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13.09.2019

Urteil im Erbschaftsdrama: Noerr, Latham und Wirsing Hass Zoller streiten für die Finck-Erben

Ist Helmut von Finck, Sohn des 1980 verstorbenen Milliardärs August von Finck, von seinen Halbbrüdern über den Tisch gezogen worden? Zehn Jahre tobte um diese Frage eine der größten deutschen Erbschaftsstreitigkeiten. Nun gibt es ein Urteil des Landgerichts München I: Die Klage Helmut von Fincks ist abgewiesen (Az. 30 O 24193/09). Die Richter haben nichts zu beanstanden an der notariellen Vereinbarung, mit der Helmut für 65 Millionen Mark auf seine Erbschaftsansprüche verzichtet hatte.

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Tobias Bürgers

Der Streit hat seinen Ursprung an einem Tag im Februar 1985. Damals vereinbarten die Finck-Brüder Helmut, Wilhelm und August junior beim Münchner Notar Helmut Keidel: Helmut überträgt sein Erbe – darunter Bankbeteiligungen, Aktien, Ländereien – an seine Brüder. Dafür bekommt er 65 Millionen Mark.

Helmut war damals 25 Jahre alt, Bhagwan-Jünger – und nach Darstellung seiner Anwälte dem Alkohol und anderen Drogen zugetan. Mit anderen Worten, so stellt er es heute dar: Er war eigentlich gar nicht geschäftsfähig. Das hätten seine Halbbrüder ausgenutzt, um ihm seine Beteiligungen weit unter Wert abzunehmen. Deshalb fordert Helmut von Finck seit 2009 die Rückabwicklung des Vertrags von 1985. Seine Halbbrüder hätten ihm, laut Klageschrift, „in empörender – juristisch gesprochen in sittenwidriger – Weise“ sein Vermögen abgenommen. Die nun abgewiesene Klage wird von einer Privatperson finanziert.

Illustre Zeugenschar hilft den Gutachtern

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Claus Hass

Dass der Prozess sich zehn Jahre zog, hat damit zu tun, dass nicht nur Rechtliches bewertet, sondern auch ein Sachverhalt von vor 30 Jahren penibel ermittelt werden musste. Es wurden zahlreiche illustre Zeugen aus Helmut von Fincks damaligem Umfeld vernommen, die teils eingeflogen werden mussten. Auch Notar Keidel musste aussagen. Die Zeugenaussagen waren Basis für mehrere medizinische Gutachten, die das Gericht und die Parteien in Auftrag gaben. Sie sollten die Frage der Geschäftsfähigkeit kären. Letztlich kam das Gericht zu dem Schluss: Helmut von Finck war geschäftsfähig, denn er war zur fraglichen Zeit durchaus auch anderweitig geschäftlich aktiv.

Der Streit dürfte noch lange nicht vorbei sein. Unter anderem auch deshalb, weil Kläger Helmut am liebsten Wilhelm und August junior nachträglich enterben lassen will. Denn diese hätten gegen Testamentsauflagen verstoßen, als sie 1990 das Bankhaus Merck Finck & Co. an Barclays und 1994 eine Isarwerke-Beteiligung verkauften. Ob das dem Willen des Erblassers entsprach, war bereits Thema vor dem Bundesgerichtshof. In einer Mitteilung der Klägerseite heißt es, das Landgericht habe in seinem aktuellen Urteil diesen Rechtsstreit ignoriert. Es gilt deshalb als wahrscheinlich, dass Helmut von Finck in Berufung gegen das Urteil gehen wird.

Vertreter Helmut von Finck
Latham & Watkins (Frankfurt): Mathias Fischer; Associate: Eva Guckes

Vertreter August von Finck jr.
Noerr (München); Dr. Tobias Bürgers, Dr. Philipp Götz, Otto Stolberg

Vertreter Wilhelm von Finck
Wirsing Hass Zoller (München): Dr. Michael Zoller, Dr. Claus Hass, Clemens Richter

Landgericht München I, 30. Kammer
Annerose Werlitz (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Alle Beteiligten sind aus dem Markt bekannt.

Bürgers ist seit Jahrzehnten ein Berater der Familie von August von Finck und versiert in gesellschaftsrechtlichen Auseinandersetzungen. Er vertrat unter anderem Clemens Tönnies in dem jahrelangen Streit mit dessen Neffen Robert Tönnies.

Auch zwischen Wilhelm von Finck und der Kanzlei Wirsing Hass Zoller gibt es eine lange Beziehung. Die Kanzlei hat einen Schwerpunkt bei der Beratung wohlhabender Private Clients. Die Beziehung zu Finck geht zurück auf den im vergangenen Jahr verstorbenen Kanzleigründer Dr. Georg Wirsing. Inzwischen ist Dr. Claus Hass erster Ansprechpartner für die Familie. Zoller kam ins Mandat, weil er der erfahrenste Prozessanwalt der Kanzlei ist.

Kläger Helmut von Finck setzte zunächst auf Latham-Partner Dr. Finn Zeidler. Als dieser vor zwei Jahren zu Gibson Dunn & Crutcher wechselte, übernahm der Frankfurter Counsel Fischer das Mandat. (Marc Chmielewski)

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