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11.04.2017

Machtkampf bei Ashurst-Mandantin Grammer: Prevent punktet mit Bub Gauweiler und Willkie

Der Machtkampf bei Grammer spitzt sich zu. Der Autozulieferer will das chinesische Unternehmen Ningbo Jifeng an Bord holen, um die Investorenfamilie Hastor auszubremsen. Diese versucht, Grammer unter ihre Kontrolle zu bekommen. Nun haben die Hastors einen Punktsieg errungen. Bevor es Ende Mai zum Showdown bei der Hauptversammlung kommt, wird nächste Woche noch einmal vor Gericht verhandelt.

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Thomas Sacher

Der bosnischen Familie Hastor gehört auch die Zulieferer-Gruppe Prevent, die im vergangenen Sommer wegen eines Lieferstreits die Produktion bei VW teils lahmlegte. Auch mit Daimler liegt Prevent im Clinch. Die Hastors sind in der Branche umstritten, deshalb fürchtet man beim bayrischen Traditionsunternehmen Grammer den Verlust von Kunden, falls die Prevent-Eigentümer die Kontrolle übernehmen. Grammer beliefert unter anderem VW, BMW und Daimler und beschäftigt 12.000 Mitarbeiter. Der Umsatz lag zuletzt bei 1,5 Milliarden Euro.

Die Hastor-Gesellschaften Cascade und Halog besitzen bereits zwischen 20 und 30 Prozent der Grammer-Anteile. Im Januar hatten sie mitgeteilt, dass sie fünf der sechs Aufsichtsratsmitglieder auf der Kapitalseite absetzen wollen, darunter Grammer-Chef Hartmut Müller. Die Marge sei zu gering. 

Im Februar dann tauchte der chinesische Mittelständler Ningbo Jifeng, ebenfalls ein Zulieferer, als möglicher Retter auf. Das Unternehmen zeichnete eine Wandelanleihe über 60 Millionen Euro. In Stimmrechte umgetauscht bedeutet dies knapp 10 Prozent der Grammer-Stimmrechte. Doch gegen diese Umwandlung erwirkte Prevent vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth eine einstweilige Verfügung (Az. 3 HK O 2070/17). Begründung: Der Einstieg von Ningbo hätte bei den Kartellbehörden angemeldet werden müssen. Grammer und Ningbo bestreiten, dass entsprechende Meldeschwellen beim deutschen Ningbo-Umsatz überschritten wurden. Für den 20. April ist dazu eine Verhandlung am LG Nürnberg-Erlangen angesetzt. 

Bliebe es dabei, dass die Anleihe nicht in Stimmrechte umgewandelt werden darf, würde dies den Einfluss der Hastors auf der Hauptversammlung am 24. Mai vergrößern. Erst vor einem Monat hatten die Investoren versucht, eine Vorverlegung der Hauptversammlung zu erzwingen. Damit scheiterten sie vor dem Amtsgericht Amberg (Az. 150 AR 6/17).

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Mario Schmidt

Berater/Vertreter Hastor-Gesellschaften
Willkie Farr & Gallagher (Frankfurt): Dr. Stefan Jörgens, Mario Schmidt
Bub Gauweiler & Partner (München): Franz Enderle

Vertreter Grammer
Ashurst (München): Dr. Thomas Sacher, Volker Germann (beide Gesellschaftsrecht), Ute Zinsmeister (Kartellrecht), Philipp Beckers (Prozessführung); Associate: Dr. Maria Held (Kartellrecht)
Inhouse Recht (München): Brigitte Steinbauer (Leiterin Konzernrechtswesen)

Berater Ningbo Jifeng
Herbert Smith Freehills (Frankfurt): Dr. Ralf Thaeter (Gesellschaftsrecht), Dr. Markus Lauer (M&A/Gesellschaftsrecht), Dr. Mathias Wittinghofer (Prozessführung), Dr. Michael Dietrich (Kartellrecht; Düsseldorf); Associates: Dr. Julius Brandt (Corporate), Dr. Tilman Hertel (Prozessführung), Dr. Marcel Nuys (Kartellrecht; Düsseldorf).
King & Wood Mallesons (Schanghai): Morgan Jiang (Federführung; M&A/Gesellschaftsrecht)

Landgericht Nürnberg-Fürth, 3. Kammer für Handelssachen
Dr. Dieter Dannreuther (Vorsitzender Richter)

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Ralf Thaeter

Hintergrund: Alle Berater und Vertreter sind aus dem Markt bekannt.

Willkie war schon öfters für die Hastor-Familie tätig. Unter anderem hatte die Kanzlei auch im Hintergrund strategisch beraten, als die Investoren zum Jahreswechsel die Kontrolle beim Küchenhersteller Alno übernahmen. Ursprünglich geht der Kontakt auf Corporate-Partner Schmidt zurück. Bub Gauweiler-Partner Enderle kam für die Prozessführung abseits gesellschaftsrectlicher Fragen ins Mandat, er führte bereits den Streit um die Vorverlegung der Hauptversammlung.

Zu der im Februar begebenen Wandelanleihe beriet Hengeler Mueller-Partner Dr. Ralph Defren. Ashurst hatte Grammer bereits 2015 untersützt, als er den badischen Oberflächenspezialisten Reum erwarb. Zum Umgang mit den Investments der Familie Hastor betreut Ashurst Grammer seit etwa einem Jahr. Das Team um Sacher ist für die Hauptversammlung im Mai zuständig, die turbulent verlaufen dürfte. Im vergangenen Jahr hatten die Pinsent Masons-Partner Thomas Mayrhofer und Dr. Alexander Thomas die Hauptversammlung begleitet. (Marc Chmielewski)

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