Unternehmen geeinigt.

In dem Verfahren ging es im Wesentlichen um die Frage, ob und seit wann die Frauen von der ungleichen Bezahlung wussten. An dieser Frage hätten sich Anspruch und Höhe auf mögliche Ausgleichszahlungen bemessen. Die Klägerinnen hatten angeführt, von den diskriminierenden Löhnen gar nicht oder erst spät erfahren zu haben und fühlten sich arglistig getäuscht. Birkenstock erwiderte, die unterschiedliche Bezahlung sei im Unternehmen und sogar beim Betriebsrat allgemein bekannt gewesen.

Die vorliegenden Fälle waren Teil einer Klagewelle, mit der sich Birkenstock seit einiger Zeit konfrontiert sieht. Der Konzern hatte über Jahrzehnte Männer in der Produktion besser bezahlt als Frauen. Dies hatten die neuen Gesellschafter 2013 abgestellt und sich nachdrücklich davon distanziert. Mit dem überwiegenden Teil der Frauen hat sich Birkenstock zwischenzeitlich außergerichtlich geeinigt.

Vertreter Mitarbeiterinnen
Dr. Anders & Peter (Bad Honnef): Michael Peter – aus dem Markt bekannt

Vertreter Birkenstock
Hogan Lovells (Frankfurt): Tim Wybitul; Associate: Dr. Wolf-Tassilo Böhm
Inhouse (Vettelschoß): Nicolas Clausen (Head of Legal)

Arbeitsgericht Koblenz, 11. Kammer
Tobias Mommer (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Hogan Lovells berät mit Tim Wybitul Birkenstock regelmäßig in arbeitsrechtlichen Fragen und Verfahren, so auch vor dem Bundesarbeitsgericht 2014, als es um Urlaubsansprüche älterer Mitarbeiter ging. Ebenfalls im Mandat bei dem rheinland-pfälzischen Schuhhersteller ist die Arbeitsrechts-Boutique Vangard in konzernweiten Rechtsfragen, unter anderem zu Vergütung.

Rechtsanwalt Peter vertritt in den AGG-Verfahren gegen Birkenstock regelmäßig Kläger. (Christiane Schiffer)

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