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05.09.2019

Zweiter Prozesstag gegen Falk: DLA- und Clifford-Anwälte sagen aus

Anwälte von Clifford Chance und DLA Piper standen im Mittelpunkt des zweiten Prozesstages gegen Alexander Falk. Dem Hamburger Unternehmer wird zurzeit vor dem Landgericht Frankfurt der Prozess gemacht. Er soll dafür verantwortlich sein, dass 2010 auf einen ehemaligen Anwalt von Clifford Chance, der inzwischen bei DLA arbeitet, geschossen wurde. Am zweiten Prozesstag schilderten Prof. Dr. Jürgen Taschke von DLA und Sebastian Rakob von Clifford ihre Sicht der Dinge. Beide hatten damals eng mit dem Opfer zusammengearbeitet.

Daniel Wölky, Alexander Falk, Björn Gercke (v.l.)

Die Kanzleien beschäftigt das Thema bis heute: Sie haben dem Hauptbelastungszeugen eine Belohnung von 100.000 Euro gezahlt, außerdem versuchten mehrere Anwälte, den Prozess zu verfolgen. Beobachter beider Kanzleien mussten allerdings den Saal verlassen. Eine Protokollantin von DLA Piper blieb jedoch zunächst unbemerkt.

Prof. Dr. Björn Gercke, einer der beiden Verteidiger Falks, beantragte direkt zu Beginn, dass sich alle Zuschauer, die nicht der Presse angehörten, ausweisen sollten. Es könnten Personen im Zuschauerraum sitzen, die im Auftrag von Clifford oder DLA die Aussagen der Zeugen Taschke und Rakob protokollieren würden. Da die Verteidigung weitere Zeugen beider Kanzleien laden wolle, bestünde die Gefahr der Beeinflussung, so Gercke. Er führte eine JUVE-Nachricht an, die nach Erscheinen geändert worden sei. Ursache dafür könnten nur Anrufe von Clifford- oder DLA-Anwälten in der Redaktion sein.

Die Nachrichten von JUVE seien nur ein Nebenkriegsschauplatz, erwiderte der Vorsitzende Richter Dr. Jörn Immerschmitt. Ihn würden diese nicht interessieren. Er lese die „Bild-Zeitung für Anwälte“ nicht.

Gleichwohl fragte er die Zuschauer, ob sie von Kanzleien kämen. Sibylle Haas, Senior Associate bei Clifford Chance und zum damaligen Zeitpunkt im Team des Opfers, verließ auf Bitte des Richters den Saal, ebenso wie Dr. Christian Wolf, damals im DLA-Team. Er machte direkt bei Betreten des Zuschauerraums auf dem Absatz kehrt.

Späteres Opfer sorgte für Pfändungen

Auch der Frankfurter Strafverteidiger Dr. Bernd Groß von Feigen Graf musste seine Anwesenheit im Zuschauerraum begründen. Ob er denn auch protokollieren wolle und für wen? Er sei aus privatem Interesse hier, antwortet Groß. Ein weiterer Zeuge, Mitangeklagter in dem Prozess, bei dem Falk 2008 zu vier Jahren Haft wegen Betrugs verurteilt worden war, sei sein erster Mandant gewesen. „Eine emotionale Bindung“, so Groß. Das überzeugte.

In den Aussagen Taschkes und Rakobs ging es vor allem darum, welche Rolle das spätere Anschlagsopfer in den Zivilklagen gegen Falk spielte. Beide stellten heraus, dass dieser „beharrlich sein Ziel verfolge“ und maßgeblich derjenige gewesen sei, der auch nach außen sichtbar für die Arrestierung des Falk-Vermögens gesorgt habe. Arrestierungen seien sein Spezialgebiet gewesen.

Der Kollege habe bei Falk, der seinerzeit als einer der vermögendsten Deutschen galt, Konten, Immobilien, Möbel und Bilder im Privathaus pfänden lassen. Die Maßnahmen reichten bis zur Taschenpfändung in Untersuchungshaft. Für die Sicherstellung des Vermögens in Südafrika, wo Falk eine Farm und ein Konto über 5,5 Millionen Euro hatte, war Rakob zuständig. Lange sei auch um die Festsetzung von Falks Yacht gestritten worden, die dem Insolvenzverwalter wegen der immensen Kosten ein besonderer Dorn im Auge gewesen sei.

Kanzleien mussten bewacht werden

Die Folgen des Anschlags auf den Anwalt waren auch für die Kanzleien Clifford und DLA spürbar. Laut Taschke habe die Polizei im Anschluss daran die Kanzleiräume von DLA überwacht und Besucher kontrolliert. Auch habe es die Befürchtung gegeben, dass von der benachbarten Frankfurter Friedensbrücke aus ins DLA-Büro geschossen werden könnte.

Clifford-Anwalt Rakob schilderte, er habe über Monate rund um die Uhr Polizeischutz erhalten und über mehrere Jahre eine Pistole bei sich getragen. Als Zeugenbeistand hatte er Prof. Dr. Ulrich Ziegert engagiert. Er führt nach dem Tod des bekannten Strafverteidigers Rolf Bossi 2015 ihre Münchner Kanzlei Bossi & Ziegert weiter. Rakob habe nach der Tat schnell Falk im Verdacht gehabt. Taschke hingegen sagte, er habe Falk für einen Wirtschaftskriminellen gehalten, aber nicht für jemanden, der einen Mord in Auftrag gebe.

Möglicherweise wird Taschke seine Aussage wiederholen müssen. Einen entsprechenden Antrag stellten Gercke und sein Kanzleipartner Dr. Daniel Wölky gegen Ende des zehnstündigen Prozesstages. Eine Besucherin des Prozesses, sie war später gekommen, hatte auf ihrem Laptop ausführlich die Aussage Taschkes protokolliert. Das bemerkte die Verteidigung jedoch erst, als diese gemeinsam mit Taschke nach seiner Aussage den Saal verließ.

Zeuge soll Falk erpresst haben

Einen anderen Antrag der Verteidigung lehnte das Gericht ab: Darin wurde gefordert, die Vernehmung des Hauptbelastungszeugen vorzuziehen. Er ist für den 10. Oktober geladen. Von ihm hängt viel ab: Er hatte der Polizei einen Gesprächsmitschnitt zwischen Falk und zwei weiteren Männern geliefert. Die Verteidigung hält das Band für manipuliert und den Zeugen für fragwürdig. Er habe jahrelang versucht, Falk mit dem Band zu erpressen. Als dies erfolglos blieb, habe er die von Clifford und DLA ausgeschriebene Belohnung kassieren wollen.

Dass der Belastungszeuge mehrfach vorbestraft ist, bestätigte inzwischen auch der Auszug des Bundeszentralregisters. Richter Immerschmitt erklärte, ursprünglich habe man von dort die Auskunft erhalten, der Zeuge sei nicht vorbestraft. Ursache des Fehlers sei ein falsches Geburtsdatum gewesen.

Der Prozess wird am 10. September fortgesetzt.

Vertreter Alexander Falk
Gercke Wollschläger (Köln): Prof. Dr. Björn Gercke, Daniel Wölky (beide Strafrecht)
Höcker (Köln): Prof. Dr. Ralf Höcker (Presserecht)

Staatsanwaltschaft Frankfurt
Nicole Matcalf, Dr. Wanja Welke (Staatsanwälte)

Landgericht Frankfurt
Dr. Jörn Immerschmitt (Vorsitzender Richter), Dr. Bernd Steinmetz, Iris Möhrle

(Eva Flick)

 

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