Artikel drucken
17.06.2019

Frankfurt: Erneute Durchsuchung bei Freshfields wegen Cum-Ex

Im Steuerskandal um umstrittene Cum-Ex-Aktiengeschäfte haben Ermittler zum dritten Mal Räume von Freshfields Bruckhaus Deringer in Frankfurt durchsucht. Wie erst heute bekannt wurde, nahmen am vergangenen Donnerstag Staatsanwälte und Steuerfahnder zudem den Arbeitsplatz eines Mitarbeiters bei einem Fondsanbieter in Frankfurt sowie die Wohnung eines Beschuldigten im Hochtaunuskreis unter die Lupe.

Nach Mitteilung der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt vom Montag richten sich die Ermittlungen gegen acht Beschuldigte im Alter von 42 bis 60 Jahren. Namen von Beschuldigten oder betroffenen Unternehmen nannte die Behörde nicht. Sieben Männern und einer Frau wird besonders schwere Steuerhinterziehung bzw. Beihilfe dazu vorgeworfen. Im Fall von Freshfields geht es um Beratungsleistungen von zwei Anwälten im Zusammenhang mit Cum-Ex-Geschäften.

Im konkreten Fall geht es um einen Steuerschaden von 13,57 Millionen Euro infolge von Aktienkäufen im Frühjahr 2009. Bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sind zehn Verfahrenskomplexe zum Thema Cum-Ex anhängig. Räume von Freshfields waren in diesem Zusammenhang bereits im Oktober 2017 und im November 2018 durchsucht worden. Ein Sprecher der Kanzlei bestätigte die jüngste Aktion auf Anfrage: „Die Durchsuchung bezog sich auf ein früheres Mandatsverhältnis unserer Kanzlei. Wir sind zuversichtlich, dass unsere Beratung rechtlich nicht zu beanstanden war.“

Bei der Razzia im Herst 2018 ging es um Cum-Ex-Geschäfte bei der inzwischen insolventen Maple Bank. Was diesmal der konkrete Anlass war, wurde nicht bekannt.

Seit Jahren ermitteln Staatsanwälte und Steuerfahnder im Skandal um umstrittene Cum-Ex-Aktiendeals – nun rückt das erste Gerichtsverfahren näher. Die Staatsanwaltschaft Köln wirft zwei Männern im Alter von 41 und 38 Jahren besonders schwere Steuerhinterziehung in mehr als 30 Fällen vor, wie das Landgericht Bonn am Montag mitteilte. Gesamtschaden: über 440 Millionen Euro. Eine entsprechende Klageschrift ist verschickt worden.

Die beiden Beschuldigten waren Medienberichten zufolge als Aktienhändler tätig und unterstützten die Ermittlungen als Kronzeugen. Sie haben nun einen Monat Zeit zur Stellungnahme. Danach entscheidet die 12. Große Strafkammer des Landgerichts, ob sie die Anklage zulässt und die Hauptverhandlung eröffnet – in der Regel ist dies der Fall. Die Hauptverhandlung könnte dann im Herbst beginnen. (Christiane Schiffer, mit Material von dpa)

 

 

  • Teilen