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05.04.2017

Kanzlei-Razzia: Jones Day wehrt sich mit Ex-White & Case-Strafrechtler

Jones Day will die Durchsuchung ihrer Kanzleiräume im Zuge der VW-Dieselaffäre nicht auf sich beruhen lassen. Die Kanzlei hat den Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts München angefochten. Dabei setzt sie nach JUVE-Informationen auf den Strafrechtler Jürgen Klengel. Der langjährige White & Case-Partner ist seit Februar in eigener Kanzlei tätig. 

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Jürgen Klengel

In einem ersten Schritt hatte das Amtsgericht diese Woche seine Entscheidung bestätigt. Über einen sogenannten Abhilfeentscheid hatte der Ermittlungsrichter, der den Durchsuchungsbeschluss genehmigt hatte, seinen eigenen Entschluss noch einmal überprüft. Aus Sicht von Jones Day und Audi allerdings ohne Erfolg: Er blieb auch nach Durchsicht der Einwände bei seiner Entscheidung. Nun wird die Beschwerde in nächster – und letzter – Instanz dem Landgericht München vorgelegt.

Mit Klengel hat sich Jones Day einen sehr erfahrenen Unternehmensstrafrechtler an die Seite geholt. Er berät Unternehmen bei eigenen internen Ermittlungen und gegenüber Behörden. Auch vor Gerichten tritt er regelmäßig auf. Für den Autobauer Ford ist Klengel nach Marktinformationen beispielsweise in ein Korruptionsverfahren eingebunden. Dabei geht es um Geschäfte mit der Bahn-Tochter DB Schenker in Russland.

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Norbert Nolte

Klengel begann seine juristische Karriere 1992 bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden, wo er sieben Jahre lang schwerpunktmäßig Wirtschafts-, Finanz- und Umweltdelikte verfolgte. Anschließend wechselte er die Seiten und schloss sich der Sozietät Feddersen Laule Ewerwahn Scherzberg Finkelnburg Clemm an. Diese ging 2000 in den deutschen Büros von White & Case auf. Dort war Klengel bis Anfang 2017 tätig, in den letzten Jahren als Equity-Partner. Sein Mandat für Jones Day wollte Klengel auf JUVE-Anfrage nicht bestätigen oder dementieren.

Jones Day sowie Audi und Volkswagen gehen JUVE-Quellen zufolge aufgrund ihrer unterschiedlichen Rollen in dem Ermittlungsverfahren getrennt gegen die Razzia der Staatsanwaltschaft München vor. Die Autobauer lassen sich in ihrem Verfahren von Freshfields Bruckhaus Deringer vertreten, insbesondere von Prof. Dr. Norbert Nolte, sowie von Dr. Daniel Krause von Krause & Kollegen.

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Daniel Krause

Die Staatsanwaltschaft München hatte Mitte März unter Federführung von Staatsanwalt Dominik Kieninger Räumlichkeiten von Volkswagen, Audi und Jones Day durchsucht. Entgegen erster Informationen seien jedoch keine Vorstandsbüros und auch keine privaten Wohnungen hoher Audi- und VW-Managern durchsucht worden, wie JUVE erfuhr.

Die Ermittlungen, die sich derzeit noch gegen unbekannt richten, basieren offenbar auf den Akten der amerikanischen Behörden. Diese wiederum beziehen sich unter anderem auf einen Bericht von Jones Day zu ihren internen Ermittlungen bei Volkswagen. Veröffentlicht wurde der Report allerdings entgegen erster Ankündigungen nicht. VW hatte heftig gegen die Durchsuchungen bei Jones Day protestiert, auch unter Juristen hatte das Vorgehen Diskussionen ausgelöst.

Wann die Beschwerden von Audi und Volkswagen in die nächste Runde gehen, steht derzeit noch nicht fest. (Christiane Schiffer)

 

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