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09.01.2019

Streit um Anleihen: Anleger fordern mit Quinn eine Milliarde von der HSH

Gläubiger der HSH Nordbank fordern rund 1,4 Milliarden Euro von dem norddeutschen Geldinstitut. Sie werfen der Bank vor, bestimmte Anleihen unzulässig heruntergeschrieben zu haben. Dagegen klagen die Anleger nun vor dem Landgericht Kiel – und zielen damit eigentlich auf die neuen Eigner der ehemaligen Landesbank, die Finanzinvestoren Cerberus und J.C. Flowers.

Nadine Herrmann

Nadine Herrmann

Die 18 klagenden Investoren stammen aus Deutschland, weiteren europäischen Ländern sowie den USA und sind Inhaber börsennotierter Tier-1-Anleihen der HSH. Hintergrund der Klage ist der Verdacht der Gläubiger, die neuen HSH-Eigentümer um Cerberus und J.C. Flowers hätten sich auf ihre Kosten bereichert. Die mittlerweile privatisierte HSH habe „über Jahre hinweg Handlungen vorgenommen, deren einziger Zweck augenscheinlich darin bestanden habe, die Anleihen unzulässig herunterzuschreiben”, heißt es einer Presseerklärung der Kläger.

Die Finanzinvestoren hatten die HSH im vergangenen Jahr für rund eine Milliarde Euro übernommen. Am 30. November hatte die Bank dann mitgeteilt, die Hybridinstrumente zu kündigen. Die Buchwerte der Papiere dürften Ende 2020 nur rund 15 Prozent des Nominalwerts betragen, erklärte das Geldhaus damals. Sollte die HSH die sogenannten Tier-1-Anleihen tatsächlich zu 15 Prozent ihres Nennwertes zurückkaufen, bedeute dies einen Profit in Höhe von 1,6 Milliarden Euro auf Kosten der Anleihegläubiger. Ein Gewinn, der den neuen Eigentümern zugutekommen würde.

Die Gläubiger fordern daher eine Hochschreibung der Papiere auf ihren Nennwert sowie Schadenersatz für entgangene Zinszahlungen. Statt auf einen langwierigen Rechtsstreit zielen die Gläubiger wohl eher auf einen Vergleich: Man sei nach wie vor bereit, mit der HSH eine einvernehmliche Lösung zu finden, heißt es in der Presserklärung zur Klage.

Bei den umstrittenen Anleihen handelt es sich um eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital. Die nachrangigen Bankschuldverschreibungen sind allen anderen Verbindlichkeiten des Instituts nachgeordnet. Insgesamt hat die HSH derartige Anleihen in Höhe von rund zwei Milliarden Euro ausgegeben.

Befeuert werden könnte die Klage durch Unterlagen aus den USA: Dort haben die Anleihegläubiger bereits einen sogenannten Discovery-Antrag gestellt. Dabei handelt es sich um ein Rechtshilfeersuchen gegen die neuen HSH-Eigentümer Cerberus, J.C. Flowers sowie GoldenTree Asset Management. Am 17. Dezember 2018 hat das Gericht des Southern District of New York dem Antrag stattgegeben. Die HSH-Eigner müssen nun Dokumente an die klagenden Hedgefonds übergeben.

Vertreter HSH-Gläubiger
Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan (Hamburg): Dr. Nadine Herrmann, Joachim Lehnhardt; Associates: Henning Wienstroth, Tim Willing, Christoph Bauch, Dr. Lennert Alexy

Berater HSH Nordbank
Inhouse (Hamburg): Barbara Himmel (Leiterin Recht und Steuern), Dr. Till Friedrich, Torsten Baatz

US-Discovery-Verfahren

Philipp Hanfland

Philipp Hanfland

Vertreter HSH-Gläubiger
Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan (New York): Daniel Brockett, Jeremy Andersen (Los Angeles), Tom Lepri

Vertreter Cerberus
Schulte Roth & Zabel (New York): Michael Swartz, Michael Cutini; Associate: Andrew Gladstein
Hengeler Mueller (Frankfurt): Philipp Hanfland

Vertreter J.C. Flowers
Kirkland & Ellis (New York): Sandra Goldstein, Stefan Atkinson
Noerr (Frankfurt): Dr. Anke Meier

Vertreter GoldenTree
Willkie Farr & Gallagher (New York): Todd Cosenza, Tariq Mundiya

Berater HSH Nordbank
Freshfields Bruckhaus Deringer (München): Michael Rohls

Hintergrund: Quinn-Partnerin Herrmann ist erfahren in Massenklagen. Bislang hat sich die Kanzlei in Deutschland allerdings besonders für kartellrechtliche Auseinandersetzungen einen Namen gemacht und weniger für Anlegerklagen. So ist Herrmann auch im Zement-Kartell für die Klagegesellschaft CDC tätig. Allerdings hat Quinn zuletzt ihre Arbeit für institutionelle Kläger in kapitalmarktrechtlichen Verfahren ausgeweitet und versucht so, eine Stärke ihrer US-Praxis auch in Deutschland zu etablieren. Beispielsweise vertritt die Kanzlei aktuell auch institutionelle Anleger im Musterprozess gegen VW wegen der Dieselaffäre. 

Michael Rohls

Michael Rohls

Die HSH hat in dem Fall noch keine externen Prozessvertreter ausgewählt. Im Übernahmeprozess war Freshfields Bruckhaus Deringer für die Bank tätig und berät diese auch weiterhin umfassend. Im US-Discovery-Verfahren ist die HSH nicht direkt beteiligt, Freshfields-Partner Rohls steuerte aber eine Stellungnahme für die Bank bei.

Für die neuen Eigner der Bank, die im US-Discovery-Verfahren den Quinn-Mandanten direkt gegenüberstehen, war neben den US-Kanzleien Schulte Roth & Zabel, Kirkland & Ellis und Willkie Farr & Gallagher auch Hengeler Mueller tätig. Partner Hanfland gab eine Erklärung zum deutschen Recht für Cerberus ab, der Investor hatte Hengeler auch bereits im Verlauf der Übernahme hinzugezogen. Auch J.C. Flowers zog mit Noerr eine Kanzlei hinzu, die bereits beim Kauf der HSH-Anteile tätig war, im US-Verfahren gab Dr. Anke Meier eine Stellungsnahme abgab. (Ulrike Barth)

Der Artikel wurde am 10.01.2019 ergänzt.

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