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24.04.2017

Loveparade-Unglück: Wessing- und Park-Mandanten müssen doch vor Gericht

Die Loveparade-Katastrophe von Duisburg wird nun doch strafrechtlich aufgearbeitet. Das Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) hat die Anklage der Staatsanwaltschaft Duisburg zugelassen und damit die Richter des Duisburger Landgerichts (LG) überstimmt. Diese hatten im vergangenen Jahr die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt. Bei dem Unglück waren 2010 im Gedränge 21 Besucher ums Leben gekommen und Hunderte verletzt worden.

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Jürgen Wessing

Angeklagt sind nun zehn Beschuldigte, sechs davon stammen aus den Reihen der Stadtverwaltung Duisburg, die übrigen vier waren Angestellte des Loveparade-Veranstalters. Ihnen wird unter anderem fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen.

Vor einem Jahr hatte die 5. Große Strafkammer des LG Duisburgs noch wenig Erfolg für die Anklage gesehen und die Eröffnung des Verfahrens abgelehnt. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger hatten gegen den Nichteröffnungsbeschluss Beschwerde eingelegt, der die OLG-Richter folgten: Wesentliche Elemente des ermittelten Sachverhalts seien bei der Prüfung der Kammer nicht ausreichend berücksichtigt und deshalb nicht zur Grundlage der Entscheidung gemacht worden. Der Senat hält eine Verurteilung der Angeklagten für „hinreichend wahrscheinlich“, dass „die den Angeschuldigten vorgeworfenen Sorgfaltspflichtverletzungen ursächlich für die Todes- und Verletzungsfolgen waren, dränge sich nach dem Ermittlungsergebnis auf“, hieß es in einer Mitteilung. Außerdem sei das Gutachten des Sachverständigen, das in der Vergangenheit von mehreren Seiten kritisiert worden war, entgegen der Entscheidung des Landgerichts im Prozess verwertbar. Die angeblichen Mängel konnte das OLG nicht erkennen. Nun muss sich die 6. Große Strafkammer mit dem Verfahren auseinandersetzen.

Anklagevertreter

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Tido Park

Vertreter J. D.
Wessing & Partner (Düsseldorf): Prof. Dr. Jürgen Wessing, Dr. Matthias Dann

Vertreter A. G.
Park (Dortmund): Prof. Dr. Tido Park, Dr. Tobias Eggers

Vertreter R. D.
Kaps + Lützenkirchen (Wuppertal): Michael Kaps, Manuela Lützenkirchen

Vertreter R. J.
Albert + Piel (Düsseldorf): Joachim Albert, Hannah Piel

Vertreter P. G.
Dierlamm (Wiesbaden): Prof. Dr. Alfred Dierlamm, Eva Racky, Katharina Kolbe

Vertreter U. B.
Strafverteidigerbüro (Köln): Christof Püschel

Vertreter K. S.
Gercke Wollschläger (Köln): Prof. Dr. Björn Gercke, Dr. Kerstin Stirner

Vertreter L. W.
Römermann: Prof. Dr. Volker Römermann (Hannover), Dr. Philip von der Meden (Hamburg)
Ioannis Zaimis (Berlin)

Vertreter G. S.
Hans-Jürgen Siehl (Berlin)
Ruth Fischer (Essen)
Lina Schuster (Essen)

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Julius Reiter

Vertreter J. S.
Hoemann Schmitt Schwab Schenk Muzikant (Duisburg): Heinz Schmitt
Oliver Ufermann (Duisburg)

Nebenklagevertreter (Auswahl)
Baum Reiter & Kollegen (Düsseldorf): Prof. Dr. Julius Reiter
Janssen + Maluga (Düsseldorf): Prof. Dr. Gerhard Janssen
Prof. Dr. Thomas Feltes (Bochum)
Bärbel Schönhof (Bochum)

Oberlandesgericht Düsseldorf, 2. Strafsenat
Berthold Klein (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Die Angeklagten haben sich zum größten Teil mit bundesweit bekannten Wirtschaftsstrafrechtlern gewappnet, die ihre Mandanten schon seit mehreren Jahren vertreten. Nicht beschuldigt sind der ehemalige Duisburger Oberbürgermeister und der damalige Chef des Loveparade-Veranstalters Rainer Schaller. Laut Staatsanwaltschaft waren die beiden in die Planungen nicht persönlich eingebunden und damit juristisch nicht verantwortlich.

Aufseiten der Nebenklage, die mit insgesamt knapp 40 Opfern oder Angehörigen im Prozess vertreten sein wird, finden sich renommierte Klägerberater wie Baum Reiter, Janssen und Prof. Feltes von der Ruhr-Universität Bochum. Sie sind ebenfalls seit vielen Jahren in die Interessensvertretung der Opfer eingebunden und kümmern sich auch um deren Beratung bei Zivilklagen. (Christiane Schiffer)

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