Artikel drucken
09.01.2018

Wölbern Invest: Verfahren gegen Ex-Partner von Bird & Bird wegen Krankheit eingestellt

Der wegen Beihilfe zur Untreue angeklagte frühere Bird & Bird-Partner Frank Moerchen muss sich im zweiten großen Strafverfahren um den Anlegerskandal beim früheren Emissionshaus Wölbern Invest zumindest vorläufig nicht mehr vor Gericht verantworten. Das Landgericht stufte Moerchen als verhandlungsunfähig ein, trennte deshalb sein Verfahren von dem gegen die beiden weiteren Angeklagten ab und stellte es vorläufig ein. Außerdem wurde Moerchen nach 15 Monaten aus der Haft entlassen.

Frank Moerchen

Frank Moerchen

Zu Beginn des Prozesses im September hatte es einige Besetzungs- und Aussetzungsrügen gegeben, seitdem war der Gesundheitszustand Moerchens das zentrale Thema an den Sitzungstagen. Mit mehreren Gutachten kämpften die Verteidiger Moerchens dafür, dass der Anwalt als verhandlungsunfähig eingestuft wird. Er sei krankheitsbedingt nur sehr eingeschränkt wahrnehmungs- und konzentrationsfähig. Eine optimale Behandlung sei zudem in der Haft nicht möglich. Das Gericht schloss sich dieser Auffassung an, nachdem es medizinische Diagnosen eingeholt hatte. Bis zu einer möglichen Verbesserung des Gesundheitszustands des 71-Jährigen stellte es das Verfahren ein. Beobachter halten es für unwahrscheinlich, dass das Verfahren gegen Moerchen wieder aufgenommen wird.

Der Prozess gegen die beiden weiteren Angeklagten, den ehemaligen Kanzleikollegen Moerchens, B. sowie K., den Ex-Generalbevollmächtigten von Wölbern Invest, wird seit gestern mit der Aussage K.s fortgesetzt.

Das Landgericht Hamburg hatte das Verfahren gegen das Trio eröffnet, weil es zu Untreuetaten des früheren Wölbern Invest-Chefs Heinrich Schulte Beihilfe geleistet haben soll. B. soll zudem selbst Untreue begangen haben. Schulte hatte bis 2013 aus mehreren geschlossenen Immobilienfonds der Wölbern Invest-Gruppe Liquidität in Höhe von mehr als 147 Millionen Euro abgeschöpft und war deshalb zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Das Geld hatte er auf sein Privatkonto weitergeleitet oder zur Unterstützung diverser Gesellschaften im In- und Ausland verwendet, an denen er entweder beteiligt war oder denen er als Geschäftsführer vorstand. K. sowie B. und Moerchen, die zu den engsten juristischen Beratern Schultes gehörten, sollen diesem bei der Verschleierung des illegalen Geldabflusses geholfen haben. Darüber hinaus sollen B. sowie K. gegen ihre Pflichten als Rechtsberater und Aufsichtsratsvorsitzender verstoßen und es Schulte so ermöglicht haben, Anlagegelder in Höhe von 47,5 Millionen Euro widerrechtlich abzuschöpfen.

Das Verfahren beobachten auch zahlreiche Fonds und deren Vertreter intensiv, die Bird & Bird sowie B. und Moerchen auf Schadensersatz von mehr als 130 Millionen Euro verklagt hatten und deren Erfolg von dem Ausgang des Strafverfahrens maßgeblich abhängen dürfte. Die Chancen dürften durch die Einstellung des Verfahrens gegen Moerchen gesunken sein.

Vertreter Frank Moerchen
KSK Rechtsanwälte (Hamburg): Dr. Iris-Maria Killinger, Michael Klose
Ufer Knauer (München): Steffen Ufer

Vertreter B.
Freyschmidt Frings Pananis Venn (Berlin): Nikolai Venn; Associate: Sarah Diwell

Vertreter Ex-Generalbevollmächtigter K.
Krause & Kollegen (Berlin): Dr. Patrick Teubner
Mareike Biesold (Hamburg)

Staatsanwaltschaft Hamburg
Heyner Heyen

Landgericht Hamburg, 18. Große Strafkammer
Malte Hansen

Hintergrund: Die Angeklagten verlassen sich größtenteils auf die Verteidiger, die sie schon seit Beginn vertreten. Mit zwei Ausnahmen: Zum Prozess kam Steffen Ufer neu hinzu, Namenspartner der renommierten Münchner Strafrechtskanzlei Ufer Knauer. Er verteidigt gemeinsam mit Iris-Maria Killinger und Michael Klose den früheren Bird & Bird-Partner Moerchen. Zur Verteidigerriege des früheren Generalbevollmächtigten K. gehört neben Krause-Partner Teubner nun auch die Hamburger Strafrechtlerin Mareike Biesold.

Geleitet wird die Hauptverhandlung von Malte Jansen, der zu Beginn seiner Karriere für Latham & Watkins und Cleary Gottlieb Steen & Hamilton arbeitete. Über Stationen als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesgerichtshof und am Amtsgericht Hamburg stieß er erst im März 2017 als Richter zum LG Hamburg. Dort ist er offiziell zwar nur stellvertretender Vorsitzender der 18. Großen Strafkammer, führt diese aber dennoch, nachdem der bisherige Vorsitzende Stefan Sommer im Juli eine Schwurgerichtskammer übernommen hat. An Hansens Seite werden zwei Beisitzer durch das Verfahren führen. (René Bender)

  • Teilen