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29.09.2017

Dieselaffäre: Ex-VW-Manager und Trüg Habetha-Mandant in U-Haft

Wer ist bei VW und ihren Töchtern für den Dieselskandal verantwortlich? Dieser Frage geht die Staatsanwaltschaft München weiter mit Hochdruck nach – und hat gestern einen zweiten Beschuldigten in Untersuchungshaft genommen. Das hebt den Skandal um manipulierte Dieselfahrzeuge bei VW auf eine neue Stufe, denn zum ersten Mal ist ein hochrangiger Ex-Manager verhaftet worden.

Gerson Trüg

Gerson Trüg

Der Vorwurf: Verdacht des Betruges und der strafbaren Werbung in den USA. Seit März ermittelt die für Ingolstadt zuständige Staatsanwaltschaft München II gegen verschiedene Manager der VW-Konzerntochter Audi. Die ‚Süddeutsche Zeitung‘ hatte gestern als erste über die Verhaftung berichtet. Dabei soll es sich um einen engen Vertrauten von Ex-VW-Chef Dr. Martin Winterkorn handeln, der bis September 2015 Forschungs- und Entwicklungsvorstand bei Porsche sowie Leiter der Aggregate-Entwicklung des VW-Konzerns war.

Kurz nach Bekanntwerden der Affäre im September 2015 musste der Manager seinen Vorstandsposten bei Porsche räumen, es gab einen Aufhebungsvertrag mit Porsche, der auch eine millionenschwere Abfindung enthielt, die aber zunächst nur unter Vorbehalt gezahlt wurde.

Vertreten wird der Ex-Manager von Strafrechtler Prof. Dr. Gerson Trüg, der mit seinem langjährigen Kollegen von der Freiburger Kanzlei Bender Harrer Krevet, Dr. Jörg Habetha, zu Jahresbeginn die Kanzlei Trüg Habetha gründete. Trüg vertrat zuletzt etwa den früheren Aufsichtsratschef sowie den wegen Cum-Ex-Geschäften unter Beschuss stehenden Steueranwalt Hanno Berger. Zudem stehen ihm Medienrechtler Prof. Dr. Ralf Höcker aus der gleichnamigen Kanzlei Höcker und Dr. Tim Wißmann von der Kölner Arbeitsrechtsboutique Küttner zur Seite. Die Anwälte bestreiten die Vorwürfe gegen ihren Mandanten.

Wie die Staatsanwaltschaft bestätigte, gab es am Mittwoch neben der Verhaftung auch zwei Durchsuchungen in den Räumen von Privatpersonen. In der Staatsanwaltschaft München II sind derzeit drei Staatsanwälte allein mit den Ermittlungen gegen Audi betraut. Mittlerweile gehen die Staatsanwälte gegen ein gutes halbes Dutzend Ex-Manager vor. Auch in Braunschweig wird wegen der Dieselaffäre ermittelt. Die Staatsanwaltschaft dort geht unter anderem auch gegen den ehemaligen VW-Konzernchef Winterkorn vor, der vom renommierten Frankfurter Strafverteidiger Dr. Felix Dörr aus der Sozietät Dr. Felix Dörr & Kollegen vertreten wird.

Seit Anfang Juli sitzt ein anderer ehemaliger Audi-Manager bereits wegen Betrugsverdachts in München in Untersuchungshaft. Er war von 2006 bis 2015 einer der führenden Motorenentwickler. Nach JUVE-Informationen wird er von den Strafrechtlern Klaus Schroth von Schroth & Kollegen und Walter Lechner von Lechner & Partner vertreten. Audi hatte ihn 2015 beurlaubt und ihm Anfang 2017 fristlos gekündigt. Darüber streiten beide Seiten noch vor dem Arbeitsgericht Heilbronn. Arbeitsrechtlich wird er von Dirk Scheurich aus der Hanauer Kanzlei Wolf Machel Scheurich begleitet. (Ulrike Barth)

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