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31.10.2018

Bezahl-TV: Gleiss und Freshfields kämpfen für Kooperation von Sky und DAZN

Wenn Sportgroßereignisse nicht mehr im gebührenfreien Fernsehen laufen, hört für viele der Spaß auf. Im Fall der Fußball-Champions-League schaut auch das Bundeskartellamt genauer hin: Die Behörde untersucht die Zusammenarbeit des Pay-TV-Senders Sky mit dem Streamingdienst DAZN. Beide Bezahlanbieter zeigen in Deutschland von 2018 bis 2021 exklusiv Live-Übertragungen der Königsklasse – und fahren schweres Geschütz auf, um ihre Kooperation zu verteidigen.

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Moritz Holm-Hadulla

Das Bundeskartellamt hat ein Verwaltungsverfahren eingeleitet. Behördenchef Andreas Mundt: „Wir untersuchen, wann und in welcher Form die Kooperation der beiden Unternehmen beschlossen wurde und ob die Zusammenarbeit den Wettbewerb im Interesse der Verbraucher gefördert oder beschränkt hat.“ Um das herauszufinden, befragt das Amt dem Vernehmen nach mehr als ein Dutzend Marktakteure wie etwa andere Fernsehsender.

Auch die Bundesligarechte haben das Amt schon interessiert

Sky hatte sich 2017 in einer Ausschreibung des europäischen Fußballverbands Uefa durchgesetzt, danach aber einen Teil des Pakets an den Streamingdienst DAZN abgegeben. Eine Frage lautet nun, ob beide Unternehmen sich so abgestimmt haben, dass nur eines ein Angebot abgibt und man am Ende das günstiger erlegte Bärenfell aufteilt. In dem Kartellverwaltungsverfahren geht es nicht um Bußgelder. Ein Ergebnis der kartellrechtlichen Prüfung könnte sein, dass die Firmen ihr bisheriges Vorgehen ändern müssen – im äußersten Fall müsste neu ausgeschrieben werden. Auch eine Einstellung des Verfahrens ist möglich.

Im Jahr 2016 hatte das Kartellamt bereits die Deutsche Fußballliga dazu verpflichtet, die Senderechte für die Bundesligaspiele nicht mehr an einen einzigen Anbieter zu vergeben (No-single-Buyer-Regel). Analog dazu argumentieren im Fall Champions League manche Marktbeobachter, dass die Kartellbehörden sich nicht mit den Bietern ins Benehmen setzen müssten, sondern mit der Uefa als Rechteausschreiberin. Gegen eine exklusive Vergabe von Senderechten an einen Bieter hatte sich auch die Monopolkommission ausgesprochen.

Vertreter Sky
Inhouse Recht (München): Dr. Patrick Hildebrandt (Head of Regulatory Affairs)
Gleiss Lutz (Stuttgart): Dr. Moritz Holm-Hadulla; Associate: Andreas Schüssel

Niggemann_Peter

Peter Niggemann

Vertreter Perform/DAZN
Inhouse Recht: Sam Moorhouse (Leiter Recht Global; London), Jörn Schulze-Hesselmann (Leiter Recht Deutschland/Österreich/Schweiz; Ismaning)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Peter Niggemann; Associate: Paul Drößler, Katharina Kunert 

Bundeskartellamt, 6. Beschlussabteilung
Julia Topel (Vorsitzende), Daniel Judith

Hintergrund: Gleiss ist zum ersten Mal seit Langem in einem kartellrechtlichen Verfahren an der Seite von Sky zu sehen. Die letzten Kontakte gab es zu Zeiten, als Prof. Dr. Rainer Bechtold die Kartellrechtspraxis von Gleiss leitete. Bechtold ist seit Ende 2013 im Ruhestand. Der jüngere Partner Holm-Hadulla, der sich nun in einem Pitch bei Sky durchsetzen konnte, hat sich in den vergangenen Jahren ein klares Profil im Medienkartellrecht erarbeitet. Er führt etwa für den Radiovermarkter RMS ein OLG-Verfahren gegen die Lokalsendergruppe Radio Group, das in erster Instanz noch der Hamburger Latham & Watkins-Partner Dr. Sebastian Seelmann-Eggebert geführt hatte. Zudem ist Holm-Hadulla regelmäßig für ProSiebenSat.1 im Einsatz. Dr. Ulrich Denzel, der bei Gleiss früher am ehesten für Medienkartellrecht stand, hat seinen Beratungsschwerpunkt verlagert – er führt unter anderem das Großmandat für Daimler bei der Abwehr von Schadensersatz im Lkw-Kartell.

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Patrick Hildebrandt

Hildebrandt, der das Verfahren bei Sky Deutschland inhouse begleitet, verantwortet seit März 2018 Regulierungsthemen in der Rechtsabteilung. Bis zum Frühjahr 2017 war der Kartellrechtler Associate bei Gleiss Lutz – und kennt daher den nun federführenden Partner Holm-Hadulla nicht erst seit Beginn des Verwaltungsverfahrens zur Champions-League-Vergabe. In der Vergangenheit waren regelmäßig auch die Kartellrechtler von Milbank Tweed Hadley & McCloy um den Münchner Partner Dr. Alexander Rinne an der Seite von Sky zu sehen. Sie begleiteten den Sender etwa 2016 bei der Vergabe von Bundesliga-Senderechten und im Jahr darauf bei einer OLG-Beschwerde gegen die No-single-Buyer-Regel des Kartellamts.

Jörn Schulze-Hesselmann

Jörn Schulze-Hesselmann

Draht nach London

Die DAZN-Rechtsabteilung ist noch jung, zählt aber bereits 13 Mitarbeiter. Der deutsche General Counsel Jörn Schulze-Hesselmann ist seit November 2017 dabei, die Abteilung für Deutschland, Österreich und die Schweiz aufzubauen. Er hatte zuvor bei Raue und inhouse bei Rocket Internet gearbeitet. Sportrechtefragen klären die Juristen des Streamingdienstes wie ihre Kollegen von Sky meist selbst, ohne große externe Hilfe. Meist arbeitet Schulze-Hesselmann dabei eng mit London zusammen. Dies galt auch für die Ausschreibung für die Live-Übertragungsrechte der englischen Premier League in Deutschland und Österreich, die DAZN kürzlich Sky überlassen musste. Für Sky waren daran Hans Gabbe, Leiter Sportrechte, und Stefan Breuer beteiligt.

Über London kam auch der Kontakt zwischen Perform, die ihr Streaminggeschäft in DAZN gebündelt hat, und Freshfields zustande. Die dortigen Gesellschaftsrechtler der Kanzlei berieten den Konzern im Frühjahr zum Einstieg des japanischen Werbekonzerns Dentsu. (Marc Chmielewski, Christiane Schiffer, Martin Ströder)

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