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11.02.2019

P&R-Pleite: Firmengründer stellt sich mit Leitner und Grub Brugger der Anklage

Im möglicherweise größten Betrugsfall der Nachkriegsgeschichte hat die Staatsanwaltschaft München I Anklage gegen Firmengründer Heinz Roth erhoben. Dem 75-Jährigen werden 414 Fälle des gewerbsmäßigen Betrugs und Steuerhinterziehung in 12 Fällen vorgeworfen. Der Gesamtschaden steht noch nicht fest, übertrifft die jetzt angeklagten Fälle aber bei Weitem.

Porträt Werner Leitner

Werner Leitner

Roth – der seit vergangenem Jahr in Untersuchungshaft sitzt – gilt als Schlüsselfigur in dem Komplex, dessen Gesamtschaden noch nicht feststeht. Auf rund 3,5 Milliarden Euro soll sich die Anlagesumme belaufen. Von den verkauften 1,6 Millionen Containern existierten nur etwa 617.000. P&R vermietete die Container an Frachtunternehmen, damit sollte die Rendite für die Anleger finanziert werden. Außerdem bot P&R den Anlegern den Rückkauf nach fünf Jahren an. Das Geschäftsmodell funktionierte aber nur, weil P&R mit dem Geld immer neuer Kunden die Renditen der Altanleger zahlte, meint die Staatsanwaltschaft.

Im vergangenen Frühjahr meldeten drei Gesellschaften des Containervermittlers Insolvenz an. Im Sommer wurde bekannt, dass die zuständigen Insolvenzverwalter Vermögenswerte in der Schweiz sicherstellen konnten. Dazu war dem Vernehmen nach auch die Mithilfe Roths erforderlich. Denn über das deutsche Verfahren bestand kein Zugriff auf Vermögensteile, die auf verschlungenen Wegen zuerst auf die Schweizer Gesellschaft übertragen wurden.

Porträt Norbert Scharf

Norbert Scharf

Dass die Staatsanwälte Roth in nur 414 Fälle anklagen, hat auf die Ansprüche der übrigen geprellten Anleger im Insolvenzverfahren keine Auswirkungen, da das strafrechtliche und das zivilrechtliche Verfahren getrennt laufen. Roth hat sich laut Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen geäußert: „Er hat Angaben gemacht. Das heißt nicht, dass er alles zugegeben hätte“, so der leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst.
 
Verteidiger Heinz Roth
Leitner & Kollegen (München): Prof. Dr. Werner Leitner; Associate: Dr. Martin Würfel
Grub Brugger (München): Dr. Norbert Scharf

Staatsanwaltschaft München I
Hans Kornprobst (Leitender Oberstaatsanwalt)

Hintergrund: Mit Leitner und Scharf wird Roth von zwei sehr angesehenen Strafrechtlern verteidigt. Scharf war zuletzt einer der Berater von Ex-Deutsche Börse-Chef Carsten Kengeter in der Insider-Affäre. Leitner ist unter anderem für Audi in der Dieselaffäre tätig, vertritt aber auch Partner der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer zu den Cum-Ex-Ermittlungen verschiedener Behörden.

Dr. Michael Jaffé und Dr. Philip Heinke aus der Münchner Kanzlei Jaffé wurden vom Amtsgericht München als Insolvenzverwalter der Gesellschaften bestimmt. In der großen Petroplus-Insolvenz vor einigen Jahren war Jaffé auch Verwalter. Diese dabei aufgebauten Kontakte in die Schweiz kamen dem P&R-Verfahren zugute. (Ulrike Barth, Ludger Steckelbach, Markus Lembeck, mit Material von dpa)

 
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