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16.02.2018

Duell in London: Noerr- und BLD-Mandanten streiten über D&O-Versicherung

Ein Wirtschaftskrimi und seine Folgen – Der Bilanz-Skandal um den japanischen Konzern Olympus aus dem Jahr 2011 ist Thema einer gerichtlichen Auseinandersetzung in diesen Tagen in London. Dort streiten sich die ehemaligen Olympus-Manager Michael Woodford und Paul Hillman mit dem D&O-Versicherer AIG Europe. Es geht in dem Verfahren zwar nicht um den Bilanz-Skandal selbst. Doch Ex-Manager-Woodford wittert einen späten Rachefeldzug für seine Aufklärung bei den Bilanzfälschungen.

Oliver Sieg

Oliver Sieg

Woodford wurde 2011 erster ausländischer CEO des japanischen Kamera- und Medizintechnik-Herstellers Olympus. Er veröffentlichte nur wenige Monate danach Erkenntnisse über Bilanzfälschungen beim Konzern. Mehrere Manager mussten später in Haft, der Aktienkurs brach ein. Woodford selbst wurde entlassen, konnte sich aber in einem Verfahren mit einem Abfindungsanspruch von rund 10 Millionen Pfund durchsetzen.

Späte Rache?

Damit war das Thema Olympus für ihn jedoch nicht beendet. Woodford und Hillman waren beide noch vor dem Finanzskandal verantwortliche Manager bei Olympus-Tochter KeyMed. KeyMed verklagt die beiden nun auf Schadensersatz in Höhe von rund 55 Millionen Pfund (rund 62 Millionen Euro). Sie hätten während ihrer Amtszeit 2005 pflichtwidrig eine Altersversorgung für Führungskräfte des Unternehmens eingeführt. Woodford sieht zwischen dieser Klage und seiner Rolle als Aufklärer im Bilanzskandal einen Zusammenhang. Man versuche, ihm finanziell zu schaden. Die Gerichtsverhandlung zu diesem Verfahren findet im März statt.

D&O-Versicherung sieht keine Zahlungspflicht

Im aktuell laufenden Fall am Londonder High Court of Justice klagen Woodford und Hillman gegen den D&O-Versicherer AIG Europe. Dieser weigert sich, die Kosten für den Streit mit KeyMed zu tragen. Angeblich habe Olympus schon von der pflichtwidrigen Altersversorgung gewusst, als sie die D&O-Versicherung abschloss. Gleichzeitig sieht Hillman einen bedingten Anspruch (Contingent Claim) gegen die ebenfalls am Verfahren beteiligte KeyMed, die ihm den D&O-Versicherungsschutz vertraglich zugesichert habe.

Einzelheiten des Versicherungsschutzes unterliegen deutschem Recht. Auf Wunsch von Woodford und Hillman findet der Prozess jedoch in London statt.

Vertreter Michael Woodford und Paul Hillman
Brickcourt Chambers (London): Stephen Midwinter – Barrister
Noerr (Düsseldorf): Dr. Oliver Sieg, Lucy Holden (beide Federführung; München); Associates: Anne Schrader, Miriam Rosenberger; Franziska Wollrath (München) – Solicitor

Björn Seitz

Björn Seitz

Vertreter AIG Europe
Quadrant Chambers (London):  John Kimbell – Barrister
BLD Bach Langheid Dallmayr (Köln): Björn Seitz; Associate:  Dr. Julia Achtmann – Solicitor 
DAC Beachcroft (London): William Allison; Associate: Mark Healing – Solicitor 
Inhouse Recht (Frankfurt): Klaus Goldschmidt (Schaden D&O)

Vertreter KeyMed
Wilberforce Chambers (London): Max Mallin – Barrister
Fieldfisher (London): Jim Sharkey; Associate: Siona Spillett – Solicitor 

High Court of Justice London – Commercial Court
Jane Moulder (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Noerr ist unmittelbar als Solicitor und Prozessbevollmächtigte in dem Prozess mandatiert. Das Mandat kam auf Empfehlung durch Simmons & Simmons zustande, die sowohl Woodford als auch Hillman in dem im März anstehenden Prozess gegen KeyMed vertreten. In beiden Verhandlungen ist Stephen Midwinter als Barrister mandatiert.

Zwischen BLD und AIG besteht eine langjährige Mandantenbeziehung. 2017 trat der Kölner Standort in der Beratung des D&O-Versicherers beim Gelita-Gesellschafterstreit auf. Im vorliegenden Fall betreuen sie den Mandanten als Solicitor zusammen mit DAC Beachcroft. Beide kooperiern unter dem Dach von Legalign Global, einem Verbund von unabhängigen Versicherungs- und Haftungsrechtskanzleien. Dieser kommt bei grenzüberschreitenden Rechtsansprüchen zum Tragen. In den USA gehören Wilson Elser, in Australien Wotton + Kearney zum Verbund.

Da ein Teil des Versicherungsvertrages deutschem Recht unterliegt, haben die Beteiligten Gutachter hinzu gezogen. Für die Kläger übernimmt den Part Prof. Dr. Oliver Brand (Mannheim), für die Versicherung Prof. Dr. Christian Armbrüster (Berlin). (Martin Brandt)

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