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18.08.2016

Kurzarbeit: VW setzt im Streit mit Zulieferern auf Hogan Lovells

Kurzarbeit in Emden, Lieferschwierigkeiten bei den Werken in Kassel und Wolfsburg – zwei Zulieferfirmen legen die Produktion von Volkswagen lahm. Sowohl der Hersteller für Sitzbezüge, Car Trim, als auch der Getriebelieferant ES Automobilguss liefern seit einiger Zeit keine Teile mehr an VW. Das betrifft in Emden rund 10.000 VW-Beschäftigte und angeschlossenen Firmen und bedeutet Millionenschäden für den Autobauer. Dieser versucht in der Zwischenzeit, die säumigen Zulieferer per Gericht zur Lieferung zu zwingen.

Detlef Haß

Detlef Haß

Sowohl gegen ES Automobilguss (Az. 21 O 1590/16) als auch gegen Car Trim konnte Volkswagen dabei inzwischen einstweilige Verfügungen am Landgericht Braunschweig erwirken. So muss Car Trim etwa bis zum Mai 2017 wieder Sitzbezüge liefern (Az. 21 O 1578/16). Bei langfristigen Verträgen ist das eine durchaus übliche Zeitspanne, für die VW-Werke zählt aber derzeit jeder Tag. Die Schadenssumme dürfte sich schon bald in zwei- bis dreistelligen Millionenhöhe bewegen.

Was genau hinter den Auseinandersetzungen steckt, ist unklar. Nach JUVE-Recherchen gibt es aber Hinweise, dass die Zulieferer unzufrieden sind mit der Behandlung durch den Wolfsburger Autoriesen. Weitere Insider sprechen von einem Preiskampf. Ein interessantes Detail in dem Komplex: Sowohl Car Trim als auch ES Automobilguss gehören zur Prevent-Gruppe.

An Car Trim ist Prevent über die Holding Parramatta Capital beteiligt. Car Trim hat seinen Verwaltungssitz in Plauen und fertig in Osteuropa Bezüge unter anderem für den Autositzhersteller Sitech, eine 100-prozentige VW-Tochter. Sitech wiederum liefert die fertigen Sitze an VW, nach Emden gehen hauptsächlich Sitze für mehrere Passat-Modelle.

Die zweite Firma, ES Automobilguss aus Schönheide, gehört seit Anfang des Jahres über ihre niederländische Beteiligungsgesellschaft Eastern Horizon zu Prevent. ES Autoguss fertigt Getriebeteile für viele namhafte Autohersteller und auch für zahlreiche Modelle von VW. Zu den Gründen für den Lieferstopp wollte ES Automobilguss mit Hinweis auf die juristische Auseinandersetzung mit VW keine Stellungnahme abgeben. Nach JUVE-Informationen steht Ende August ein weiterer Termin am LG Braunschweig an, weil der Zulieferer Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung eingelegt hat, die das Gericht am 12. August erlassen hat.

Vertreter Volkswagen
Hogan Lovells (München): Dr. Detlef Haß, Dominik Steghöfer

Vertreter Car Trim und ES Automobilguss
Bub Gauweiler & Partner (München): Franz Enderle, Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Bub, Dr. Andreas Strenkert

Landgericht Braunschweig, 1. Kammer für Handelssachen
Christiane Wurdack-Scheibel (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Alle Vertreter sind aus dem Markt bekannt.

Zwischen Volkswagen und Hogan Lovells besteht seit Längerem eine Mandatsbeziehung. Der renommierte Litigator Haß ist Co-Chef der internationalen Litigation-Praxis von Hogan Lovells, er hat sich in jüngster Zeit vor allem mit der Beratung zum Kartellschadensersatz einen Namen gemacht.

Bub Gauweiler ist in zahlreiche prominente Streitigkeiten involviert, das Trio Enderle, Gauweiler und Strenkert beriet zum Beispiel den schwäbischen Ex-Ministerpräsidenten Stephan Mappus bei seiner Klage gegen Gleiss Lutz. Außerdem setzt die Metro-AG regelmäßig auf die Dienste der Kanzlei, vor allem in den Auseinandersetzungen mit dem Saturn-Firmengründer Erich Kellerhals. Zuletzt wurde bekannt, dass die Kanzlei den ehemaligen Sal. Oppenheim-Banker Matthias Graf von Krockow vertritt, gegen den die Deutsche Bank in Fragen der möglichen Organhaftung vorgeht und 120 Millionen Euro fordert.

Der Finanzinvestor Prevent investiert viel in der Mode- und Möbelbranche, zuletzt hat er auch immer wieder bei Automobilzulieferern zugegriffen. Beim Einstieg seiner Beteiligung Eastern Horizon bei ES Autoguss setzte Prevent auf Reed Smith, aber auch Willkie Farr & Gallagher, BRL Boege Rohde Luebbehuesen und FPS Fritze Wicke Seelig haben schon für Prevent gearbeitet. (Christiane Schiffer)

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