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13.12.2019

Kanzleien im Falk-Prozess: „Wir wollten mit der Belohnung ein Signal senden“

Im Prozess gegen den Hamburger Unternehmer Alexander Falk ging es noch einmal um die Belohnung, die DLA Piper und Clifford Chance für Hinweise auf den Täter ausgesetzt hatten. Beide Kanzleien hatten gemeinsam 100.000 Euro ausgelobt, wenn Informationen zu einem Tatverdächtigen führen. Das Opfer, ein Partner von DLA, war 2010 durch einen Schuss ins Bein schwer verletzt worden. Falk wird vorgeworfen, Auftraggeber des Attentats zu sein.

Uwe Hornung

Uwe Hornung

Die Belohnung spielt eine große Rolle im Verfahren. Es steht im Raum, dass sie eine belastende Aussage provoziert haben könnte. Eine wichtige Frage ist deshalb auch, wann das Thema Belohnung erstmals aufkam und vor allem – von wem. Aus diesem Grund waren Uwe Hornung von Clifford Chance und Dr. Konrad Rohde von DLA Piper als Zeugen geladen. Sie waren von ihren Kanzleien beauftragt, das Thema Belohnung und die Auszahlungsmodalitäten abzustimmen und abzuwickeln, Hornung als eine Art General Counsel seiner Kanzlei, Rohde als Co-Managing-Partner von DLA.

Hornung berichtete, dass die Belohnung schon kurz nach der Tat 2010 ausgesetzt wurde. „Aus Polizeikreisen hieß es damals, mit einem sechsstelligen Betrag könne man schon etwas bewirken“. Die 100.000 Euro wollten beide Kanzleien jeweils zur Hälfte übernehmen. „Wir waren uns des Problems bewusst, dass eine Belohnung auch Hinweise provozieren kann“, sagte Hornung weiter. „Aber wir würden jederzeit wieder so handeln. Denn schließlich ging es auch um ein Signal: Wir lassen uns nicht einschüchtern, und wir stehen hinter unseren Mitarbeitern.“

Belohnung wurde in Raten gezahlt

Björn Gercke

Björn Gercke

Viele Jahre lang, bis 2017, passierte nichts. Dann habe Clifford-Partner Sebastian Rakob, eng involviert in die Geschehnisse von 2010, von einem Tonband erzählt, das ein Zeuge bei der Polizei präsentierte. Deshalb sei die Frage aufgekommen, ob nun die Belohnung fällig würde. Beide beauftragten den mit solchen Angelegenheiten erfahrenen Strafrechtler Hans-Jürgen Hauschild, den Hornung aus gemeinsamen Band-Tagen kannte. Er sollte das Gespräch mit der Polizei zum Thema Belohnung zu suchen. Gegen eine provozierte Aussage wollten sich DLA und Clifford absichern, indem sie die Auszahlung an gewisse Stufen des Strafverfahrens knüpften. 2010 war noch geplant, dass die Belohnung nur bei rechtskräftiger Verurteilung gezahlt wird. Als es 2017 tatsächlich einen Hinweis gab, ließ man sich auf Anraten des Anwalts darauf ein, die Belohnung nach Zulassung der Anklage auszuzahlen. Dies sei üblich, habe ihnen Anwalt Hauschild erklärt, und erschien allen auch als möglichst risikoarme Lösung.

2018 und 2019 wurde die Belohnung in mehreren Tranchen an den Hauptbelastungszeugen gezahlt,  die erste nach einer richterlichen Vernehmung. Der Zeuge E. habe Geldsorgen gehabt, hieß es. Im Sommer 2019, kurz vor Anklageerhebung gegen Falk, forderte E. sogar noch einen Nachschlag, berichtet Hornung, den er aber deutlich abgelehnt habe. 

Tonband ist wahrscheinlich manipuliert

Auf dem Tonband ist zu hören, wie Falk den Anschlag auf den Anwalt bejubelt. In der vergangenen Woche hatte im Prozess ein Sachverständiger des Fraunhofer Instituts ein Gutachten zu dem Tonband vorgestellt. Demnach ist die Aufnahme an zahlreichen Stellen verändert und wahrscheinlich geschnitten worden.

Der Erbe des Stadtplan-Verlags, Alexander Falk, ist wegen Anstiftung zum Mord angeklagt. Er soll einen Mittelsmann mit der Ermordung eines Frankfurter Rechtsanwalts beauftragt haben. Falk, der seit seiner Verhaftung im September vergangenen Jahres in Untersuchungshaft sitzt, bestreitet die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Zur Vorgeschichte der Falk vorgeworfenen Tat gehört ein Unternehmensverkauf aus dem Jahr 2000. Damals verkaufte der Erbe des Kartographie-Verlags und damalige Internetunternehmer Alexander Falk seine Firma Ision an die britische Energis. Wie sich später herausstellte, hatte Falk mit Scheingeschäften die Bilanzen von Ision geschönt und damit den Kaufpreis in die Höhe getrieben. Energis musste Insolvenz anmelden, und Falk wurde 2008 zu vier Jahren Haft verurteilt. Parallel dazu nahm Energis den Hamburger Unternehmer auch zivilrechtlich in Anspruch und bekam schließlich 2012 vom Landgericht Hamburg über 200 Millionen Euro Schadensersatz zugesprochen. Zum Anwaltsteam von Energis gehörte auch der Frankfurter Partner, auf den 2010 in Frankfurt geschossen wurde. Er arbeitete damals gemeinsam mit Hornung und Rakob an dem Mandat.

Konrad Rohde

Konrad Rohde

Verteidiger Alexander Falk
Gercke Wollschläger (Köln): Prof. Dr. Björn Gercke, Daniel Wölky

Zeugenbeistände
Rosinus Partner (Frankfurt): Dr. Christian Rosinus – für Konrad Rohnde
Bossi & Ziegert (München): Prof. Dr. Ulrich Ziegert – für Uwe Hornung

Staatsanwaltschaft Frankfurt
Nicole Metcalf, Dr. Wanja Welke (Staatsanwälte)

Landgericht Frankfurt
Dr. Jörn Immerschmitt (Vorsitzender Richter), Dr. Wolfhard Steinmetz, Iris Möhrle

(Christiane Schiffer)

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