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13.04.2016

Bundesliga-Rechte: Ende des Live-Monopols, Noerr-Mandantin DFL einigt sich mit Kartellamt

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wird die Ausstrahlungsrechte für die Spiele der Bundesliga nicht mehr an einen einzigen Anbieter vergeben. Dazu verpflichtete sich die Liga gegenüber dem Bundeskartellamt. Die sogenannte No-Single-Buyer-Regel sieht vor, dass mindestens zwei Anbieter bei der Ausstrahlung der Ligaspiele zum Zug kommen müssen. Auf dieser Basis schrieb die DFL jetzt die Rechte für Spielzeiten 2017/18 bis 2020/21 aus. Das Bieterverfahren soll Ende Mai beginnen.

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Kathrin Westermann

Bisher überträgt der Bezahlsender Sky als einziger Anbieter alle Bundesligaspiele live – dies ist künftig nicht mehr möglich. Mit dem Alleinerwerbsverbot möchte das Kartellamt sicherstellen, dass die Liverechte für alle Kanäle, also Fernsehen, Internet und Mobilfunk, nicht mehr in einer Hand liegen. Die DFL hat insgesamt 17 Pakete geschnürt: Acht davon betreffen die heiß begehrten Direktübertragungen der insgesamt 306 Spiele in der Saison, bei den übrigen neun geht es um die zeitversetzte Verwertung. Wer eines der Pakete kauft, kann mit seinen Inhalten erstmals alle technischen Plattformen bedienen.

Um der No-Single-Buyer-Regel Rechnung zu tragen, sieht die Einigung zwischen dem Bundeskartellamt und der DFL ein Wenn-Dann-Verfahren vor: Wenn ein Anbieter bei der Auktion alle Livepakete ersteigert, dann müssen einem Wettbewerber zusätzlich 102 Bundesligaspiele für eine Liveübertragung im Internet und über Mobilfunkgeräte angeboten werden. Dies Regelung tritt aber nur in Kraft, wenn keines der Livepakete von einem zweiten Erwerber gekauft wurde.

Mit dem Kompromiss kann nun Ende Mai das Bieterverfahren um das goldene Vlies beginnen. Medienberichten zufolge sind außer dem jetzigen Exklusiv-Rechteinhaber Sky auch die Deutsche Telekom, Sport 1 und Eurosport mit im Ring. Aber auch auf Internetübertragung fokussierte Unternehmen wie Google, Apple oder Amazon werden genannt, ebenso wie der Kabelanbieter Unitymedia und der Axel Springer-Verlag.

Sky zahlt aktuell jährlich rund 486 Millionen Euro an die DFL, insgesamt erlöste sie je Spielzeit im Durchschnitt 628 Millionen Euro.

In der englischen Premier League ist das sogenannte No-Single-Buyer-Modell bereits jetzt Alltag, dort sind die Erlöse für die Rechte weit höher. Schon vor Monaten hatten auch hierzulande potenzielle Interessenten ein solches Modell für das kommende Auktionsverfahren gefordert, daneben wurde auch der Bundesliga-Primus FC Bayern München durch seinen Vorstandsboss Karl-Heinz-Rummenigge beim Kartellamt vorstellig. An den Gesprächen mit den Wettbewerbshütern waren unter anderem auch der Bayerische Rundfunk als ARD-Vertreter beteiligt sowie die Telekommunikationsunternehmen Telekom und Vodafone Kabel Deutschland.

Berater DFL (als Beteiligte)
Noerr (Berlin): Dr. Kathrin Westermann (Federführung), Dr. Michael Bergmann; Associate: Pascal Schumacher (alle Kartellrecht)
Inhouse Recht (Frankfurt): Dr. Holger Blask (Direktor Audiovisuelle Rechte), Christian Frodl

Als Beigeladene

Berater Sky
Milbank Tweed Hadley & McCloy (München): Dr. Alexander Rinne (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (München): Hans Gabbe, Holger Enßlin – aus dem Markt bekannt

Berater Bayerischer Rundfunk
Bird & Bird (Düsseldorf): Dr. Jörg Witting (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (München): Dr. Adrian Finkentscher – aus dem Markt bekannt

Berater Deutsche Telekom
Inhouse Recht (Bonn): Dr. Hilmar Leonhardt (Leiter Praxisgruppe Kartellrecht und Fusionskontrolle) – aus dem Markt bekannt

Berater FC Bayern München
Mark Orth (München) – aus dem Markt bekannt

Berater Axel Springer
Inhouse Recht (Berlin): Dr. Bernd Linke (Gesellschaftsrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Sport 1
Dr. Bernd Kuhn (München) – aus dem Markt bekannt

Berater Unitymedia
Inhouse Recht (Köln) – nicht bekannt

Discovery (Eurosport)
Inhouse Recht – nicht bekannt

Bundeskartellamt, 6. Beschlussabteilung
Julia Topel (Vorsitzende)

Hintergrund: Die anerkannte Kartellrechtlerin Westermann berät die DFL in Sachen Ausstrahlungsrechte bereits seit Jahren. Sie wurde schon 2009 von der DLF mandatiert, als es zum Streit mit dem Bundeskartellamt wegen der Zentralvermarktung kam. Auch 2012 war sie an Bord, als das Bundeskartellamt beim vormaligen Bieterverfahren die Voraussetzungen überprüfte. Auch im jetzigen Verfahren haben das Noerr-Team und die Rechtsabteilung der DFL unter Leitung von Holger Blast offenbar wieder eng zusammen gearbeitet. Neben den Juristen war auch der Vorstandsreferent Dr. Steffen Merkel eingebunden. Das Mandat von Noerr schloss außer dem Kartellverfahren auch die Gestaltung des Vermarktungsmodells ein..

Sky setzt in verschiedenen Corporate-Fragen regelmäßig auf Milbank, aber auch Kartellrechtler Rinne beriet den Bezahlsender in der Vergangenheit schon häufiger. 2013 war er beispielsweise für den Sender aktiv, als dieser die Produktionsgesellschaft Plazamedia und Anteile an Sport1 kaufte. In der Sky-Inhouseabteilung gab es im Februar einen überraschenden Wechsel. Der langjährige Chef der Sportrechteabteilung, Volker Winter, schied aus dem Unternehmen aus, den Posten übernahm sein bisheriger Stellvertreter Hans Gabbe.

Der Leiter der Kartellrechtspraxis bei Bird & Bird, Jörg Witting, ist bislang selten in der Beratung von Medien zu sehen gewesen, er berät häufig Mandanten aus der Energie- und aus der Gesundheitsbranche. Die Verbindung zum Bayerischen Rundfunk ist dem Vernehmen nach neu, allerdings ist das Münchner Büro der Sozietät bekannt für seine sport- und medienbezogene Arbeit.

Der Münchner Einzelanwalt Mark Orth ist an der Schnittstelle Medien- und Kartellrecht häufig für den FC Bayern München tätig.

Die Rechtsabteilungen der Medienunternehmen stemmen kartellrechtliche und auch bietergetriebene Verfahren inzwischen größtenteils selbst. So waren die Inhousejuristen von Sky, ARD und ZDF, Deutsche Telekom und Axel Springer auch schon im vorangegangen Bieterverfahren beteiligt. (Christiane Schiffer)

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