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15.04.2020

Geteilte Fußballrechte: Gleiss und Freshfields überzeugen das Kartellamt

Das Bundeskartellamt hat ein Verfahren gegen Sky und DAZN wegen ihres Champions-League-Kooperationsvertrages eingestellt. Dabei ging es um geteilte Übertragungsrechte für die Champions League bis 2021.

Moritz Holm-Hadulla

Moritz Holm-Hadulla

Das Kartellamt hatte ein Verfahren eingeleitet, weil sich der Pay-TV-Sender Sky und der Streamingdienst DAZN die Fußball-Übertragungsrechte teilen. Es habe der Verdacht bestanden, dass Sky und DAZN schon im Vorfeld vereinbart hatten, die Übertragungsrechte für Deutschland untereinander aufzuteilen, schrieb das Kartellamt. Nun gibt es Entwarnung für die Kooperationspartner: „Das Verhalten von Sky und DAZN war auf den ersten Blick kartellrechtlich nicht unproblematisch“, sagte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt. „Es sprachen dennoch einige Gründe für die Einstellung des Verfahrens. Der Markt ist in Bewegung, neue Player treten auf – das hat die kürzlich erfolgte Champions-League-Rechtevergabe für die Spielzeiten ab 2021/22 erneut gezeigt.“

Sky war im jüngsten Wettbieten um die Champions-League-Rechte bis 2023/24 nach eigener Aussage leer ausgegangen. Neben Amazon soll sich DAZN Live-Rechte gesichert haben, doch der Streamingdienst hat das offiziell noch nicht bestätigt. Im Gegensatz zu Vereinbarungen im Vorfeld der Rechtevergaben, sind Kooperationen der Sender im Nachgang zu den Ausschreibungen und Rechtevergaben kartellrechtlich unter bestimmten Umständen erlaubt, sagte das Kartellamt. Im Zweifel müssten diese aber zuvor von den Wettbewerbsbehörden geprüft werden.

Peter Niggemann

Peter Niggemann

Mundt brachte auch die andauernde Corona-Pandemie als Grund für die Entscheidung ins Spiel, es sei „kaum absehbar, wie sich der Markt in naher Zukunft entwickeln wird. Die Wirkungen eines kartellrechtlichen Eingriffs wären deshalb derzeit mit besonderen Unsicherheiten behaftet.“

Vorher abstimmen – nein, danach schon

Sky hatte sich 2017 in der Ausschreibung der Uefa für die Champions-League-Rechte durchgesetzt, danach aber einen Teil des Pakets an DAZN abgegeben. Das Kartellamt hatte daraufhin im Herbst 2018 ein Verfahren eingeleitet, das bis auf kleine Unterbrechungen bis jetzt dauerte. In dem Kartellverwaltungsverfahren ging es zunächst nicht um Bußgelder, sondern um eine Überprüfung des Vorgehens der beiden Dienste. Dass das Amt anschließend ein Verfahren komplett ohne Auflage oder Bußen wieder einstellt, kommt eher selten vor.

Die Behörde prüft regelmäßig die Vergaben von Senderechten. Im Jahr 2016 hatte sie beispielsweise die Deutsche Fußballliga dazu verpflichtet, die Rechte für die Bundesligaspiele nicht mehr an einen einzigen Anbieter zu vergeben.

Jörn Schulze-Hesselmann

Jörn Schulze-Hesselmann

Vertreter Sky
Gleiss Lutz (Stuttgart): Dr. Moritz Holm-Hadulla; Associate: Andreas Schüssel
Inhouse (München): Dr. Holger Enßlin (Chief Officer Legal, Regulatory & Distribution)

Vertreter Perform/DAZN
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Peter Niggemann; Associates: Paul Drößler, Katharina Gebauer
Inhouse Recht: Sam Moorhouse (Leiter Recht Global; London), Jörn Schulze-Hesselmann (Leiter Recht Deutschland/Österreich/Schweiz; München)

Bundeskartellamt, 6. Beschlussabteilung
Julia Topel (Vorsitzende), Daniel Judith

Hintergrund: Die Kanzleien haben das Verfahren von Anfang an begleitet, insofern sind die beteiligten Anwälte unverändert. Auch DAZN und ihre britische Muttergesellschaft Perform ist mit demselben Team durch die Ermittlungen gegangen.

Soweit bekannt, hat es jedoch im Team von Sky eine Veränderung gegeben. Regulierungschef Dr. Patrick Hildebrandt, der das Verfahren am Anfang steuerte, hat den Sender verlassen, seitdem wurde der Komplex von Enßlin betreut. Er veranwortet in der Geschäftsführung die Arbeit der Rechtsabteilung, die Akquistion von Sportrechten und die Verbreitung von Sky. (Christiane Schiffer, mit Material von dpa)

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