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29.09.2017

HRE-Prozess: Ex-Vorstände mit Kreuzer und Brehm & v. Moers aus dem Schneider

Es war der spektakulärste Fall der Finanzkrise 2008: Der Zusammenbruch der Hypo Real Estate (HRE). Doch die juristische Aufarbeitung des Debakels erwies sich als schwierig. Heute hat das Landgericht München den Prozess gegen Ex-Bankchef Georg Funke eingestellt – weil von den ursprünglich schweren Vorwürfen wenig geblieben ist.

Christian Sering

Christian Sering

Das Verfahren wird gegen Geldauflage eingestellt. Funke muss 18.000 Euro, Fell 25.000 Euro zahlen. Damit endet ein zehn Jahre langes juristisches Tauziehen rund um den Niedergang der Immobilienbank. Erst Anfang des Jahres hatte der Prozess gegen die beiden Ex-Manager Funke und Markus Fell vor dem Landgericht München begonnen – mehr als zwei Jahre nach Anklageerhebung. Bis dahin waren die Anklagepunkte gegen Funke und Fell allerdings schon immer weiter abgespeckt worden. Beide sahen sich zuletzt nur noch dem Vorwurf ausgesetzt, Firmenberichte geschönt und die Öffentlichkeit bewusst über die prekäre Lage der Bank getäuscht zu haben.

Im aktuellen Prozess zog das Landgericht nun nach fast 18 Verhandlungstagen die Reißleine, weil nach wie vor ein wichtiges Gutachten fehlte und die Verteidigung die Anhörung zahlreicher Zeugen, teils aus dem Ausland, beantragt hatte. Sie alle anzuhören, hätte so lange gedauert, dass dann Teile der Vorwürfe bis zur Verkündung eines Urteils verjährt gewesen wären.

Gegen sechs weitere frühere Vorstände waren die Verfahren bereits gegen Zahlung von Geldauflagen zwischen 30.000 und 80.000 Euro eingestellt worden.

Vertreter Funke
Kreuzer Pfister & Girshausen (München): Dr. Wolfgang Kreuzer, Dr. Michael Pösl

Vertreter Fell
Brehm & v. Moers (München): Dr. Thilo Pfordte, Dr. Christian Sering

Staatsanwaltschaft München I
Hildegard Bäumler-Hösl (Oberstaatsanwältin)

Landgericht München I, 5. Strafkammer (Wirtschaftsstrafkammer)
Petra Wittmann (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft hatte bereits 2014 Anklage gegen Funke und die anderen Ex-Vorstände erhoben. Allerdings zogen sich die Ermittlungen in dem Fall lange hin, auch weil die Ermittler auf ein Gutachten des von den HRE-Aktionären bestellten Sonderprüfers Dr. Wolfgang Russ von der Kanzlei Ebner Stolz warteten. Den Entwurf des Sonderprüfers ließ die Staatsanwaltschaft zum Jahresende 2012 sogar beschlagnahmen. Im aktuellen Prozess sollte nun Prof. Dr. Kai Uwe Marten von der Universität Ulm ein Gutachten vorlegen.

Die Münchner Verteidiger von Kreuzer und Brehm & v. Moers stehen ihren Mandanten schon seit Beginn der Untersuchungen zur Seite. (Ulrike Barth)

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