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17.01.2019

Familienzwist: Kaffeeröster streiten mit Möhrle und Freshfields um Adoption

Der Hamburger Unternehmer Albert Darboven (82) darf vorerst nicht den Kaffee-Erben Andreas Jacobs (55) adoptieren. Einen entsprechenden Antrag hatte das Amtsgericht Hamburg-Blankenese Anfang Dezember 2018 zurückgewiesen. Albert Darboven hatte vier Wochen Zeit, um gegen diese Entscheidung Beschwerde einzulegen. Wie Gerichtssprecher Dr. Kai Wantzen gegenüber JUVE sagte, ist aber keine Beschwerdeschrift beim Amtsgericht eingegangen. Die Entscheidung sei damit rechtskräftig. Allerdings kann der Adoptionsantrag auch wieder neu gestellt werden.

Ulrich Möhrle

Ulrich Möhrle

Jacobs stammt aus der Bremer Kaffeedynastie Jacobs, die sich aber schon vor vielen Jahren aus dem Kaffeegeschäft zurückgezogen hat. Um die geplante Adoption hatte es in der Darboven-Familie Streit gegeben. Mehrere Mitglieder befürchteten einen „Bruch mit den Werten des Unternehmens”, sollte Jacobs das Sagen im Unternehmen bekommen.

Patriarch Albert Darboven hatte betont, die geplante Adoption sei eine rein familiäre Angelegenheit. Allerdings schätze er Jacobs auch als „herausragenden Unternehmer”. Darbovens Sohn Arthur (54) hatte sich in einer Stellungnahme an das Gericht gegen den Schritt ausgesprochen.

Bei Adoptionen müsse stets auf die Interessen der Kinder des Annehmenden und Anzunehmenden Rücksicht genommen werden. Darboven junior hatte im August dem Wirtschaftsmagazin Capital gesagt: „Es handelt sich um eine Adoption aus rein wirtschaftlichen Gründen, was unabhängig von den konkreten Personen für mich schon mehr als zweifelhaft ist.” Er habe viele Jahre selbst in dem Unternehmen mitgearbeitet und eigene Akzente gesetzt. Doch statt diese Erfolge zu berücksichtigen, sei nicht nur der Kontakt zu seinem Vater abgebrochen, sondern er sei sogar aus der Unternehmens-Chronik getilgt worden.

Darboven senior hatte die geplante Adoption im Juli bestätigt, nachdem sein Sohn sowie die beiden Söhne und die Witwe des ehemaligen Mitgesellschafters Herbert Darboven die Absicht öffentlich gemacht hatten. Ihn und seine Frau Edda verbinde eine langjährige tiefe Freundschaft mit Jacobs. „Meine Frau und ich wünschen uns, Herrn Dr. Jacobs auch ganz offiziell in unsere Familie aufzunehmen”, sagte Albert Darboven. „Aber das ist eine rein familiäre Angelegenheit, die nur uns drei betrifft.”

Christoph Seibt

Christoph Seibt

Nach der Zurückweisung des Adoptionsantrags hatte eine Unternehmenssprecherin versichert: „Die langjährige, persönliche Beziehung zwischen dem Ehepaar Darboven und Dr. Andreas Jacobs bleibt in jedem Fall selbstverständlich unberührt.” Jacobs werde weiterhin als Beiratsvorsitzender der Albert und Edda Darboven Stiftung seine Kompetenzen zur Fortführung des Lebenswerkes von Albert und Edda Darboven einbringen. Im Übrigen sei das Unternehmen J.J. Darboven mit der derzeitigen Führungsmannschaft gut aufgestellt und nachhaltig profitabel.

Arthur Darboven hatte das über 150 Jahre alte Unternehmen 2009 verlassen, er handelt inzwischen selbst mit Rohkaffee. Schon früher hatte sein Vater Albert angedeutet, dass er eines Tages einen Nachfolger adoptieren oder Teile des Vermögens in eine Stiftung geben könnte. Darboven ist derzeit der kleinste unter den fünf großen deutschen Kaffeeherstellern.

Die Statuten des Familienunternehmens, das noch zu 57,5 Prozent Albert Darboven gehört, sehen vor, dass nur ein Mitglied der Familie die Firmenleitung übernehmen darf. 42,5 Prozent der Anteile halten eigenen Angaben zufolge Arthur Darboven, seine Cousins Arndt und Behrendt sowie deren Mutter Helga.

Vertreter Arthur Darboven
Möhrle Happ Luther (Hamburg): Dr. Ulrich Möhrle, Hubertus Freiherr von der Recke

Vertreter Albert Darboven
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Prof. Dr. Christoph Seibt; Associate: Dr. Heiko Jander-McAlister

Amtsgericht Hamburg-Blankenese
Anja Fanselow (Stellvertretende Direktorin)

Hintergrund: Ulrich Möhrle vertritt Darboven junior schon seit mehreren Jahren in dieser Familienstreitigkeit. Der Möhrle Happ Luther-Partner berät viele Familienunternehmen, insofern war die ursprüngliche Mandatierung auch aufgrund einer persönlichen Empfehlung zustande gekommen. 

Dass der renommierte Freshfields-Partner Seibt Termine vor dem Amtsgericht wahrnimmt, dürfte selten sein. Normalerweise macht der Corporate-Spezialist in großvolumigen Transaktionen und Übernahmen von sich Reden. Seibt ist aber auch für seine guten Kontakte zu Familienunternehmen bekannt. Albert Darboven hatte er zuvor bereits in einer gesellschaftsrechtlichen Angelegenheit beraten, erst später kam dazu, dass beide gemeinsam im Stiftungsvorstand der Künstlerin Hanne Darboven aktiv sind. Nach JUVE-Informationen war ursprünglich der Stuttgarter Nachfolgespezialist Prof. Dr. Mark Binz aus der Kanzlei Binz & Partner in dem Streit mandatiert.

Soweit bekannt zog Andreas Jacobs, selbst auch Jurist, keine Berater hinzu. (Christine Albert, mit Material von dpa)

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